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Hintergründe

Vor 30 Jahren: Der letzte erschossene Flüchtling an der Berliner Mauer

Die Hinterlandmauer hat Chris Gueffroy aus Ost-Berlin schon überwunden. Doch die Flucht gelingt nicht. Der 20 Jahre alte Kellner ist der letzte DDR-Flüchtling, der an der Berliner Mauer erschossen wird.



Schauspieler oder Pilot wollte er werden. Aber Chris Gueffroy wurde in der DDR nicht zum Abitur zugelassen. Er lernte Kellner und hatte einen großen Traum: Amerika sehen. Vor 30 Jahren, am 5. Februar 1989, starb der jungen Ost-Berliner, als er die Grenzanlagen mit einem Freund überwinden wollte. Chris Gueffroy war der letzte, der bei einem Fluchtversuch an der Berliner Mauer erschossen wurde. Wenige Monate später fiel die Grenze zwischen Ost und West.

Die Stiftung Berliner Mauer erinnert am Dienstag (11.00 Uhr) mit einer Andacht in der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Straße an das Schicksal des Mannes, der nur 20 Jahre alt wurde. «30 Jahre nach dem Mauerfall vergessen wir die Opfer nicht», sagte Stiftungsdirektor Axel Klausmeier. Ihre Schicksale zeigten, wie stark ihr Wunsch nach Freiheit gewesen sei.

An der Gedenkstele für Gueffroy werden der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD), und der Europaabgeordnete Michael Kramer (Grüne) am Dienstag einen Kranz am Ufer des Britzer Verbindungskanals zwischen Treptow und Neukölln niederlegen (13.00 Uhr).

Der 20-Jährige wollte flüchten, als der Militärdienst in der Nationalen Volksarmee bevorstand. Gueffroy habe sich ohnehin eingeengt, reglementiert und angewidert von der Korruption in der DDR-Gastronomie gefühlt, heißt es im Totenbuch mit den Schicksalen der Berliner Maueropfer.

Zusammen mit einem Freund erreichte Gueffroy am 5. Februar 1989 gegen 22.30 Uhr in schützender Dunkelheit die Kleingartenkolonie «Harmonie» im Ost-Stadtbezirk Treptow. Beide hatten gehört, dass der Schießbefehl ausgesetzt sei. Sie näherten sich der Grenze zu Neukölln in West-Berlin. Mit selbstgebauten Wurf-Ankern und «Räuberleiter» überwanden sie die meterhohe Hinterlandmauer, doch beim Kriechen durch den Signalzaun lösten sie die Alarmanlagen aus.

Nur noch ein Metallzaun trennte die Flüchtlinge vom Westen, doch dann peitschten mehr als 20 Schüsse durch die Nacht. Gueffroy wird ins Herz getroffen und stirbt. Sein Freund wird schwer verletzt festgenommen und dann zu einer Haftstrafe verurteilt.

Die DDR-Behörden versuchten, den Tod von Gueffroy zu vertuschen. Selbst bei der Beisetzung beobachteten Stasi-Leute die Trauernden, heißt es in der «Chronik der Mauer», in der die Schicksale der Maueropfer nachgezeichnet sind. Stasi-Minister Erich Mielke schrieb damals in einem Brief an SED-Chef Erich Honecker, es habe nicht verhindert werden können, dass eine Todesanzeige in der «Berliner Zeitung» erschien.

Der Todesschütze wurde nach dem Mauerfall letztlich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er habe in der Hierarchie ganz unten gestanden.

Nach Gueffroy gab es 1989 noch ein weiteres Todesopfer im Zusammenhang mit der Berliner Mauer. Am 8. März stürzte ein 32-Jähriger mit einem selbst gebauten Ballon in Berlin-Zehlendorf ab, nachdem er bereits die DDR-Grenze überwunden hatte.

In Berlin starben nach dem Mauerbau vom 13. August 1961 nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime. An einer Studie, wonach an der deutsch-deutschen Grenze mindestens 327 Menschen ums Leben kamen, waren zuletzt Zweifel aufgekommen. Teile des abgeschlossenen Forschungsprojekts sollen überprüft werden. dpa

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Veröffentlicht am:
03. 02. 2019
10:09 Uhr

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03. 02. 2019
10:09 Uhr



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