Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Anruf beim Kundenberater könnte bald teuer werden

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen.



Überweisung
Bald nur Kostenpflichtig? Eine Frau füllt ein Überweisungsformular aus.   Foto: Marijan Murat

Gebühren fürs Geldabheben am Automaten oder für Überweisungen auf Papier: In der Zinsflaute sind Banken und Sparkassen erfinderisch geworden.

Dennoch gibt es nach wie vor Kreditinstitute, die kostenlose Girokonten anbieten. Einer Auswertung der Zeitschrift «Finanztest» zufolge sind noch 22 von rund 290 Kontomodellen gratis, die die Tester bei 122 Geldhäusern unter die Lupe nahmen. Vorausgesetzt: Kunden führen dieses Konto online und nutzen es als Gehalts- oder Rentenkonto.

In diesem Fall gibt es den Angaben zufolge bei den 22 Angeboten keinen monatlichen Grundpreis, alle Onlinebuchungen sind inklusive, die Girocard ist kostenlos. «Weitere 69 Girokonten sind mit Preisen von maximal 60 Euro pro Jahr noch recht günstig», heißt es in der September-Ausgabe der «Finanztest» von Stiftung Warentest.

Vor der Finanzkrise im Jahr 2008 habe es noch deutlich mehr kostenlose Girokonten gegeben, berichtete Stephanie Pallasch von Stiftung Warentest: «Sie dienten in erster Linie der Kundengewinnung. Denn, wenn der Kunde als einziges Produkt nur ein kostenloses Girokonto hat, kann sich das nicht rechnen. Dahinter steckt eine Dienstleistung, die Banken und Sparkassen Geld kostet.»

Inzwischen setzen Niedrigzinsen und Kosten für strengere Regulierung die Finanzhäuser unter Druck. Sie treten daher auf die Kostenbremse. So sinkt die Zahl der Filialen seit Jahren. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank verringerte sich ihre Zahl im vergangenen Jahr deutlich um 2239 auf 27 887 Zweigstellen. «Der Betrieb von Filialen ist für Kreditinstitute teuer. Es ist daher im Interesse von Banken und Sparkassen, dass die Kunden ihre Bankgeschäfte online selbst erledigen», erläuterte Pallasch.

Geschraubt werde derzeit vor allem an den Gebühren für Überweisungen in Papierform und beim Telefonservice, sagte die Stiftung-Warentest-Expertin. Bis zu 4,90 Euro kann «Finanztest» zufolge eine Überweisung auf Papier im Einzelfall kosten. Wer als Inhaber eines Onlinekontos mit einem Kundenberater telefonieren will, wird mitunter mit bis zu 3,50 Euro pro Telefonat zur Kasse gebeten. Ins Geld gehen kann bei einigen Online- und Direktbanken auch der Einsatz der Girocard (EC-Karte) zum Geldabheben. Gebührenfreies Bargeld gibt es bei manchen Instituten nur, wenn die Kreditkarte eingesetzt wird.

Kunden müssen also intensiv Preise vergleichen, wenn sie keine unnötigen Gebühren bezahlen wollen - keine leichte Aufgabe angesichts der Vielzahl der Modelle. Nach Einschätzung Pallaschs haben Verbraucher durch die seit 2018 vorgeschriebene jährliche Entgeltinformation aber mehr Durchblick im Gebührendschungel: «Die Informationen sind transparent und gut zu finden.»

Neben Gebühren verlangen einige wenige Institute bereits Strafzinsen von Privatkunden für besonders hohe Guthaben auf dem Giro- oder dem Tagesgeldkonto. Künftig könnte es mehr Verbraucher treffen. So warnte der Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbands, Peter Schneider: Sollten Europas Währungshüter die Zinsen noch weiter senken und nicht gegensteuern, führe auf breiter Front kein Weg daran vorbei, Geld für das Aufbewahren von Guthaben zu verlangen.

Banken müssen derzeit 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld parken. Die Notenbank hatte angedeutet, dieser Zins könnte verschärft werden. Damit wollen die Währungshüter die Kreditvergabe und so die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln.

«Es könnte sein, dass viele Banken auf Dauer nicht mehr umhinkönnen, die zusätzlichen Belastungen auch in der Breite an Privatkunden weiterzugeben», sagte Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), jüngst der Funke Mediengruppe. Schon heute koste der Strafzins die deutschen Geldhäuser rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr. Allerdings seien die Möglichkeiten, die zusätzlichen Belastungen über Entgelte und Zinsen an die Kunden weiterzugeben, «begrenzt», stellte Krautscheid fest. «Aber der Druck steigt weiter, sie auszuschöpfen.»

Veröffentlicht am:
20. 08. 2019
14:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Krautscheid Banken Banken - Deutschland Bankgeschäfte Bankkunden Deutsche Bundesbank Euro Europäische Zentralbank Kreditinstitute Kreditvergaben Kunden Peter Schneider Sparkassen Stiftung Warentest Zentralbanken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Girokarte

20.08.2019

Onlinekonten am günstigsten - 22 Modelle gratis

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen. » mehr

Negativzinsen

09.04.2020

Weitere Geldhäuser bürden Sparern Negativzinsen auf

Das Geld auf dem Tagesgeldkonto wird nicht mehr, sondern weniger. Während der Corona-Krise steigt die Zahl der Kreditinstitute, die Negativzinsen an Sparer weitergeben. » mehr

Negativzinsen

03.03.2020

Vergleichsportal: Trend zu Negativzinsen nimmt Fahrt auf

Das Geld auf dem Tagesgeldkonto wird weniger statt mehr. Die Zahl der Kreditinstitute steigt, die Negativzinsen an Sparer weitergeben. Inzwischen trifft es nicht mehr nur vermögende Privatkunden. » mehr

Bankschließfächer

24.12.2019

Folge des Zinstiefs? Große Nachfrage nach Schließfächern

Viele Bankkunden interessieren sich derzeit für ein Schließfach - womöglich auch, um Negativzinsen auf dem Konto zu vermeiden. » mehr

Volksbank-Logos

17.03.2020

Volksbanken stellen sich auf schwieriges Jahr ein

Das Umfeld ist ohnehin schon eine Herausforderung für Banken. Nun schüttelt das Coronavirus die Märkte zusätzlich durch. Deutschlands Genossenschaftsbanken sehen sich aber gut gerüstet. » mehr

Falschgeld

vor 4 Stunden

«Movie Money»: In Deutschland ist mehr Falschgeld im Umlauf

Es steht «Movie Money» auf den Geldscheinen und trotzdem fallen Menschen auf die Blüten rein. Nachgeahmte Banknoten, die als Spielgeld oder Requisite für Film und Theater beworben werden, bereiten Experten Sorgen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Tödlicher Unfall Streufdorf Streufdorf

Tödlicher Unfall Streufdorf | 07.08.2020 Streufdorf
» 12 Bilder ansehen

Ilmenau

Radprofis | 06.08.2020 Ilmenau
» 53 Bilder ansehen

Nena Erfurt Steigerwaldstadion Erfurt

Nena live in Erfurt | 04.08.2020 Steigerwaldstadion Erfurt
» 14 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
20. 08. 2019
14:38 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.