Lade Login-Box.
Topthemen: Ministerpräsidentenwahl ThüringenFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

Autozulieferer hielten Blei-Werte in Kleinteilen nicht ein

Erst nach langer Zeit entdeckt der Autozulieferer Continental nach eigenen Angaben, dass der Bleigehalt in Elektrikteilen zu hoch war. Auch Bosch hält die Grenzwerte nicht ein. Der Verstoß könnte Folgen haben.



Continental-Hauptverwaltung in Hannover
Continental-Hauptverwaltung in Hannover. Foto. Holger Hollemann   Foto: Holger Hollemann

In zahlreiche Autos sind in den vergangenen Jahren Elektrikteile mit Bleimengen eingebaut worden, die über den EU-Grenzwerten lagen. Die deutschen Zulieferer Continental und Bosch räumten am Wochenende ein, die Vorschriften nicht eingehalten zu haben.

Nach übereinstimmenden Aussagen der beiden Unternehmen und des niedersächsischen Umweltministeriums besteht keine Gefahr für Mensch und Umwelt. «Die betroffenen Komponenten sind fest in den Fahrzeugen verbaut und keinem Verschleiß ausgesetzt», stellte das Ministerium fest. Die «Bild am Sonntag» hatte zuvor über den Fall berichtet.

Bei den Teilen handelt es sich überwiegend um Leiterplatten und darauf montierte Kondensatoren. Das Schwermetall Blei ist für die Umwelt nur dann gefährlich, wenn es sich in Verbindungen löst oder als Staub in die Atemluft gelangt. Nach Angaben von Continental geht es um eine Bleimenge von durchschnittlich rund 0,0003 Gramm je Komponente oberhalb des Grenzwerts.

Continental teilte am Freitagabend in Hannover mit, man habe die «geringfügige Überschreitung» der gesetzlichen Grenzwerte selbst festgestellt und Anfang Juni den zuständigen Behörden gemeldet. Ein Bosch-Sprecher sagte auf Anfrage, das Unternehmen sei «vor einigen Wochen» auf den Sachverhalt aufmerksam geworden. Die Auslieferung potenziell betroffener Produkte sei daraufhin gestoppt worden. Zur Zahl und genauen Art der Produkte machte der Sprecher keine Angaben.

Unklar blieb zunächst, ob den betroffenen Autos ein behördlicher Rückruf droht. Continental teilte mit, die fraglichen Bauteile mit dem Blei seien vor allem seit 2016 verwendet worden. Nach Informationen der «Bild am Sonntag» sind die Komponenten in Fahrzeugen fast aller Autohersteller weltweit zu finden. Es soll sich demzufolge um mehrere Millionen Autos handeln, die nach 2013 produziert worden seien.

Der Continental-Sprecher sagte der dpa, das Unternehmen könne noch keine Zahl nennen, da sich die Grenzwerte für Schwermetalle in diversen Bauteilen in den Jahren 2013, 2015 und 2016 geändert hätten. Formal hat Continental gegen die jeweils gültige Altfahrzeug-Richtlinie der EU verstoßen, die abhängig vom Datum der Typgenehmigung eines Fahrzeugmodells Grenzwerte festlegt.

Der «Bild am Sonntag» hatte ein Unternehmenssprecher erklärt: «Es war unser Fehler. Wir haben die gesetzlichen Anforderungen übersehen. Wir werden nicht juristisch gegen den Zulieferer vorgehen.» Continental hatte Kondensatoren von einem chinesischen Zulieferer bezogen und dann in Komponenten für Autos verbaut.

Das niedersächsische Umweltministerium wies darauf hin, dass die gleichen Komponenten in Nutzfahrzeugen über 3,5 Tonnen legal verbaut werden dürften. Man sei «mit der Aufklärung des Sachverhaltes befasst» und stehe mit Continental im Austausch. «Continental wurde aufgefordert, einen Maßnahmenplan zu erstellen, der eine schnellstmögliche Reduzierung des Bleigehalts der betroffenen Komponenten auf das zulässige Maß gewährleistet.» Dieser Plan sei am Freitag eingegangen und werde nun geprüft. Continental will nach eigenen Angaben die Bleimengen in seinen elektronischen Bauteilen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus verringern.

