Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Hintergründe

Um diese Organspende-Vorschläge geht es im Bundestag

Angesichts Tausender schwerkranker Menschen auf den Wartelisten sollen in Deutschland mehr Organspenden möglich werden. Doch wie? Der Bundestag will an diesem Donnerstag über zwei fraktionsübergreifende Gesetzentwürfe und einen Antrag abstimmen.



Organspendeausweis
Für eine Reform der Organspende gibt es im Bundestag verschiedene Vorschläge.   Foto: Daniel Maurer/dpa

DIE GROSSE LÖSUNG: Eine Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Fachpolitiker Karl Lauterbach macht sich für eine «doppelte Widerspruchslösung» stark. Sie würde das bestehende Prinzip umkehren, dass Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärtem Ja zulässig sind. Stattdessen soll jeder automatisch Spender sein - man soll dem aber jederzeit widersprechen können und müsste das in einem neuen Register speichern. Vor einer Transplantation müsste ein Arzt dort abfragen, ob es eine Erklärung gibt. Falls nicht und es auch sonst kein schriftliches Nein gibt, ist der nächste Angehörige zu fragen - aber nicht nach einer eigenen Entscheidung, sondern ob er ein Nein oder einen anderen Willen des Verstorbenen kennt.

Geplant ist eine große Informationskampagne für eine neue Regelung, außerdem soll jeder ab 16 Jahren dreimal direkt mit Informationen angeschrieben werden. Kommen Minderjährige als Spender infrage, wäre eine Organentnahme nur zulässig, wenn ein Angehöriger zugestimmt hat - das sind wohl meist die Eltern. Bei Menschen, die die Tragweite einer solchen Entscheidung nicht erkennen können - etwa wegen einer geistigen Behinderung - sollen Organspenden grundsätzlich tabu sein.

DIE ALTERNATIVE LÖSUNG: Eine andere Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Linke-Vorsitzende Katja Kipping lehnt einen derart tiefen Eingriff in die Selbstbestimmung ab. Sie schlägt stattdessen vor, die Bürger mindestens alle zehn Jahre direkt anzusprechen. Wer ab 16 einen Personalausweis beantragt, ihn verlängert oder sich einen Pass besorgt, soll auf dem Amt Informationsmaterial bekommen. Beim Abholen kann man sich dann auch schon direkt vor Ort in ein neues Online-Register eintragen - mit Ja oder Nein. Auch in Ausländerbehörden soll es so etwas geben. Selbst beraten sollen Ämter ausdrücklich nicht. Für Kinder sollen die Neuregelungen nicht gelten.

Für eine regelmäßige Aufklärung spielen in diesem Konzept auch Hausärzte eine größere Rolle. Sie können Patienten bei Bedarf alle zwei Jahre über Organspenden informieren und zum Eintragen ins Register ermuntern - aber ergebnisoffen und mit dem Hinweis, dass es weiter keine Pflicht zu einer solchen Erklärung gibt. Grundwissen über Organspenden soll auch Teil der Erste-Hilfe-Kurse vor einer Führerscheinprüfung werden. Im Online-Register sollen Entscheidungen jederzeit zu ändern sein.

ANTRAG DER AFD: Die AfD hat einen Antrag eingebracht, in dem zunächst von einer «abzulehnenden» Widerspruchslösung die Rede ist. Das Ziel ist mehr Vertrauen in das Organspendesystem. Dafür soll der Bundestag die Regierung unter anderem auffordern, dass die Aufsicht über die Vermittlung von Organen auf eine «unabhängige öffentlich-rechtliche Institution» übertragen wird. Diese dürfe nicht mit Beteiligten im Organspendeverfahren besetzt sein.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 01. 2020
09:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alternative für Deutschland Angehörige Annalena Baerbock Ausländerbehörden CDU Deutscher Bundestag Gesundheitsminister Jens Spahn Karl Lauterbach Katja Kipping Organentnahme Organspenden Regierungen und Regierungseinrichtungen Schwerkranke Spenderinnen und Spender Transplantationen Verstorbene
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Organspenden

16.01.2020

Organspende-Reform kommt: Was bringen die neuen Impulse?

Viele Patienten warten verzweifelt darauf, eine Niere oder andere Organe zu erhalten, die ihnen jemand nach dem Tod überlässt. Damit mehr Menschen Spender werden, soll auch das Internet helfen. » mehr

Transportbehälter

16.01.2020

Bundestag gegen Revolution bei Organspende

Der Ton ist leise, die Parteigrenzen sind aufgehoben. Fast andächtig geht es im Bundestag zu bei der entscheidenden Debatte zur Organspende. Von der Entscheidung zeigen sich Betroffene hinterher aber bitter enttäuscht. » mehr

Organspende-Bilanz 2019

13.01.2020

Nieren, Herzen, Därme: Neuer Anlauf für mehr Organspenden

In Deutschland ist die Zahl der Patienten, denen eine Organspende helfen könnte, deutlich größer als die Zahl der transplantierten Organe. Die Politik hat bereits ein Gesetz geändert. Nun steht eine weitere wichtige Ents... » mehr

Organtransport

01.04.2019

Was brächte eine Widerspruchslösung?

Beim Gedanken, einmal auf eine fremde Leber angewiesen zu sein, hofft wohl jeder, eine zu bekommen. Doch hierzulande fehlen Spenderorgane. Deswegen schlagen Parlamentarier einen radikalen Systemwechsel vor. » mehr

Masernimpfung

05.05.2019

Spahns Pläne zur Masern-Impfpflicht

Die Masern ausrotten - das ist das Ziel des Gesundheitsministers. Gegen eine «fortschreitende Impfmüdigkeit» will Jens Spahn verpflichtende Impfungen für Kinder setzen. Andernfalls drohen empfindliche Sanktionen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

brand saalborn Saalborn

Wohnhausbrand Saalborn | 17.01.2020 Saalborn
» 29 Bilder ansehen

Platz 1:Auferstanden

Blende 2020 "Verkehrte Welt" |
» 10 Bilder ansehen

Feuerwehr löscht lichterloh brennendes Forstgerät Neuenbau

Brennende Forstmaschine | 15.01.2020 Neuenbau
» 7 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 01. 2020
09:38 Uhr



^