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Wirtschaft

Allianz-Chef Bäte will Management ausdünnen

Die Versicherungsbranche steht unter Druck: Die Nullzinsen zehren an den Gewinnen, im Zuge der Digitalisierung könnten viele Arbeitsplätze entfallen. Die Allianz will aber eher beim Management einsparen als bei den einfachen Mitarbeitern.



Bilanz Allianz
Der Versicherungskonzerns Allianz will beim Management sparen und Hierarchie-Ebenen abbauen.   Foto: Andreas Gebert/dpa

Bei Europas größtem Versicherer Allianz muss sich das Management größere Sorgen um Arbeitsplätze machen als das Fußvolk.

Vorstandschef Oliver Bäte kündigte am Freitag in München eine weitere Vereinfachung der Organisation und den Abbau von Hierarchieebenen an. «Es geht nicht darum, Indianer abzubauen», sagte Bäte. «Wir wollen über Zeit die Führungsstrukturen immer effizienter machen.»

In den großen Landesgesellschaften der Allianz habe es zwischen örtlichem Vorstandschef und den Mitarbeitern im Call Center vor zehn Jahren noch zwölf Managementebenen gegeben. «Da haben wir zum Teil heute noch sieben oder acht. Und ich wette, in zehn Jahren sind es nur noch fünf oder sechs», sagte Bäte. Zugleich verkündete die Allianz einen höheren Gewinn für das vergangene Geschäftsjahr.

Der Münchner Konzern beschäftigt weltweit 147.000 Menschen, bei der deutschen Landesgesellschaft sind es knapp 27.000. Die Versicherungsbranche steht von zwei Seiten unter Spardruck: Die Nullzinsen zehren an den Gewinnen, die Digitalisierung könnte viele Arbeitsplätze überflüssig machen. «Der Traum, den ich schon habe, ist, dass wir das (die Digitalisierung) übersetzen in das Wachstum von Marktanteilen und von Kunden, und dann sind auch unsere Arbeitsplätze sicher», sagte Bäte.

Stellenabbau rein im Interesse des Börsenkurses schloss der Konzernchef aus: «Das Ziel ist nicht Arbeitsplatzabbau, Effizienzgewinne um des Effizienzgewinns willen. Macht auch keinen Sinn, damit kriegen Sie auch keine Leute motiviert.»

Bei der Allianz gab über Jahrzehnte der Konzernvorstand zwar die Richtung vor, betrieb aber selbst kein operatives Geschäft. Dies ist weitgehend den Tochtergesellschaften in den einzelnen Ländern überlassen, die in vieler Hinsicht autonom operieren. Bäte hat die überkommene Struktur in den vergangenen Jahren verändert, so wird die Produktentwicklung nun weitgehend zentral gesteuert.

Der seit vergangenem Jahr tätige Onlineversicherer Allianz Direct ist in Abkehr von der Tradition ebenfalls der Münchner Zentrale zugeordnet. Ob es längerfristig auch eine grundlegende Reform der Struktur mit der Abschaffung oder weitgehenden Entmachtung von Landesgesellschaften geben könnte, ließ Bäte offen: «Es gab keine Veränderung der Prinzipien. Aber jedes Prinzip ist ein Prinzip und kein Gesetz», sagte der Vorstandschef auf entsprechende Fragen.

Bäte hatte in den vergangenen Jahren mit Widerstand in den eigenen Reihen gegen seinen Kurs zu kämpfen, ist aber unangefochten, weil die Allianz unter seiner Leitung regelmäßig gute Zahlen vorlegt. 2019 stieg der operative Gewinn um drei Prozent auf knapp 11,9 Milliarden Euro, obwohl die Sanierung der defizitären Industrieversicherung und hohe Großschäden am Ergebnis zehrten. Der Umsatz legte um fast acht Prozent auf 142,4 Milliarden Euro zu, der Gewinn unterm Strich um sechs Prozent auf 7,9 Milliarden Euro. Bäte vermeldete, dass der Konzern weltweit erstmals mehr als 100 Millionen Kunden betreute.

Für 2020 stellt Bäte ein operatives Ergebnis von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro in Aussicht. Am Vorabend hatte der Versicherer einen weiteren Aktienrückkauf angekündigt. Bis Ende 2020 will der Konzern für 1,5 Milliarden Euro eigene Papiere am Markt erwerben. Seit 2017 hat die Allianz bereits 7,5 Milliarden Euro dafür ausgegeben. Die Aktionäre sollen eine um fast sieben Prozent auf 9,60 Euro erhöhte Dividende je Anteil erhalten.

Hoffnungen macht sich die Allianz in China, wo ausländische Versicherer und Finanzdienstleister bislang weitgehend vom Markt ausgeschlossen waren. Die Allianz hat dort die Lizenz für eine eigene Dachgesellschaft. «Der chinesische Markt hat sich in den letzten acht Jahren verdreifacht, von 200 auf 600 Milliarden Euro Umsatz», sagte Bäte. «In einem solch gigantischen Markt gibt es riesig viel Wachstumspotenzial, selbst wenn man sagt, ich bin nur in einer Nische unterwegs.»

Eine ziemlich große chinesische Nische hat die Allianz mit ihrem zweiten Geschäft der Vermögensverwaltung vor Augen. In der Volksrepublik gibt es viele Unternehmen und eine sehr reiche Oberschicht, die nach Anlagemöglichkeiten für ihr Geld suchen. «Wir vermuten, dass wir (in China) mittelfristig in der Vermögensverwaltung und der Kapitalanlage sehr, sehr gute Wachstumschancen haben», sagte Bäte dazu.

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 02. 2020
17:56 Uhr

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dpa

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21. 02. 2020
17:56 Uhr



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