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Hintergründe

Wie das neue Coronavirus in Deutschland Fuß fasste

Deutsche Forscher haben die ersten Infektionen mit dem neuen Coronavirus in Bayern und damit bundesweit rekonstruiert.



Webasto
Das Hauptgebäude der Firma Webasto: Hier hatten die ersten Corona-Infektionen in Deutschland ihren Ausgangspunkt.   Foto: Peter Kneffel/dpa

Dabei verweist das Team um Camilla Rothe vom Uniklinikum München im «New England Journal of Medicine» («NEJM») auf zwei Besonderheiten: Zum einen habe die chinesische Mitarbeiterin, die den Ausbruch verursachte, zu jener Zeit allenfalls unspezifische Symptome verspürt. Zum anderen bestehe die Möglichkeit, dass Menschen auch nach ihrer Genesung noch infektiös sein könnten.

Quelle des Erregers war - wie bekannt - eine Frau aus Schanghai, die den Automobilzulieferer Webasto in Bayern vom 19. bis 22. Januar besuchte und an Firmentreffen teilnahm. Eine spätere Befragung ergab, dass sie sich am 20. Januar ein wenig warm fühlte, aber nicht fiebrig. Um am nächsten Tag fit zu sein, habe sie eine Tablette genommen. Am 21. war sie demnach nachmittags müde und hatte auf Druck leichte Muskelschmerzen. Am Tag ihres Abflugs fröstelte sie etwas in ihrer leichten Geschäftskleidung, bis sie einen Schal anzog.

Erst am Abend des 23. Januars fühlte sie sich wirklich krank, und hatte eine Temperatur von etwa 38 Grad, die bis zum Abend des Folgetags auf 38,7 Grad stieg. Nach Angaben der Autoren wurde sie am 26. Januar positiv auf den Erreger getestet. Am 27. informierte sie das Unternehmen über ihre Erkrankung, worauf ihre Kontakte überprüft wurden - auch in Bayern.

Unterdessen hatte der erste deutsche Patient, ein 33-jähriger Webasto-Mitarbeiter, dem Bericht zufolge am 24. Januar Halsschmerzen, Frösteln und Muskelschmerzen bemerkt. Einen Tag später folgten Husten und 39,1 Grad Fieber. Am Abend des 26. Januars fühlte er sich besser und kehrte am 27. zur Arbeit zurück, bevor der Erreger bei ihm nachgewiesen wurde.

Am 28. Januar wurden drei weitere Mitarbeiter der Firma positiv getestet - aber nur einer von ihnen hatte der Studie zufolge Kontakt zu der Chinesin gehabt. Die anderen beiden Angestellten hätten sich bei dem 33-Jährigen infiziert, schreibt das Team, zu dem neben Münchner Medizinern auch der Coronavirus-Experte Christian Drosten von der Berliner Charité zählt. Zudem sei bei dem 33-Jährigen Erbgut der Coronaviren nachgewiesen worden, als dieser sich schon wieder gesund fühlte.

«Die Tatsache, dass Personen ohne Symptome mögliche Quellen der 2019-nCoV-Infektion waren, kann eine Neueinschätzung der Übertragungsdynamik des derzeitigen Ausbruchs rechtfertigen», schreibt das Team. «In diesem Zusammenhang bereitet der Nachweis von 2019-nCoV und eine hohe Virenlast im Sputum bei einem genesenen Patienten Sorge über eine Verbreitung von 2019-nCoV nach der Besserung.»

Die Funktionsfähigkeit der nachgewiesenen Viren müsse jedoch noch im Labor gezeigt werden, betont das Team. Die Forscher berichten, dass die vier in der Studie beschriebenen deutschen Patienten lediglich eine leichte Symptomatik hatten. Sie seien nur aus Sorge um die öffentliche Gesundheit in Krankenhäusern behandelt worden. Insgesamt waren in Deutschland bis Freitag 13 Fälle nachgewiesen: Elf davon in Bayern hängen mit dem beschriebenen Ausbruch zusammen. Zwei weitere Menschen, die aus China zurückgeholt wurden, werden in Frankfurt/Main behandelt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 02. 2020
17:59 Uhr

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09. 02. 2020
17:59 Uhr



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