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Hintergründe

Zwei tote Paketdienst-Mitarbeiter an einem Tag

Großeinsatz in Haldensleben in Sachsen-Anhalt: Binnen eines Tages sind zwei Mitarbeiter eines Paketdienstleisters gestorben, ein dritter ist schwer verletzt. Die Umstände sind noch unklar, Ermittlungen laufen.



Zwei tote Paketdienst-Mitarbeiter in Haldensleben
Der Transporter, in dem einer der Hermes-Mitarbeiter tot aufgefunden wurde, wird abtransportiert.   Foto: Tom Wunderlich/dpa-Zentralbild/dpa

Haldensleben (dpa) - Ein Motor brummt, der Wind lässt hin und wieder Blätter rascheln. Auf dem hell ausgeleuchteten Parkplatz eines Versandzentrums ist es sonst menschenleer.

Hinter einem Maschendrahtzaun haben sich gut ein Dutzend Feuerwehrleute mit Bierbänken und Tischen ein Lager vor dem Wagen der Einsatzleitung aufgebaut.

Zwei Mitarbeiter des Paketdienstleisters Hermes in Haldensleben in Sachsen-Anhalt sind binnen eines Tages unter noch ungeklärten Umständen gestorben. Auf dem Gelände wurde in der Nacht zum Dienstag gegen 01.00 Uhr zunächst ein Toter entdeckt. Der 58-Jährige sei zusammengebrochen und vor Ort gestorben, sagt Polizeisprecher Matthias Lütkemüller rund 24 Stunden später. Gelassen steht er auf dem Parkplatz vor dem Versandzentrum, hin und wieder klingelt sein Telefon. Dass gleich zwei offenbar gesunde Mitarbeiter einer Firma an einem Tag sterben, sei «ungewöhnlich».

Am Dienstagnachmittag wurde nach Polizeiangaben in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter (45) tot aufgefunden. «Ich bin da vorbeigegangen da hab ich bloß gesehen, dass der Fahrer mit dem Kopf auf dem Beifahrersitz gelegen hat», erzählt ein Augenzeuge. Zudem wurde am selben Tag auf dem Gelände des Versandzentrums ein Mann schwer verletzt aufgefunden worden. Grund sollen gesundheitliche Probleme gewesen sein.

Für einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt es der Polizei zufolge bislang keine Anhaltspunkte. Es gebe auch keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Die Feuerwehr war am Dienstagabend mit rund 120 Einsatzkräften vor Ort und prüfte, ob es «toxische Substanzen» gebe. Medien hatten zuvor spekuliert, ob giftige Gase ausgetreten sein könnten. Der Transporter wurde noch in der Nacht auf giftige Schadstoffe untersucht. Ein Ergebnis lag bis zum frühen Mittwochmorgen noch nicht vor.

Noch tief in der Nacht sind die Einsatzkräfte vor Ort. «So Männer» sagt ein Feuerwehrmann gegen halb vier, als bei dem Bierbank-Lager ein Verpflegungsstand aufgebaut wird. «Bockwurst» erwidert einer seiner Kameraden auf die Frage, was es denn gebe. Auch einen mobilen Mülleimer haben die Helfer dabei.

Ein Sprecher des Paketdienstes Hermes wollte sich am Abend zunächst nicht zu den Vorfällen äußern. «Wir wollen nicht spekulieren», sagte er. Das Unternehmen wolle zunächst die Untersuchungsergebnisse der Polizei abwarten. Nach seinen Angaben beschäftigt Hermes am Werk Haldensleben mehr als 3000 Mitarbeiter.

Der Betrieb im Versandzentrum wurde vorübergehend eingestellt. Das Gelände sei für die Ermittler abgesperrt, sagte der Hermes-Sprecher. Er ging davon aus, dass es zu Verzögerungen in der Abwicklung kommen werde, sollte der vorläufige Betriebsstopp nicht binnen kurzer Zeit aufgehoben werden. Üblicherweise ist in der Logistik in der Nachtschicht Hochbetrieb, sagte er.

Dem Polizeisprecher zufolge sind keine Mitarbeiter des Paketdienstes mehr am Versandzentrum. «Wir mussten jetzt alle umgehend das Gelände verlassen», sagt eine Mitarbeiterin am Abend. Tags zuvor habe sie den Kollegen, der später tot in dem Transporter gefunden wurde, noch Pakete austeilen sehen.

Auf den Parkplatz vor dem Versandzentrum fahren in der Nacht auch hin und wieder Lkw. Mitarbeiter kommen in ihren Autos womöglich zur Frühschicht gefahren, kehren aber wenige Minuten später wieder um und fahren weg. Zwei Männer sitzen in einem Führerhaus, ein dritter Mann steht davor. Was sie da machen? «Pause» sagt einer der Männer und trinkt einen Schluck Bier. Ob sie schon wissen, ob sie heute noch arbeiten können? «Egal» sagt ein anderer Mann mit bulliger Statur und zuckt mit den Schultern.

Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
08:52 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
08:52 Uhr



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