Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Hintergründe

Trump bedroht Heiligtümer Parmesan und Olivenöl

Italien und Spanien werden geliebt für ihre mediterrane Kost. Nun sehen die Länder sich durch neue US-Strafzölle bedroht - und in ihrem Nationalstolz getroffen. Schließlich geht es nicht nur um den Käse-König und um Tapas-Oliven.



KOMBO - Oliven, Wein und Parmeesan
Eingelegte Oliven aus Spanien (oben). Spanischer Wein und italienischer Parmesan.   Foto: Gateau/C. Blumberg/Charisius/epa/dpa

Parmesan ist nicht irgendein Käse, den man in kleinen Tütchen gerieben im Supermarkt kauft und auf Nudeln streut. Parmesan ist in Italien ein Heiligtum, seine Herstellung gleicht einer Religion.

Er wird seit Jahrhunderten nach dem gleichen Verfahren produziert. Nur ausgewählte Erzeuger in der Region um Parma, Modena, Reggio Emilia und Bologna dürfen die großen, goldenen Laibe herstellen. Doch Parmesan ist nicht bloß Identität und Nationalstolz. Er ist auch ein Exportschlager und - wie der gesamte Nahrungsmittelsektor in Italien - ein enormer Wirtschaftsfaktor.

Umso schlimmer also, dass US-Präsident Donald Trump den König aller Käsesorten bedroht. Die angekündigten US-Strafzölle auf Importe aus Europa haben in Italien daher besondere Unruhe ausgelöst. Wegen illegaler EU-Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus wollen die USA auch auf die Käsesorten Parmigiano Reggiano und Grana Padano künftig einen Strafzoll von 25 Prozent erheben.

Statt wie bisher 2,15 Dollar soll auf das Kilo Parmesan nun 6 Dollar Zoll gezahlt werden, rechnet das Parmesan-Konsortium vor. Amerikaner müssten dann nicht mehr 40 Dollar pro Kilo zahlen, sondern 45 Dollar. Das entspricht etwa 41 Euro. Die Befürchtung ist, dass der Absatz in Amerika leidet. Die USA sind für den Verkauf von Parmesan immerhin der zweitwichtigste Exportmarkt Italiens, pro Jahr werden rund 10.000 Tonnen Käse dorthin geliefert. Nur Frankreich kauft mit 11.000 Tonnen noch mehr.

«Wir sind verbittert, weil es ungerechtfertigt einen der stärksten Sektoren unserer Wirtschaft trifft», erklärte Konsortiumschef Nicola Bertinelli. «Italien hat nichts mit Airbus zu tun (...) und muss nun eine wirklich unsinnige Rechnung zahlen.» Betroffen sind neben Parmesan auch gekochter Schinken, Salami und Campari.

Die italienische Regierung ist entschlossen, das Nationalheiligtum zu verteidigen. Nicht umsonst bekam US-Außenminister Mike Pompeo bei seinem Besuch diese Woche in Rom ein großes Stück Käse «Grana d'Oro» in die Hand gedrückt.

Premierminister Giuseppe Conte erklärte, die Causa verlange die «maximale Aufmerksamkeit der Regierung», da die Zölle «uns sehr weh tun können». Bei einem «Parmigiano Day» in Bologna protestierten unlängst Produzenten mit Kühen. In den letzten Wochen reisten Käse-Delegationen in die USA, um das Unglück abzuwenden.

Und statt den befürchteten 100 Prozent Strafzoll auf viele italienische Produkte sind es nun weit weniger. Außenminister Luigi Di Maio erklärte dann zuversichtlich: «Unser Schinken und unser Parmesan sind die Ferraris der Gastronomie. Sie sind die besten der Welt, und ich bin sicher, dass die Amerikaner Lust darauf haben, sie zu essen.»

«Gerettet» sind daneben andere Champions der italienischen Küche: Auf Parma-Schinken, Büffelmozzarella oder Prosecco werden keine zusätzlichen Zölle erhoben. Auch italienischer Wein und italienisches Olivenöl blieben außen vor.

