Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Hintergründe

Wahlsieger Mitsotakis punktet mit Pragmatismus

Er hat die Parlamentswahl gewonnen - aber nicht etwa, weil er besonders charismatisch wäre. Vielmehr überzeugte der künftige griechische Premier die Wähler als nüchterner Technokrat.



Kyriakos Mitsotakis
Kyriakos Mitsotakis (2.v.r) gilt als überzeugter Modernisierer.   Foto: Petros Giannakouris/AP

In den vergangenen Tagen hat Kyriakos Mitsotakis seine Genugtuung kaum noch verbergen können. Sämtliche Umfragen und Prognosen sahen ihn als neuen Ministerpräsidenten Griechenlands - die Frage war nur noch, wie hoch der Sieg seiner konservativen Partei Nea Dimokratia ausfallen würde.

Nun ist es amtlich: Am Sonntag sprachen sich die Griechen klar für den 51 Jahre alten Parteichef als künftigen Premier aus. Dass schon Mitsotakis' Vorfahren die griechische Politik prägten, hat es ihm auf seinem Weg nicht gerade leicht gemacht.

Mitsotakis ist Spross einer der größten griechischen Politiker-Dynastien: Die politischen Wurzeln der Familie aus Kreta gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Ein Großonkel regierte das Land Anfang des 20. Jahrhunderts 15 Jahre lang. Mitsotakis' Vater Konstantinos war von 1990 bis 1993 Premier, seine Schwester Dora Bakogianni war griechische Außenministerin und Bürgermeisterin von Athen, heute ist ihr Sohn Bürgermeister der Hauptstadt.

Politik von der Wiege an - das mag Vorteile haben, ist in Griechenland aber auch ein handfester Nachteil. Polit-Clans wie die Familien Mitsotakis, Karamanlis und Papandreou gelten als die Hauptverantwortlichen für die Vetternwirtschaft, die wiederum die schwere Finanzkrise der vergangenen Jahre mitverursacht hat.

Von diesem Erbe muss Mitsotakis sich befreien. Optisch hat er sich bereits gelöst: Wie sein Kontrahent Alexis Tsipras tritt der verheiratete hochgewachsene Politiker und Vater dreier Kinder gern in Jeans und weißem Hemd auf, ohne Krawatte, zwei Knöpfe offen, die Ärmel hochgekrempelt.

Die hochgekrempelten Ärmel können auch im übertragenen Sinne verstanden werden: Der studierte Wirtschaftsanalytiker hat viel vor und den gebeutelten griechischen Wählern einiges versprochen. Er will das Land wieder auf Wachstumskurs bringen, Arbeitsplätze schaffen, Steuern senken und Bürokratie bekämpfen. Um das zu erreichen und seine Tatkraft unter Beweis zu stellen, hat er die sonst vierwöchige parlamentarische Sommerpause auf eine Woche gekürzt.

Mitsotakis gilt als überzeugter Modernisierer. Während seiner Amtszeit als Minister für Verwaltungsreformen von 2013 bis 2015 versuchte er, den Staatsapparat effektiver zu machen. Später wurde er von den Konservativen zum Parteichef gewählt - die ND brauchte einen jüngeren Mann, um dem heute 44 Jahre alten linken Regierungschef Alexis Tsipras Paroli zu bieten. Dass Mitsotakis nicht so charismatisch ist wie Tsipras, der vor vier Jahren die Massen bewegte und noch heute viele begeistert, machte er mit Pragmatismus wett. Von populären Parolen haben viele Griechen ohnehin genug.

Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
21:01 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alexis Tsipras Außenminister Dora Bakogianni Hemden Jeans Krawatten Minister Parlamentswahlen Premierminister Regierungschefs Vorfahren Wähler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Parlamentswahl in Großbritannien

14.12.2019

Boris Johnson: Der große Zampano sahnt bei den Wählern ab

Mit Donald Trump gehört Boris Johnson zu den großen politischen Populisten der Gegenwart. Dem britschen Wahlvolk präsentiert er sich erfolgreich als Retter - aus einem Schlamassel, den er selbst maßgeblich mit zu verantw... » mehr

Boris Johnson

20.08.2019

Mr. Brexit auf Europatour

Der britische Premierminister Boris Johnson besucht Berlin und Paris. Per Brief schickt er eine Forderung voraus, die als unerfüllbar gilt: Die Garantieklausel für eine offene Grenze in Irland müsse aus dem Brexit-Vertra... » mehr

Jaroslaw Kaczynski

14.10.2019

Polen-Wahl: Nationalkonservative fahren Triumph ein

Die regierende nationalkonservative PiS wird in Polen weiterhin das Sagen haben. Bei der Parlamentswahl hat sie noch deutlich besser abgeschnitten als 2015. Am Wahlabend geben sich ihre Vertreter entsprechend selbstbewus... » mehr

G7-Gipfel in Frankreich

26.08.2019

Merkel im Hintergrund: Trump und Macron dominieren G7-Gipfel

Beim G7-Gipfel im mondänen französischen Badeort Biarritz bestimmen zwei Alpha-Männchen die Schlagzeilen. Ein Zeichen für schwindenden Einfluss der Kanzlerin? Donald Trump warnt davor, Merkel zu früh abzuschreiben. » mehr

Boris Johnson

24.07.2019

«Großbritanniens Trump» übernimmt das Ruder

Die Amtszeit als Premierminister beginnt für Boris Johnson mit einem Besuch bei der Queen. Für die 93-Jährige ist der Tory-Politiker bereits die Nummer 14 in der Rolle des britischen Regierungschefs. Gelingt ihm, woran N... » mehr

Medwedew und Putin

15.01.2020

Putin trennt sich von Regierungschef Medwedew

Das politische Jahr in Russland startet mit einer handfesten Sensation. Kremlchef Putin tut, was viele seit langem fordern: Er trennt sich von seinem treuesten Ergebenen, seinem einstigen Kronprinzen - von Regierungschef... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Mopedunfall Steinheid

Mopedunfall Steinheid |
» 4 Bilder ansehen

Schwerer Unfall Effelder Effelder

Unfall Effelder | 13.09.2020 Effelder
» 12 Bilder ansehen

Kürbiswiegen Fambach

Kürbiswiegen Breitungen | 12.09.2020 Fambach
» 18 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
07. 07. 2019
21:01 Uhr



^