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Hintergründe

Nadelöhr der Weltwirtschaft im Zentrum des Iran-Konflikts

Der Iran steht mit dem Rücken zur Wand. Jetzt setzt Teheran auf Eskalation in der Straße von Hormus. Es ist eine gefährliche Strategie. Das Säbelrasseln am Golf könnte leicht eskalieren.



Öltanker beschlagnahmt
Ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarde fährt in Sichtweite des festgesetzten britischen Öltankers «Stena Impero».   Foto: Hasan Shirvani/Mizan News Agency

Die Straße von Hormus ist nicht nur für die Schifffahrt und den Welthandel strategisch wichtig: Sie ist auch ein Angelpunkt für die schwierigen Beziehungen des Irans zum Westen.

Die schleichende Eskalation des Konflikts rund um das Nadelöhr zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman lässt daher von Berlin bis Washington die Alarmglocken schrillen. Selbst wenn keine der Konfliktparteien es zu einem Krieg kommen lassen möchte, könnte die Situation völlig außer Kontrolle geraten. Und ganz offenbar ist keine Konfliktpartei zum Nachgeben bereit.

«Mit jedem neuen Zwischenfall steigt das Risiko einer ungewollten Eskalation zu einem militärischen Konflikt», erklärte Iran-Experte Richard Nephew von der Columbia-Universität in New York am Freitag in einer Analyse. Die Iraner wollten mit der Eskalation des Konflikts dem Westen ein klares Signal geben: «Unterschätzt uns auf eigene Gefahr». Bundesaußenminister Heiko Maas sagte der «Bild am Sonntag»: «Es geht darum, Krieg zu verhindern.» Bei einer militärischen Eskalation gäbe es «keine Gewinner, nur Verlierer».

Durch die nur etwa 50 Kilometer breite Straße von Hormus werden viel Flüssiggas und fast ein Drittel der globalen Ölexporte verschifft. «Es gibt keine alternative Route in und aus dem Golf», sagte etwa Bob Sanguinetti von der britischen Schifffahrtskammer. Das weiß auch der Iran - und nutzt seinen Zugriff auf die Meeresenge als Druckmittel.

Seit Juni schon schaukeln sich die Ereignisse dort hoch. Nach US-Angaben griffen die Iraner mehrere Öltanker an. Dann schoss das iranische Militär eine US-Aufklärungsdrohne ab. Präsident Donald Trump verzichtete angeblich in letzter Minute auf Vergeltungsschläge, doch seither herrscht Krisenstimmung. Am Mittwoch zerstörte das US-Militär dann nach eigenen Angaben eine iranische Drohne in der Straße von Hormus. Es legte aber keinen klaren Beweis vor und Teheran bestritt dies.

«Falls eines Tages die USA wirklich den iranischen Ölexport blockieren sollten, dann wird überhaupt kein Öl mehr am Persischen Golf exportiert», hatte Präsident Hassan Ruhani selbstbewusst gesagt. Nachdem ein iranischer Supertanker in Gibraltar Anfang Juli wegen möglicher Sanktionsverstöße festgesetzt und dessen Beschlagnahmung verlängert wurde, eskalierte Teheran den Konflikt und setzte am Freitag einen britischen Tanker im Iran fest. «Die Briten haben unser Schiff geklaut (...) und wir haben reagiert», sagte Parlamentspräsident Ali Laridschani.

Wie kommt man aus dieser Lage wieder raus? Der «Tankerstreit» ist nur die letzte Episode des Konflikts, den US-Präsident Donald Trump im Mai 2018 mit der Aufkündigung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran ausgelöst hatte. Die USA verhängten harte Sanktionen und brachten die iranischen Ölexporte fast zum Erliegen. Irans Wirtschaft stürzte in eine schwere Krise. Die Europäer wollen zwar das Atomabkommen retten, wagen aber keine Konfrontation mit den USA.

Irans sonst geschmeidiger Außenminister Mohamed Dschwad Sarif erklärte ungewöhnlich direkt, Teheran wolle keine «diplomatischen Lippenbekenntnisse» der Europäer mehr: «Entweder werden konkrete Maßnahmen gegen Trumps Wirtschaftsterrorismus präsentiert, oder wir gehen unseren eigenen Weg.» Dieser Weg scheint sowohl den schrittweisen Ausstieg aus dem Atomabkommen als auch die militärische Kontrolle der Straße von Hormus zu umfassen. Der Iran steht mit dem Rücken zur Wand und setzt daher auf Eskalation - wohl in der Hoffnung, die eigene Position für Verhandlungen zu stärken.

Eine Mischung aus Eskalation und Offenheit für Gespräche sei die typische iranische Verhandlungsstrategie, meint Suzanne Maloney, eine Iran-Expertin der Denkfabrik Brookings Institute aus Washington. Teheran kombiniere Diplomatie mit «einem Schlag ins Gesicht» durch die Revolutionsgarden (IRGC), schrieb sie am Freitagabend auf Twitter. Beides ergänze sich und sei koordiniert.

Sarif traf sich jüngst mit dem republikanischen US-Senator Rand Paul, den Trump mit dem Ausloten möglicher Gespräche beauftragt hatte. Sarif zeigte sich offen. Doch die wirkliche Macht in der Islamischen Republik hat der geistliche Führer Ajatollah Ali Chamenei, und der lehnt Gespräche ohne vorige Rückkehr der USA zum Atomabkommen und Aufhebung der Sanktionen kategorisch ab. Und Trump dürfte kaum bereit sein, vor der US-Wahl 2020 dem Iran Zugeständnisse zu machen.

Die US-Regierung verlegt nun zur Abschreckung mehr Truppen in die Region. Zudem wirbt sie für eine Initiative «Operation Sentinel», mit der die kommerzielle Schifffahrt rund um die Straße von Hormus militärisch geschützt werden soll. Doch bislang hat kein Nato-Partner Unterstützung zugesagt und der US-Thinktank Stratfor erinnerte daran, dass schon die großen von den USA organisierten Militäreskorten im iranisch-irakischen Krieg der 1980er Jahre die Öltanker nicht vor Seeminen hätten schützen können. In London kam nach der Festsetzung des Öltankers die Forderung auf, sich an dem Schutz der Seeroute zu beteiligen. Doch die Royal Navy hat in der Region bei Weitem nicht genügend Schiffe für einen solchen Einsatz.

Für Großbritannien kommt die Krise mit dem Iran zur Unzeit - inmitten des Brexit-Strudels und nur Tage vor einem Regierungswechsel. Außenminister Jeremy Hunt erklärte seit Freitag, Großbritannien lehne einen Militärschlag ab und setze auf Diplomatie. Gleichzeitig drohte er mit nicht näher erläuterten «ernsten Konsequenzen», sollte der Iran nicht einlenken. Die 23 Besatzungsmitglieder der «Stena Impero» müssen sich indes wohl auf einen längeren Aufenthalt einstellen: Für Teheran sind sie ein idealer Faustpfand bei den Bemühungen, dem Westen Zugeständnisse abzuringen.

Veröffentlicht am:
21. 07. 2019
22:46 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
21. 07. 2019
22:46 Uhr



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