Anders dagegen in Spanien. Dort ist das heiß geliebte «Aceite de Oliva» betroffen. Das Olivenöl wird in Spanien vor allem in Andalusien produziert. Von den gut 400 Millionen Euro, die Spanien 2018 für den Export von Olivenöl in die USA kassierte, gingen 80 Prozent in die Region im Süden des Landes. Dort haben Olivenöl und Oliven traditionell eine riesige wirtschaftliche, aber auch soziale Bedeutung. Entsprechend groß war der andalusische Aufschrei nach Bekanntwerden der Nachricht von den US-Strafzöllen.

Die regionale Arbeitsministerin Rocío Blanco warnte, der erwartete starke Rückgang der Ausfuhren in die USA werde viele Unternehmen hart treffen und die Arbeitslosenrate, die dort bereits bei mehr als 21 Prozent liegt, weiter ansteigen lassen. «Ich weiß nicht, wie lange viele der betroffenen Firmen die Folgen aushalten können», sagte sie. Rafael Pico, Geschäftsführer des Olivenöl-Exporteur-Verbandes Asoliva, drückt sich noch drastischer aus: «Ein Strafzoll von 25 Prozent haut viele aus dem Markt.» Und Mariano Íñigo, Professor an der EAE Business School, sprach von einer «Katastrophe», die «für viele Unternehmen mit sehr geringen Gewinnmargen unweigerlich das Ende» bedeuten werde.

Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
14:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Airbus GmbH Arbeitsminister Außenminister Donald Trump Exportmärkte Exportwirtschaft Ferrari Italienische Regierungen Käse Lebensmittelwirtschaft Mike Pompeo Parmaschinken Schinken US-Außenminister Zoll (Außenwirtschaft)
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Generaldebatte der UN-Vollversammlung

24.09.2019

Hart in der Sache - moderat im Ton

Der Konflikt mit dem Iran droht zum Krieg zu eskalieren. Mit Spannung ist die Rede von US-Präsident Trump bei den UN erwartet worden. Trump schlägt dabei über weite Strecken erstaunlich moderate Töne an. Die Europäer sin... » mehr

Annegret Kramp-Karrenbauer

08.11.2019

Der Streit um deutsche Gestaltungsmacht

Wirtschaftlich ein Riese, sicherheitspolitisch ein Zwerg. Diese Beschreibung Deutschlands ist nicht neu und war über Jahrzehnte politisch gewollt. Im Streit um einen Kurswechsel könnte es noch knallen. » mehr

Marschflugkörper

02.08.2019

Aus für historischen Vertrag - Beginnt ein neues Wettrüsten?

Russland und die USA können seit Freitag wieder ohne Beschränkungen atomare Mittelstreckenwaffen bauen. Die Konsequenzen dürften weitreichend sein - auch für Europa. » mehr

Trump im Kabinett

18.10.2019

Rücktritte und Entlassungen unter US-Präsident Trump

Bei seinem Amtsantritt versprach US-Präsident Donald Trump, nur außergewöhnliche Mitarbeiter in seine Regierungsmannschaft zu berufen. » mehr

Trump und Bolton

10.09.2019

Rücktritte und Entlassungen unter US-Präsident Trump

Bei seinem Amtsantritt versprach US-Präsident Donald Trump, nur außergewöhnliche Mitarbeiter in seine Regierungsmannschaft zu berufen. » mehr

Donald Trump und Joe Biden

26.09.2019

Ein ungewöhnlicher leiser Trump und sein Kampf gegen Biden

Die Ukraine-Affäre scheint Donald Trump zuzusetzen. Die Demokraten sind elektrisiert. Ihr momentan aussichtsreichster Kandidat Joe Biden stilisiert sich derweil als Anti-Trump. Im Kongress werden schon weitere Schritte z... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Ilmenauer IKK-Klimawandel Ilmenau

Ilmenauer IKK-Klimawandel | 16.11.2019 Ilmenau
» 12 Bilder ansehen

Goldene Ziege Kids 2019 Suhl

Goldene Ziege für Kinder | 16.11.2019 Suhl
» 100 Bilder ansehen

weihnama1.jpg Himmelpfort

Weihnachtsbüro Himmelpforten | 15.11.2019 Himmelpfort
» 10 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
14:58 Uhr



^