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Hintergründe

Pandas im Berliner Zoo haben Zwillings-Nachwuchs

Fast nackt, blind und nur so groß wie Meerschweinchen - wirklich niedlich sehen neugeborene Pandas nicht aus. Aber für Berlin ist die Sensation perfekt: Wenn die Kleinen gesund heranwachsen, ist es ist der erste Panda-Nachwuchs in Deutschland.



Erstversorgung
Eines der beiden neugeborenen Panda-Babys während der Erstversorgung im Zoo Berlin.   Foto: Zoo Berlin/Zoologischer Garten Berlin

Lautes Quieken im Doppelpack: Im Berliner Zoo hat Panda-Dame Meng Meng am Wochenende Zwillinge zur Welt gebracht. Sie kümmere sich liebevoll um ihren Nachwuchs, teilte der Zoo am Montagmorgen mit.

Die Jungtiere, die erst 186 und 136 Gramm wiegen, sind auch für Deutschland eine Premiere: Im Zoo lebt seit 2017 mit Meng Meng und Jiao Qing das einzige Panda-Paar der Republik. Mit anderen Großen Pandas in Berlin waren Zuchtversuche früher nie von Erfolg gekrönt.

Die sechsjährige Bärin Meng Meng ist zum ersten Mal Mutter geworden. Unmittelbar nach der Geburt am Samstagabend habe sie aber sofort gewusst, was zu tun sei, heißt es aus dem Zoo. Sie legte sich das erstgeborene Jungtier, das von zartem, weißem Flaum bedeckt war, behutsam auf ihren Bauch und wärmte es liebevoll mit ihren Tatzen und ihrem weichen Wangenfell. Viel Zeit zum Ausruhen blieb ihr nicht: Eine knappe Stunde später kam der zweite kleine Neubärliner hinterher, auch er fast nackt, blind und nur so groß wie ein Meerschweinchen. Ob es Weibchen oder Männchen sind, war am Montagmorgen noch nicht klar.

Auf dem Ultraschall war vor wenigen Tagen erst ein Embryo zu sehen gewesen. Bei Pandas liegt die Wahrscheinlichkeit von Zwillingsgeburten allerdings bei rund 50 Prozent. Dass ihre Babys so unreif zur Welt kommen, ist normal - umso größer ist aber auch die Gefahr von Komplikationen und Infektionen nach der Geburt.

In freier Wildbahn in ihrer Heimat China ziehen Pandas meist nur ein Junges auf. In Berlin bekommt die Panda-Mama deshalb Assistenz: Chinesische Tierexperten aus der Zuchtstation Chengdu, in der auch Meng Meng aufwuchs, sorgen mit Brutkästen dafür, dass es beide Minibären immer kuschelig warm haben und abwechselnd bei ihrer Mutter säugen. Nach Angaben des Zoos gibt es in China nur noch 1864 ausgewachsene Große Pandas in freier Natur. «Damit trägt jedes einzelne Jungtier bedeutend zur Erhaltung der gesamten Tierart bei», sagte Berlins Zoodirektor Andreas Knieriem.

Auf die Anstrengung folgen für Mama Meng Meng nun erstmal Leckereien und Ruhe. Für Besucher wird die kleine Familie in den ersten Wochen noch nicht zu sehen sein. Nur Panda-Papa Jiao Qing mampft weiter hinter Glas Bambus - auch in freier Natur würde er sich nicht um die Aufzucht seiner Jungen kümmern.

Trächtig oder nicht? Diese Frage bewegte Panda-Freunde genau 147 Tage lang. Zwar bekam Meng Meng eine medizinische Betreuung wie so mancher menschliche Promi - mit Schwangerschaftstests konnte sie aber nicht so viel anfangen. Die entscheidende Ultraschall-Untersuchung am 26. August ließ die 92 Kilo schwere Bärin nur mit Hilfe heftiger Bestechung zu: Apfelstückchen und Bambuskeksen.

Doch danach waren sich Tierärzte sicher: Da ist ein Embryo zu sehen und - bum, bum, bum - es sind auch Herztöne zu hören. Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hoffte auf ein Happy End. «Was für eine großartige Nachricht», wird er nun vom Zoo zitiert. «Ganz Berlin freut sich über diese beiden Neuankömmlinge und ich gratuliere Andreas Knieriem und seinem Zoo-Team ausdrücklich.» Nun muss nur noch alles gutgehen. Dann bleibt der Panda-Nachwuchs voraussichtlich vier Jahre im Zoo.

Meng Meng und ihr Partner Jiao Quing, was soviel heißt wie Träumchen und Schätzchen, zogen im Zoo vor zwei Jahren in ein rund zehn Millionen Euro teures Luxusgehege im China-Look. Das Land der Mitte überlässt die putzigen Bären aus eigener Zucht nur ausgewählten Ländern. Panda-Diplomatie lautet das geflügelte Wort dafür. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Verhandlungen für den Berliner Zoo 2015 in Gang gebracht und die Bären zwei Jahre später persönlich in der Hauptstadt begrüßt. Gratis sind diese tierischen Leihgaben nicht: Der Berliner Zoo zahlt pro Jahr rund eine Million US-Dollar, die nach chinesischen Angaben wieder in die Panda-Zucht fließen. Und Jungtiere gehören laut Vertrag China.

Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert, dass Haltung und Zucht von Pandas in Zoos rein politische und wirtschaftliche Gründe hätten, aber keinen Beitrag zum Artenschutz leisteten. Von weltweit gezüchteten Tieren seien bis 2016 lediglich sieben ausgewildert worden - und nur fünf hätten überlebt. Solche Zahlen bestätigt auch das Leibniz-Institut für Wildtierforschung.

Geschäftsmodell hin oder her: Seit ihrem Einzug zählen die Berliner Pandas zu den Publikumslieblingen. Meng Meng gilt als kleine Diva. Wenn ihr die Aufmerksamkeit nicht reicht, läuft sie sogar rückwärts. 2018 erschien sie dem Zoo mit ihren fünf Jahren und so manchem Teenager-Verhalten aber noch zu jung für eine Paarung. Den ersten Panda-Sex ihres Lebens erlebten die Berliner Bären darum erst in diesem April.

Da sie in Liebesdingen als unerfahren galten, half der Zoo mit einer künstlichen Besamung zusätzlich nach. Bald bekam Meng Meng ziemlich oft schlechte Laune - ein erster Hinweis auf eine mögliche Trächtigkeit. Der Berliner Zoo ist in diesem August 175 Jahre alt geworden - im Jubiläumsjahr machen die Pandas ihm nun wohl nun das schönste Geschenk.

Panda-Vermehrung ist aber schon in freier Natur kein Kinderspiel. Die Tiere sind ausgesprochene Sex-Muffel - ein Weibchen ist nur drei Tage im Jahr fruchtbar. Außer kiloweise nährstoffarmen Bambus fressen Pandas nichts. Dass sich eine massige 90-Kilo-Panda-Mama versehentlich ihren zarten Nachwuchs setzt und ihn erdrückt, ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Für die Evolution ist das alles keine so gute Idee. Dass Pandas bedroht sind, liegt aber auch am Menschen, der die Bambusbären in wenige Bergregionen im Südwesten Chinas verdrängt hat. Der Panda wurde auch deshalb zu einem Symbol für den internationalen Artenschutz. Inzwischen nehmen die Bestände in den Schutzgebieten wieder leicht zu.

Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
12:32 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
02. 09. 2019
12:32 Uhr



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