Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Arbeitslosigkeit sinkt auf Rekordtief seit Wiedervereinigung

Konjunkturflaute hin, Autokrise her: Noch nie seit der Wiedervereinigung war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland geringer. Die Bundesagentur in Nürnberg meldet für November noch 2,180 Millionen Menschen ohne Job.



Agentur für Arbeit
Die Bundesagentur hat die Arbeitsmarktdaten für November bekannt gegeben.   Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Der Arbeitsmarkt in Deutschland trotzt der Konjunkturflaute: Mit 2,180 Millionen Menschen lag die Zahl der Arbeitslosen im November so niedrig wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Im November waren 24.000 Menschen weniger arbeitslos als im Oktober und 6000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,8 Prozent.

Der Rückgang im November kam in dieser Höhe für Volkswirte überraschend - in diesem Monat geht es bei der Arbeitslosigkeit zwar häufig, meist aber nur leicht bergab. Die Abnahme war diesmal zu einem guten Teil darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen sank. «Dennoch sind immer noch knapp 700.000 Menschen langzeitarbeitslos, weswegen wir nicht nachlassen dürfen, diese Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren», sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in Berlin.

«Die aktuelle konjunkturelle Schwäche ist am Arbeitsmarkt weiterhin spürbar», sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele trotz der erfreulichen Zahlen. «Alles in allem zeigt er sich aber robust.» Er sprach von deutlichen regionalen Unterschieden. In stark industrialisierten Gegenden, vor allem in Süddeutschland, zeige sich inzwischen die Schwäche in der Metall- und Elektroindustrie auch am Arbeitsmarkt.

Arbeitsminister Heil sagte: «Trotz der Beschäftigungszunahme gibt es weltwirtschaftliche Risiken, die wir beobachten, und einen Strukturwandel am Arbeitsmarkt, den wir gestalten.» Im Mittelpunkt stehe dabei auch die Zulieferindustrie und der Maschinenbau. «Wir werden weitere Instrumente für Qualifizierung und Weiterbildung zur Verfügung stellen.»

Klar steigend ist etwa auch bundesweit die Tendenz zur Kurzarbeit. Waren im August noch 50.000 Menschen in Kurzarbeit, stieg die Zahl bis Ende September auf 59.000. Zusätzlich sind für weitere 49.000 Menschen Anträge gestellt worden. Im September 2018 lag die Zahl der Kurzarbeiter noch bei 34.000.

Auch wenn Kurzarbeit für die Betroffenen unschön sei: «Wir finden die Zahlen unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten nach wie vor unauffällig», sagte Scheele. Zur Zeit der Euro-Krise um das Jahr 2013 waren teils mehr als 100.000 Menschen in Kurzarbeit.

Auch bei den offenen Stellen schlage sich die Konjunkturproblematik in der Arbeitsmarktstatistik nieder. Mit 736.000 gemeldeten Stellen ist die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin hoch. Sie liegt aber um 71.000 Plätze unter dem Niveau des Vorjahres.

Der vergleichsweise deutliche November-Rückgang der Arbeitslosigkeit kam für viele Volkswirte überraschend. Auch Scheele betonte: «Der Rückgang ist für einen November eher groß.»

Im Oktober war die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum September noch um 30.000 auf 2,204 Millionen gesunken. Experten zufolge ist die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt trotz schwacher Konjunktur vor allem auf den Konsum zurückzuführen. Die weiterhin positive Konsumlaune gleiche die Schwächen etwa in der Industrie aus. Vor allem die Autoindustrie als Leitbranche in Deutschland leidet derzeit unter schwierigen Weltmarktbedingungen.

Saisonbereinigt lag die Zahl der Arbeitslosen im November um 16.000 unter dem Vormonat. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hatte in seinem jüngsten Arbeitsmarktbarometer für die nächsten drei Monate wieder eine leichte Besserung gesehen.