Nach Darstellung der «Bild am Sonntag» ist jedoch die Typengenehmigung für neue Automodelle in Gefahr. Demnach verlangt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) von Continental und den Herstellern nun eidesstattliche Versicherungen und Gutachten darüber, dass der Bleigehalt in allen Bauteilen gesetzeskonform ist. Continental dagegen teilte mit, nach heutigem Kenntnisstand seien «bevorstehende Neuanläufe von Fahrzeugserien durch die Umstellung nicht gefährdet».

Zu möglichen Rückrufen wollte der Continental-Sprecher sich nicht äußern. Das sei Sache des Kraftfahrt-Bundesamts. Er wies aber darauf hin, dass die Grenzwerte nur geringfügig überschritten worden seien. Die Produktqualität und die Sicherheit der Fahrzeuge seien nicht beeinträchtigt.

Veröffentlicht am:
11. 08. 2019
14:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auto Autofirmen Deutsche Presseagentur Elektronik und Elektrotechnik Europäische Union Fahrzeuge und Verkehrsmittel Kraftfahrt-Bundesamt Ministerien Nutzfahrzeuge Produktionsunternehmen und Zulieferer Umweltgefahren Umweltministerien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Andreas Scheuer

07.01.2020

Scheuer fordert Autoindustrie zu mehr Tempo bei Wandel auf

Aus Sicht des Bundesverkehrsministers ist 2020 ein «Hoffnungsjahr» für weniger klimaschädliche Fahrzeugantriebe in Deutschland. An die Branche richtet er eine klare Botschaft. » mehr

Software-Update für Diesel

14.01.2020

Software-Umrüstung von 5,3 Millionen Diesel geschafft

Es sollte eine «Sofortmaßnahme» sein - und zog sich immer weiter hin. Jetzt sind die in der Dieselkrise zugesagten Software-Updates zum Großteil abgehakt. Was bringt das im Kampf gegen zu schmutzige Luft? » mehr

VW - Produktion des Elektroautos ID.3

04.12.2019

Deutsche Autobauer trotz guter Verkaufszahlen in der Krise

Deutsche Kunden kaufen so viele Neuwagen wie lange nicht. Angesichts globaler Absatzprobleme gehen die Gewinne trotzdem zurück. Und auch in der Heimat wird es für die Schlüsselindustrie schwieriger. » mehr

Ola Källenius

13.01.2020

Daimler: Sparprogramm ist keine Abkehr von Zukunftsprojekten

Nach einem Jahr voller schlechter Nachrichten für Daimler spricht Vorstandschef Ola Källenius über immer noch aktuelle Trends, neue Prioritäten und die Chancen für das Milliardenprojekt Robotaxi. » mehr

e.Go Elektroauto Produktion

26.01.2020

Elektro-Autobauer e.Go verpasst eigene Ziele

Mit einem kleinen, bezahlbaren Elektroauto will das Aachener Start-Up e.Go den Markt aufmischen. Doch die hoch gesteckten Erwartungen erfüllen sich nicht. Was ist noch übrig von den großen Hoffnungen? » mehr

Tesla

19.02.2020

Ab sofort: Bis zu 6000 Euro Kaufprämie für Elektroautos

Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, müssen mehr Elektroautos auf die Straße. Deshalb belohnt der Bund den Umstieg mit mehr Geld. Doch zuletzt haben Kaufprämien kaum funktioniert. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Großbrand Wartburgkreis Hastrungsfeld

Großbrand Wartburgkreis | 20.02.2020 Hastrungsfeld
» 37 Bilder ansehen

Chaostage von Erfurt Erfurt

Die Chaostage von Erfurt | Erfurt
» 84 Bilder ansehen

Gefahrgut Ammoniak Suhl Suhl

Amoniak-Austritt in Suhler Firma | 17.02.2020 Suhl
» 36 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 08. 2019
14:29 Uhr



^