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Hintergründe

Das mutmaßliche Tätervideo: Protokoll des Attentats in Halle

Mit einer am Helm befestigten Kamera soll der mutmaßliche Attentäter von Halle seinen Anschlag gefilmt und das Material im Internet veröffentlicht haben.



Mutmaßlicher Täter
Das Videostandbild zeigt den schwerbewaffneten Täter von Halle.   Foto: ATV-Studio/AP/dpa

Der 35 Minuten und 53 Sekunden lange Film dient auch den Ermittlern dazu, die Tatabfolge zu rekonstruieren, wie Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz erklärte. Einsatzkräfte seien am Mittwoch um 12.03 Uhr über Schüsse informiert worden - die Filmaufnahmen geben folgende Geschehnisse wieder:

- Der mutmaßliche Täter spricht zu Beginn eine Botschaft direkt in die Kamera: «Hey, my name is Anon. And I think the Holocaust never happened.» (Mein Name ist Anon. Und ich glaube, der Holocaust ist nie passiert.)

- Die knappe Ansprache beendet er mit den Worten, die Wurzeln von Problemen wie Feminismus, sinkenden Geburtenraten im Westen und Massen-Immigration sei «der Jude».

- Die Kamera nun augenscheinlich auf dem Kopf hebt der Mann lachend eine Langwaffe von der Beifahrerseite auf: «Gott, wie lange warte ich da drauf.»

- Nach rund zwei Minuten Autofahrt hält der Mann vor einer Synagoge. Die Tür in einer Mauer ist verschlossen. «Fuck!», sagt der Filmende: «Ach scheiß drauf, vielleicht kommen sie ja raus.»

- Daraufhin stellt er seine Waffe ab und positioniert sich vor der Mauer. Klicken ist zu hören, danach ein dumpfer Knall.

- An einem ebenfalls abgeschlossenen Tor der Mauer zündet er einen Sprengsatz.

- Eine Frau spricht ihn im Vorbeigehen an: «Muss das sein, wenn ich hier lang gehe? Mann, ey.» Der Filmende schießt ihr mehrmals in den Rücken, sie stürzt.

- Weitere Versuche, auf das Gelände der Synagoge zu gelangen, scheitern. «Jetzt zünden wir sie an», sagt die Stimme.

- Neben der vermutlich toten Frau steht ein Zeuge. Der Filmende richtet die Waffe auf ihn, diese funktioniert nicht und der Zeuge kann im Auto entkommen.

- Vor der Synagoge schießt der Attentäter dreimal auf die Tür in der Mauer, zündet danach allem Anschein nach Brandsätze und wirft sie über die Mauer.

- Nach etwa sieben Minuten an der Synagoge (gut dreizehn Minuten nach dem Start der Aufnahme) fährt der Filmende im Auto weiter. Er kündigt im schlechten Englisch an, zu versuchen, einige «nuts» - was mit «Verrückte» übersetzt werden kann - zu töten: «And then I die. Like the loser I am.» (Und dann sterbe ich. Wie der Loser, der ich bin.)

- Nach kurzer Fahrt entdeckt der Schütze mit der Kamera einen Imbiss: «Döner. Nehmen wir.»

- Dort zündet er zunächst einen Sprengsatz und schießt in Richtung eines Mannes im Eingang. Dieser verschanzt sich hinter Kühlschränken, andere Menschen verstecken sich im hinteren Teil des Imbisses.

- Zu hören ist eine Stimme: «Bitte, bitte nicht. Ich habe Kinder.» Der Täter schießt auf den Mann hinter den Kühlschränken, danach verstummt das Flehen und Schluchzen.

- Nach rund eineinhalb Minuten verlässt der Filmende den Imbiss. Er schießt auf der Straße noch auf mehrere Menschen, alle können wegrennen.

- Etwa bei Minute 21 kehrt er zurück in den Imbiss. Dort kauert noch immer der Mann hinter den Kühlschränken. Er wird mit mehreren Schüssen hingerichtet.

- Nach insgesamt rund sieben Minuten am Imbiss steigt der Täter wieder ins Auto: «Ich habe auf jeden Fall bewiesen, wie wertlos improvisierte Waffen sind», sagt er.

- Ein Polizeiwagen versperrt ihm den Weg, der Fahrer steigt aus dem Wagen, es kommt zum Schusswechsel. Danach fährt er weiter.

- Die Stimme sagt während der Fahrt: «Sorry, guys.» Und: «Alle Waffen haben versagt, Mann!»

- Kurz darauf erklärt der Täter: «Versager! Ich muss aber sagen, ich blute, ich bin angeschossen, irgendwo am Hals. Und ich weiß nicht, ob ich sterbe. Aber ich denke eher nicht. Es tut gar nicht so sehr weh. Aber das ist wahrscheinlich das Adrenalin.»

- «So guys, das war's», heißt es nach etwa 28 Minuten. «I'm a complete loser.» (Ich bin ein kompletter Loser.)

- Die letzten gut sieben Minuten ist die Linse zum größten Teil verdeckt. Der Mann hat die Kamera dem Anschein nach außerhalb des Autos abgelegt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
12. 10. 2019
00:04 Uhr

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