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Hintergründe

Déjà-vu in Kalifornien

Es sind Szenen wie aus einem Katastrophenfilm: Funken sprühen, grelle Flammen erleuchten die Nacht. Menschen fliehen vor den Flammen - und das nicht zum ersten Mal.



Löschflugzeug
Verheerende Waldbrände fressen sich immer weiter durch Teile Kaliforniens.   Foto: Christian Monterrosa/AP/dpa

Gegen die Flammenhölle kommt selbst ein «Terminator»-Star nicht an. «Falls Sie in einer Evakuierungszone sein sollten, machen Sie keinen Unsinn, hauen Sie ab», rät Arnold Schwarzenegger den Menschen in den Brandgebieten von Kalifornien.

Den Schauspieler und Ex-Gouverneur des Staates hatte es in der Nacht getroffen: Früh um halb vier hätten sie ihr Haus räumen müssen, schrieb der 72-Jährige am Dienstag auf Twitter. Die Feuerwehrleute seien die «wahre Helden», lobte der gebürtige Österreicher und Wahlkalifornier die Tausenden Helfer, die in dem Westküstenstaat seit Tagen gefährliche Schwerstarbeiten leisten.

Die jüngste Flammenwalze im «Goldenen Staat» bedrohte auch Promi-Villen in dem Nobelviertel Brentwood, acht Häuser hätte das sogenannte «Getty»-Feuer bereits zerstört, teilte die Feuerwehr mit. Die Interstate 405, eine der meist befahrenen Autobahnen der USA, musste teilweise gesperrt werden. Sie führt direkt an dem Hang mit dem weltberühmten Getty-Kunstmuseum im Westen von Los Angeles vorbei. Ein Déjà-vu im Katastrophenland: Vor zwei Jahren hatten die trockenen heftigen Santa-Ana-Winde an derselben Stelle ein Feuer angefacht und Tausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben.

Ein Jahr später ein verblüffend ähnliches Bild: Im November 2018 stehen die Hügel um den Promi-Ort Malibu in Flammen. Moderator Thomas Gottschalk, Popstar Miley Cyrus und Schauspieler Gerard Butler verlieren ihre Villen.

Mit solchen Schreckensszenarien leben die Westküstler schon lange, doch jetzt treffen sie Schlag auf Schlag ein, fast rund ums Jahr und immer heftiger. «Dies ist die größte Evakuierung, die jeder von uns im Sheriffs Büro je erlebt hat. Passt auf einander auf», schrieb die Polizei im nordkalifornischen Bezirk Sonoma County am Sonntag auf Twitter.

Seit Ausbruch des «Kincade»-Feuers vorige Woche, in der Weinregion nördlich von San Francisco, mussten mehr als 180.000 Menschen ihre Häuser teils fluchtartig verlassen. Mindestens 123 Gebäude wurden zerstört, darunter auch Weingüter. Das Weingut des US-Regisseurs und Hobbywinzers Francis Ford Coppola sei unbeschadet, aber bliebe mindestens bis Mittwoch geschlossen, twitterte die Firma des Oscar-Preisträgers. Normalerweise sind die kleinen Ortschaften im Herbst voller Ausflügler, jetzt ist Sonoma eine Geisterstadt.

Orkanartige Winde hatten die Feuerwalze in Gang gesetzt und bis Montag schon eine Fläche von mehr als 300 Quadratkilometern verkohlt. Mit diesem Horror-Szenario sind die meisten Anwohner leider bestens vertraut. In derselben Region wüteten im Oktober 2017 massive Buschbrände, mehr als 11.000 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen an. Mehr als 40 Leichen wurden auf den verkohlten Überresten mehrerer Feuer geborgen.

«Dies ist wahrhaft eine der größten, wenn nicht die größte Tragödie, die Kalifornien je erlebt hat», sagte damals der amtierende Gouverneur Jerry Brown. Doch nur gut ein Jahr später kam es noch schlimmer. Das verheerende «Camp»-Feuer in Paradise hatte den Ort am 8. November vorigen Jahres fast vollständig zerstört. 85 Menschen starben, zehntausende wurden obdachlos. Aus dem einst idyllischen Ort wurde ein grau-verkohltes Trümmerfeld. Es war das tödlichste Feuer in der Geschichte des Bundesstaates.

Die Ursachen für die immer extremeren Feuer liegen auf der Hand, doch Abhilfe ist nicht in Sicht. Starke Winde, eine knochentrockene Landschaft und geringe Luftfeuchtigkeit sind die perfekten Voraussetzungen. Der Klimawandel mit anhaltenden Dürren verschärft die Situation, lamentierte der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom am Wochenende nach einem Besuch im rauchverhangenen Sonoma. «Wir leben in einer neuen Welt», sagte der Demokrat.

«Wir haben Feuer, Erdbeben und Überflutungen, aber wir leben an einem der schönsten Orte der Welt», sagte die Sängerin und Schauspielerin Olivia Newton-John (71) am Montag im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Der in Großbritannien geborene frühere «Grease»-Star lebt teils auf einer Ranch im kalifornischen Santa Barbara und in Florida. «Als ich erstmals nach Los Angeles zog, fand ich das verrückt. Wie können die Leute hier in Ruhe leben, dachte ich mir, und nun bin ich selber schon vierzig Jahre hier».

Veröffentlicht am:
29. 10. 2019
10:31 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
29. 10. 2019
10:31 Uhr



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