Als erfreulich wurde es bei der Bundesagentur erachtet, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland im November nochmals nach unten ging. Waren im Oktober noch 708.000 Menschen länger als ein Jahr ohne Job, sank die Zahl im November auf 698.000 - der niedrigste Wert seit 1992.

Dies sei vor allem darauf zurückzuführen, dass in den vergangenen Jahren mit guter Konjunktur weniger Menschen überhaupt erst in die Langzeitarbeitslosigkeit geraten sind. «Wer arbeitslos wurde, hat schnell wieder eine Stelle gefunden», sagte Scheele. Lange Zeit habe die Zahl der Langzeitarbeitslosen über einer Million gelegen. «Da ist Bewegung reingekommen.»

Auch die neuen Regelungen aus dem Teilhabechancengesetz hätten seit Januar rund 4.000 Menschen einen Arbeitsplatz gebracht, sagte der Arbeitsmarktexperte. Bundesarbeitsminister Heil betonte, es dürfe nicht nachgelassen werden, diese Menschen zu integrieren.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 11. 2019
13:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitslose Arbeitslosenquote Arbeitslosigkeit Arbeitsmarkt Arbeitsmarktexperten Arbeitsminister Arbeitsplätze Bundesagentur für Arbeit Bundesminister für Arbeit und Soziales Detlef Scheele Hubertus Heil Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Offene Stellen SPD Volkswirte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Arbeitsmarktzahlen

30.01.2020

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird es 2020 kühler

Die Zahl der Arbeitslosen geht deutlich nach oben - eine übliche Entwicklung für den Monat Januar. Doch der Jahresbeginn markiert auch einen Wandel - der Wind auf dem Arbeitsmarkt wird rauer. » mehr

Agentur für Arbeit

30.07.2020

Noch mehr Arbeitslosigkeit - aber nicht wegen Corona

Dass im Juli mehr Menschen keinen Job haben, ist üblich. Die Corona-Krise hat nun nicht mehr zu einem deutlichen Zuwachs beigetragen. Die Kurzarbeit lag im Mai auf Rekordniveau. » mehr

Bundesagentur für Arbeit

01.07.2020

Pandemie schickt 638.000 Menschen in die Arbeitslosigkeit

Auch im Juni lässt die Corona-Krise die Zahl der Arbeitslosen steigen. Der vergleichsweise moderate Anstieg lässt Hoffnung aufkeimen - doch Volkswirte warnen bereits vor zu großem Optimismus. » mehr

Agentur für Arbeit

30.04.2020

Betriebe melden für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit an

Die Lage in der Corona-Krise ist dramatisch: Deutschlands Betriebe melden für über zehn Millionen Menschen Kurzarbeit an - und damit fast für jeden dritten Beschäftigten in Deutschland. In einigen Branchen wie der Gastro... » mehr

Agentur für Arbeit

31.03.2020

Corona-Krise wirft gewaltige Last auf den Arbeitsmarkt

Die Kurzarbeit erreicht Rekordwerte in Rekordzeit, die Zahl der Arbeitslosen springt in die Höhe: Der deutsche Arbeitsmarkt ächzt unter der Last der Corona-Krise. Die gute Nachricht: Geld für die Abfederung ist aus besse... » mehr

Agentur für Arbeit

01.07.2020

Bundesagentur stellt Arbeitsmarktstatistik für Juni vor

Die Corona-Krise trifft weiter den deutschen Arbeitsmarkt: Wenn die Bundesagentur ihre Juni-Zahlen vorlegt, werden noch einmal mehr Arbeitslose erwartet als im Mai. Schon damals war jeder fünfte Arbeitslose der Pandemie ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unwetter Meiningen 11.08.20 Meiningen

Starkregen in Meiningen | 11.08.2020 Meiningen
» 4 Bilder ansehen

Lkw mit Gülle an Bord kippt um Meiningen

Mit Gülle beladener Lkw kippt um | 11.08.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

Montgolfiade Heldburg

Montgolfiade | Heldburg
» 24 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 11. 2019
13:50 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.