Lade Login-Box.
Topthemen: Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Wirtschaft

Aufseher: Noch einen Dieselskandal würde VW nicht überleben

«Dieselgate», Milliardeninvestitionen in E-Mobilität und eine maue Konjunktur - Volkswagen kämpft an vielen Fronten. Mühsam bleibt es offensichtlich, das eigene Verhalten zu ändern, wie US-Aufseher Thompson feststellt. Für ihn ist eines ganz klar.



Larry Thompson
Aufgabe des früheren US-Staatssekretärs Larry Thompson und seines rund 60-köpfigen Teams ist es, Volkswagen drei Jahre lang auf die Finger zu schauen, damit sich kriminelles Verhalten wie im Abgasskandal nicht wiederholt.   Foto: Holger Hollemann

Der von der US-Justiz zur Aufarbeitung des Abgasskandals eingesetzte Aufpasser Larry Thompson hat Volkswagen laut «Spiegel» vor weiteren Rechtsverstößen gewarnt.

«Einer Sache bin ich mir sicher: Einen zweiten Dieselskandal würde Volkswagen nicht überleben», sagte Thompson dem Nachrichtenmagazin.

Der Autogigant müsse so umgebaut werden, dass kein zweiter Skandal geschehen könne: «Der Konzern bewegt sich, aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, wie viel harte Arbeit noch vor uns liegt.» Er müsse beurteilen, ob Programme wie eine Hotline für anonyme Hinweisgeber funktionierten - «und nicht abrupt enden, sobald ich wieder nach Atlanta abreise».

Ende August 2018 hatte Thompson seinen ersten Zwischenbericht vorgestellt. Dort wurden auch zwei Verstöße gegen die Auflagen festgestellt. Volkswagen-Rechtsvorstand Hiltrud Werner erklärte damals, es gebe große Fortschritte - aber auch immer noch Schwächen. Thompson forderte Volkswagen auf, sämtliche Informationen zeitnah zur Verfügung zu stellen. Vereinzelt sei er mit der Zurückhaltung bei der Übermittlung bestimmter Informationen nicht einverstanden.

Aufgabe des früheren US-Staatssekretärs Thompson und seines rund 60-köpfigen Teams ist es, Volkswagen drei Jahre lang auf die Finger zu schauen, damit sich kriminelles Verhalten wie im Abgasskandal nicht wiederholt. Im Detail: Der Kontrolleur überwacht, ob der Autobauer den mit den US-Behörden geschlossenen Milliardenvergleich einhält. Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, in den USA die Abgasreinigung von Autos mit Dieselmotor manipuliert und so Kunden und Behörden betrogen zu haben.

Prüfen muss Thompson laut «Spiegel», ob VW allen Hinweisen auf Verstöße nachgehe und sie in angemessener Zeit bearbeite. Nach Angaben von Hiltrud Werner stieg die Zahl der der Hinweise über die Hotline in den vergangenen zwölf Monaten auf über 1100 - nach früher 80 bis 90 pro Jahr. Darunter seien drei Dutzend ernsthafte Rechtsverletzungen gewesen, diese würden formal untersucht. Mit Blick auf den Dieselskandal sagte sie aber auch: «Drei Jahre später sind wir in einem weitaus besseren Zustand als damals.» Der Konzern sei dezentraler aufgestellt und setze voll auf E-Mobilität.

VW-Konzernchef Herbert Diess hatte Mitte vergangenen Jahres mit Blick auf die Dieselaffäre festgestellt, dass im Konzern «ethische Maßstäbe verrückt» worden oder aus dem Blick geraten seien. Er forderte vor Führungskräften ein fest verankertes Bewusstsein für Richtig und Falsch und eine Kultur des konstruktiven Widerspruchs. Zudem sprach er sich für Strukturen aus, die «einwandfreies, regelkonformes Verhalten sicherstellen». Nur so könne VW Vertrauen zurückgewinnen.

