Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Wirtschaft

Airbus droht Großbritannien mit Werksschließungen

Der Flugzeugbauer sendet in der Brexit-Debatte ein Signal nach London: Komme es zu einem ungeregelten EU-Ausstieg der Briten, müsse Airbus seine Lieferkette umstellen - und Fabriken verlagern.



Airbus A380
Airbus fertigt in Großbritannien die Tragflächen für fast alle seine Passagier- und Frachtflugzeuge. Foto: Andrew Matthews/PA Wire/dpa   Foto: dpa

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus droht Großbritannien im Falle eines ungeregelten EU-Austritts mit der Schließung von Fabriken.

«Wenn es einen Brexit ohne Abkommen gibt, müssen wir bei Airbus möglicherweise sehr schädliche Entscheidungen für Großbritannien treffen», sagte Airbus-Chef Tom Enders in einer Videonachricht.

Es sei zwar nicht möglich, die großen britischen Fabriken sofort in andere Teile der Welt zu verlegen. Aber die Luft- und Raumfahrt sei ein langfristiges Geschäft, so Enders weiter.

«Bitte hört nicht auf den Wahnsinn der Brexiter, die behaupten, dass wir, weil wir hier riesige Fabriken haben, uns nicht bewegen werden und immer hier sein werden.» Es gebe auf der Welt Länder, die gerne Tragflächen für Airbus bauen würden, betonte Enders.

«Die britische Luft- und Raumfahrtindustrie steht nun am Abgrund. Der Brexit droht, ein Jahrhundert der Entwicklung auf der Grundlage von Bildung, Forschung und Humankapital zu zerstören.»

Airbus ist der größte Luft- und Raumfahrtkonzern Europas - und nach dem US-Konzern Boeing der zweitgrößte Flugzeughersteller der Welt. Dabei ist der Konzern von Beginn an ein europäisches Konstrukt. Seine Verkehrsflugzeuge baut der vor allem in Hamburg und im französischen Toulouse zusammen. Das Transportflugzeug A400M entsteht im spanischen San Pablo bei Sevilla.

In Großbritannien hat Airbus fast seinen gesamten Tragflächen-Bau gebündelt. In Filton und Broughton entwickeln und fertigen Airbus-Mitarbeiter die Flügel für fast alle Passagier- und Frachtflugzeuge des Konzerns. Nur der neue Airbus A220 ist davon unabhängig.

Daher müssen die Lieferketten zwischen den einzelnen Werken reibungslos funktionieren. Bei einem ungeregelten Brexit mit möglicherweise wochenlangen Staus an den Häfen muss Airbus um seine Logistik fürchten. Zulieferer müssen Teile für die Tragflächen nach Großbritannien bringen, die fertigen Tragflächen müssen anschließend zu den Werken in Frankreich, Deutschland, China und den USA.

Dabei gilt der Airbus-Konzern trotz mancher deutsch-französischer Animositäten und Ärger über technische Probleme etwa beim A400M als europäisches Erfolgsprojekt. Der Gründung der «Arbeitsgemeinschaft Airbus» aus mehreren deutschen Flugzeugherstellern wie Bölkow und Messerschmidt folgte 1970 die Gründung der deutsch-französischen Airbus Industrie unter Beteiligung der französischen Aérospatiale. Später kamen die spanische CASA und British Aerospace hinzu. Das Ziel: gemeinsam Passagierflugzeuge zu entwickeln - und damit ein Gegengewicht zu US-Herstellern wie Boeing zu schaffen.

2018 lieferte Airbus 800 Passagier- und Frachtjets aus - und lag damit nur noch sechs Maschinen hinter dem weltgrößten Flugzeugbauer Boeing. Dieser hatte 1997 auch seinen einstigen Rivalen McDonnell Douglas geschluckt.

