Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Auch Schwerbehinderte profitieren vom guten Arbeitsmarkt

Der Boom am deutschen Arbeitsmarkt hat auch Schwerbehinderten bei der Jobsuche geholfen. Doch sie brauchen länger als andere Menschen, um eine Stelle zu finden. Und die Gefahr, in die Langzeitarbeitslosigkeit abzurutschen, ist ebenfalls größer.



Schwerbehinderter am Arbeitsplatz
An einem Arbeitsplatz für Motorklemmen ist ein Mitarbeiter im Rollstuhl mit Montagearbeiten beschäftigt.   Foto: Hendrik Schmidt/zb/dpa

Auch Schwerbehinderte profitieren von der seit Jahren sinkenden Arbeitslosigkeit in Deutschland. Doch haben sie immer noch viel größere Probleme eine Stelle zu finden als Menschen ohne Behinderung.

Das geht aus dem Inklusionsbarometer Arbeit der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute (HRI) hervor.

Danach sank die Arbeitslosenquote der Schwerbehinderten im vergangenen Jahr von 11,7 Prozent auf 11,2 Prozent. Sie war damit aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenquote in Deutschland.

Konkret sank die Zahl der jobsuchenden Schwerbehinderten von gut 162,000 im Jahr 2017 auf weniger als 157,000 im Jahr 2018. Begonnen hatte die positive Entwicklung schon 2013. Die Gründe dafür sieht HRI-Präsident Bert Rürup in der noch immer stabilen Konjunktur, aber auch im zunehmenden Renteneintritt von Menschen mit Behinderung.

Dennoch bleibt die Situation auf Arbeitsmarkt für Schwerbehinderte der Studie zufolge schwierig. «Vergleicht man die Situation von Erwerbspersonen mit und ohne Behinderung, offenbart sich noch immer eine große Kluft», sagte Rürup.

Schwerbehinderte Arbeitslose benötigen demnach durchschnittlich 359 Tage, bis sie eine Anstellung gefunden haben - 100 Tage länger als Nichtbehinderte. Auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist bei ihnen mit 43,4 Prozent deutlich höher als bei Arbeitslosen ohne Behinderung (34,8 Prozent).

Zwar gibt es für private und öffentliche Arbeitgeber mit mehr als 20 Mitarbeitern die Pflicht, mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Vor allem private Unternehmen tun sich jedoch nach wie vor schwer damit und zahlen oft lieber eine monatliche Ausgleichsabgabe.

Die Beschäftigungsquote bei Schwerbehinderten sei nach der letzten Erhebung im Jahr 2017 zuletzt sogar gesunken - auf nur noch 4,63 Prozent (Vorjahr: 4,67 Prozent), heißt es in der Studie. Konkret bedeute dies, dass rund 45.000 der vorgesehenen Stellen nicht mit Schwerbehinderten besetzt worden seien.

Während öffentliche Arbeitgeber die Mindestquote mit 6,5 Prozent deutlich übertrafen, kamen private Unternehmen laut Aktion Mensch lediglich auf einen Schwerbehindertenanteil unter den Beschäftigten von 4,1 Prozent.

«Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen zahlen lieber eine Ausgleichsabgabe, als einen Menschen mit Behinderung einzustellen», klagte Christina Marx von der Aktion Mensch. Die Unternehmen fürchteten einen hohen finanziellen Aufwand und meinten, Menschen mit Behinderung seien weniger leistungsfähig und noch dazu nicht kündbar. Dabei gebe es viele Beispiele, die diese Vorbehalte gegen Schwerbehinderte widerlegten.

Der Sozialverband VdK Deutschland forderte angesichts dieser Zahlen eine deutliche Anhebung der Ausgleichsabgabe für Arbeitgeber, die der Beschäftigungspflicht nicht oder nur unzureichend nachkommen. Werden bislang pro nicht besetztem Pflichtplatz maximal 320 Euro im Monat fällig, so sollten es künftig nach Meinung des Verbandes 750 Euro sein.

Dass die aktuelle Eintrübung auf dem Arbeitsmarkt einen Rückschlag für die Schwerbehinderten bringen wird, glaubt HRI-Präsident Rürup nicht. Auch deshalb, weil sich der Arbeitsmarkt ein Stück weit von der Konjunktur entkoppelt habe. Da geburtenstarke Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausschieden und geburtenschwache Jahrgänge nachrückten, werde die Nachfrage nach Arbeitskräften groß bleiben. Davon würden auch Menschen mit Behinderung profitieren.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 11. 2019
14:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitslose Arbeitslosenquote Arbeitslosigkeit Arbeitslosigkeit in Deutschland Arbeitssuche Ausgleichsabgabe Behinderte Bert Rürup Handelsblatt Sozialverband VdK Sozialverbände
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Agentur für Arbeit

27.06.2020

Volkswirte: Arbeitslosigkeit geht weiter nach oben

Läden sind offen, die Menschen sitzen wieder in Cafés und machen Urlaub: Es gibt erste Anzeichen für ein Überwinden der Corona-Krise. Doch der Arbeitsmarkt leidet weiter. » mehr

Agentur für Arbeit

01.09.2020

Saisonüblicher Anstieg der Arbeitslosigkeit im August

Für Arbeitsmarktexperten war es ein typischer August: Die Arbeitslosenzahl ist wie üblich etwas gestiegen. Mit Corona hatte das nichts zu tun. Über den Berg sind wir aber noch nicht. » mehr

Kurzarbeit

30.08.2020

Volkswirte: Entspannung, keine Entwarnung für Arbeitsmarkt

Vom Arbeitsmarkt erwarten Fachleute erstmal keine neuen Hiobsbotschaften. Eine Trendwende ist aber wohl noch nicht in Sicht. » mehr

Bundesagentur für Arbeit

30.12.2019

Arbeitsmarktexperten blicken optimistisch aufs neue Jahr

Trotz des schwächeren Exports rechnen Arbeitsmarktforscher mit einem stabilen Arbeitsmarkt im neuen Jahr. » mehr

Stellenangebote

27.01.2020

So wenige Erwerbslose wie nie seit Wiedervereinigung

Der Arbeitsmarkt in der Europäischen Union hat sich vom Tiefpunkt, der Finanzkrise 2009, «weitgehend erholt». Auch in Deutschland ist die Entwicklung positiv. » mehr

IAB - weniger offene Stellen

04.08.2020

Fast 500.000 weniger offene Stellen in Deutschland

Wer heute arbeitslos wird, hat schlechte Karten: 2,9 Millionen Arbeitslosen stehen knapp 900.000 offene Stellen gegenüber. Der Industrieverband VDMA fordert die Bundesregierung auf, Neueinstellungen jetzt nicht auch noch... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

201026 Wohnungsbrand Oberhof 2

Brand Oberhof Schloßbergstraße |
» 13 Bilder ansehen

Brand Halle Lengfeld

Brand Halle Lengfeld | 25.10.2020
» 6 Bilder ansehen

Keramikmarkt Römhild

Keramikmarkt Römhild |
» 45 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 11. 2019
14:17 Uhr



^