Thompson sagte dem Nachrichtenmagazin, zeitweise habe es Unstimmigkeiten zwischen ihm und VW gegeben: «Wir hatten zu Beginn einige professionelle Differenzen in der Frage, welche Dokumente ich einsehen darf und welche nicht.» Das Unternehmen habe aber Prozesse gestartet, um sicherzustellen, dass so etwas wie «Dieselgate» nicht noch einmal passiere. Er betonte: «Für alle Unternehmen gilt: Sie müssen Gesetzesbrecher für ihr Fehlverhalten zur Verantwortung ziehen.»

Dass Diess Manager des Konzerns mit dem Satz «Ebit macht frei» auf straffe Gewinnziele eingeschworen und sich damit Ärger eingehandelt hat, bezeichnete Werner als «falsche Wortwahl». Diess hatte den Ausspruch im Zusammenhang mit der operativen Rendite verschiedener Konzernmarken verwendet - die Wortwahl erinnert an den Schriftzug «Arbeit macht frei», den die Nationalsozialisten an den Toren mehrerer Konzentrationslager angebracht hatten. Diess entschuldigte sich für den Satz. Werner fand die Aussage aus einem weiteren Grund unglücklich: «Darin schwang ein Lob mit für die Marken im Konzern, die ihre eigenen Gewinne höher bewerten als das Wohl der Gruppe.» Thompson bezeichnete Diess als «besonnenen und anständigen Menschen».

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 03. 2019
16:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Diesel-Skandal Herbert Diess Konzerne Milliardeninvestitionen VW Volkswagen AG
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
VW-Halbjahreszahlen

25.07.2019

VW verdient trotz Autokrise überraschend viel Geld

VW überrascht inmitten einer Krise der Autobranche mit guten Zahlen. Der Lauf im Tagesgeschäft gibt Chef Herbert Diess Rückendeckung für den grundlegenden Konzernumbau. Doch Hürden bleiben. Und ein Gerichtsurteil bringt ... » mehr

Herbert Diess

14.05.2019

VW-Aktionäre wollen von der Konzernspitze Antworten

Dreieinhalb Jahre Diesel-Krise und kein Ende in Sicht: Die Aktionäre wollen die VW-Spitze zur Rede stellen. Konzernchef Diess richtet den Blick nach vorn. » mehr

VW-Nutzfahrzeuge

28.03.2019

VW-Nutzfahrzeuge investiert Milliarden

E-Autos, Robotaxis - auch bei leichten Nutzfahrzeugen zeichnen sich tiefgreifende Veränderungen ab. Neue Mobilitätsdienste und Technologien kosten aber viel Geld. Auch Allianzen sollen helfen. » mehr

Luftverschmutzung in Aachen

16.08.2019

Dieselskandal - grünes Licht für Hardware-Nachrüstung

Für immer mehr alte Diesel-Modelle können Hardware-Nachrüstungen angegangen werden. Nach einer ersten Betriebserlaubnis Ende Juli liegen für weitere Systeme Genehmigungen vor. Verbände und die Umweltministerin sehen die ... » mehr

Rupert Stadler

31.07.2019

Früherer Audi-Chef Stadler angeklagt

Gut 7000 Seiten dick sind die Ermittlungsakten, die die Münchner Staatsanwälte im Verfahren gegen Rupert Stadler zusammentrugen. Ob und wann es zum Prozess kommt, das dürfte sich erst im Winter klären. Die Vorwürfe sind ... » mehr

Volkswagen

25.07.2019

Volkswagen legt Halbjahreszahlen vor

Der Autobauer Volkswagen legt heute (7.30 Uhr) seine Halbjahreszahlen vor. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Frühschoppen mit Versteigerung Sachsenbrunn

Frühschoppen mit Versteigerung | 18.08.2019 Sachsenbrunn
» 35 Bilder ansehen

Unwetter Schleusingerneundorf Schleusingen

Unwetter Schleusingen | 18.08.2019 Schleusingen
» 8 Bilder ansehen

Neptun-Taufe Ratscher Ratscher

Neptun-Taufe Ratscher | 17.08.2019 Ratscher
» 9 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 03. 2019
16:15 Uhr



^