Die Bündelung seiner gesamten Tragflächen-Kompetenz in Großbritannien hatte Airbus lange als klugen Schachzug gesehen. Dieser sollte die Kosten niedrig halten und Doppelarbeit vermeiden helfen. Allerdings ist nun fast die gesamte Flugzeug-Produktion des Konzerns von den britischen Werken abhängig. «Mit dem Wissen von heute würde man so etwas sicher anders planen», hört man im Airbus-Konzern.

Es sei eine Schande, dass mehr als zwei Jahre nach dem Ergebnis des Referendums die Unternehmen immer noch nicht in der Lage seien, für die Zukunft richtig zu planen, sagte Enders. «In einer globalen Wirtschaft hat das Vereinigte Königreich nicht mehr die Fähigkeit, es allein zu schaffen. Große Luft- und Raumfahrtprojekte sind multinationale Angelegenheiten.»

Airbus beschäftigt in Großbritannien früheren Angaben zufolge rund 14 000 Mitarbeiter an 25 Standorten. An seiner britischen Zuliefererkette hängen rund 110.000 Jobs. Wollte Airbus sein Geschäft aus in ein anderes Land verlagern, wäre das ein großer Aufwand.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 01. 2019
16:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Airbus A400M Airbus GmbH Airbus-Chefs Boeing Brexit British Aerospace Fabriken Flugzeugbauer Frachtflugzeuge Konzerne Lieferketten McDonnell Douglas Passagiere und Fahrgäste Werksschließungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Produktion bei Airbus

08.04.2020

Airbus kappt Flugzeugproduktion um ein Drittel

Die Corona-Pandemie trifft die Luftfahrtbranche enorm. Airlines sparen an allen Ecken - das hat Folgen auch für die großen Flugzeugbauer. » mehr

Rolls-Royce-Logo

27.08.2020

Triebwerksbauer Rolls-Royce will Töchter losschlagen

Der Einbruch des weltweiten Luftverkehrs könnte Rolls-Royce noch stärker treffen als andere Triebwerkshersteller. Der Konzern will sich jetzt Geld beschaffen. » mehr

Airbus A319

29.06.2020

Airbus drosselt Produktion um 40 Prozent

Die Corona-Krise hat die Luftfahrtbranche in ihre schlimmste Krise gestürzt. Maschinen bleiben am Boden, der Bedarf nach neuen Flugzeugen ist begrenzt. Das geht auch am Luftfahrtgiganten Airbus nicht spurlos vorbei. » mehr

Boeing 747

29.07.2020

Boeing stellt Produktion des Jumbo-Jets 747 ein

Ein Klassiker vor dem Aus: Boeing zieht bei seinem einst größten Passagierjet der Welt nach über 50 Jahren den Stecker. Die Nachfrage nach dem Jumbo 747 ist einfach zu gering - und Probleme hat der US-Flugzeugbauer derze... » mehr

Airbus

30.07.2020

Corona-Krise brockt Airbus Milliardenverlust ein

Wirklich überraschend ist das dicke Minus bei Airbus nicht. Doch für den Flugzeugbauer muss es trotzdem eine bittere Pille sein - sah doch vor einem Jahr die Zukunft noch rosig aus. Der einzige Trost: Bei Dauer-Konkurren... » mehr

Airbus A320-200

13.02.2020

Airbus: Milliardenstrafe überschattet Erfolgsjahr

Erstmals seit Jahren hat Airbus 2019 mehr Flugzeuge als Erzrivale Boeing ausgeliefert. Was für ein Erfolg für den europäischen Flugzeugbauer. Doch davon war wenig zu spüren, als Airbus nun einen Milliardenverlust präsent... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall ICE Schafe Schalkau Tunnel Müß

ICE rammt Schafherde | 23.09.2020 Schalkau Tunnel Müß
» 14 Bilder ansehen

2020-09-22

Feuerwehr-Übung Ilmenau | 22.09.2020
» 17 Bilder ansehen

Großbrand Themar Themar

Großbrand Themar | 22.09.2020 Themar
» 57 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 01. 2019
16:39 Uhr



^