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Hintergründe

Keine deutsche Einheit ohne ihn - George Bush sen. ist tot

Die Deutschen haben George Bush senior stets mehr gemocht als seinen Sohn. Ohne den «alten Bush» hätte es die deutsche Einheit wohl nicht gegeben. Bush war jemand, der zum persönlichen Freund des politischen Gegners werden konnte - im Trump-Amerika kaum noch vorstellbar.



Gorbatschow, Bush und Kohl
Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow (l-r), der ehemalige Präsident der USA, George H.W. Bush, und Altbundeskanzler Helmut Kohl in Geisa an der hessisch-thüringischen Grenze.   Foto: dpa/Archiv

George Herbert Walker Bush sei ein «Glücksfall» für Deutschland gewesen, meinte Helmut Kohl einmal - und das ist keine Übertreibung.

Der 41. Präsident der USA (1989-1993) war nach dem Fall der Berliner Mauer der erste westliche Staatsmann, der das Wort «Wiedervereinigung» überhaupt in den Mund nahm. Der keine Furcht vor einem geeinten Deutschland hatte. Der, ganz im Gegensatz zu Frankreich und Großbritannien, in den entscheidenden Monaten nicht mauerte. Rasch und entschlossen setzte Bush senior damals auf «ein Deutschland». Am Freitagabend starb George H. W. Bush im Alter von 94 Jahren - ein Freund der Deutschen war er immer geblieben.

Als Bush, Sohn der «Geldaristokratie» Neuenglands, im Januar 1989 ins Weiße Haus einzog, ahnte keiner, dass die politische Weltordnung bald aus den Fugen geraten sollte. Zwar war Bush zuvor acht Jahre lang Vizepräsident unter Ronald Reagan gewesen, dem Mann, der 1987 den sowjetischen Parteichef vor dem Brandenburger Tor aufrief: «Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!» Doch niemand rechnete damit, dass sich die Ereignisse derart überstürzen würden.

Schon am Tag nach dem Mauerfall im November 1989 führten Bush und Bundeskanzler Kohl ein Telefongespräch. «Alles Gute und viel Glück», wünschte der Amerikaner. Ein kluger Schachzug des in Sachen Außenpolitik und Diplomatie gewandten Bushs war es auch, darauf zu verzichten, persönlich in Siegerpose in Berlin aufzutreten. Bewusst vermied Washington damals alles, was Moskau hätte provozieren können - auch das war wichtig für den Gang der Dinge.

Entschlossen setzte sich Bush damals ans Werk, redete Gorbatschow bei einem Treffen am 3. Dezember 1989 in Malta ins Gewissen. Bei Margaret Thatcher und François Mitterrand, den Deutschland-Skeptikern aus London und Paris, musste er geradezu Seelenmassage betreiben - sie waren beide gegen ein geeintes Deutschland.

«Für uns Deutsche war der amerikanische Präsident ein Glücksfall», bekannte Kohl später. Immer wieder berieten die beiden Männer damals über den Gang der Geschichte. Bush bastelte damals bereits an einer «neuen Weltordnung», eine friedliche Welt jenseits der Block-Konfrontation - die allerdings niemals zustande kam.

Eine weitere Bewährungsprobe für den ehemaligen Marineflieger, der im Zweiten Weltkrieg mit seiner Maschine im Pazifik unter Feuer kam, war 1990 der irakische Überfall auf das Nachbar-Emirat Kuwait. In zähen Verhandlungen gelang es Bush, unter US-Führung eine internationale Streitmacht von über einer halben Million Mann zusammenzustellen.

Die Sensation dabei war, dass mit Syrien, Ägypten und Saudi-Arabien auch arabische Soldaten an der «Operation Wüstensturm» teilnahmen. Bush gelang es sogar, den UN-Segen zu erhalten - ganz im Gegensatz zu Bush junior, der zwölf Jahre später gegen den ausdrücklichen Widerstand vieler Verbündeter und ohne UN-Votum in den Krieg zog.

Der Waffengang des Vaters führte im Januar und Februar 1991 binnen Wochen zum Sieg. Wieder erwies «der Alte» militärische und politische Zurückhaltung. Bewusst verzichtete er darauf, seine Truppen bis nach Bagdad weitermarschieren zu lassen. «Kuwait ist befreit, Iraks Armee ist besiegt, wir haben das Vietnam-Syndrom ein für alle Mal verscheucht», jubelte Bush sen. Ende Februar 1991. Erleichtert, fast wie von einem Fluch befreit fühlten sich die Amerikaner damals.

Für den Augenblick hatte Bush recht: Die USA waren nach dem Zerfall der Sowjetunion die einzig verbliebene Supermacht, Bushs Popularität wuchs in den Himmel - doch längerfristiges politisches Glück brachte ihm das nicht. Im Herbst 1992 unterlag Bush im Präsidentenwahlkampf einem strahlenden, jungen Mann: Bill Clinton. Der außenpolitische Stratege Bush hatte es nicht geschafft, die Wirtschaft flott zu kriegen - und wenn es ums Geld geht, sind die US-Wähler unerbittlich.

Dass Clinton ihn besiegte, hielt Bush nicht davon ab, später zum Freund seines Amtsnachfolgers zu werden - eine Entwicklung, die im polarisierten Amerika von Präsident Donald Trump heute kaum noch vorstellbar erscheint. «Ich bin zutiefst dankbar für jede Minute, die ich mit Präsident Bush verbracht habe, und werde unsere Freundschaft immer als eines der größten Geschenke meines Lebens betrachten», teilte Clinton am Samstag mit.

Mit Trump verband Bush dagegen keine Freundschaft. Der Autor und Historiker Mark Updegrove wusste in einem Buch zu berichten, dass Bush bei der im November 2016 nicht einmal für Trump stimmte, obwohl er der Kandidat seiner republikanischen Partei war.

Im April musste George H. W. Bush Abschied von seiner Ehefrau Barbara nehmen. Die beiden waren mehr als 70 Jahre verheiratet. Trump fehlte damals bei der Beerdigung. In der ersten Reihe saßen seine Frau, First Lady Melania Trump, Hillary und Bill Clinton sowie das vormalige First Couple Barack und Michelle Obama einträchtig nebeneinander. Ein seltenes Bild. Am Staatsbegräbnis für Bush will Trump dagegen teilnehmen, wie das Weiße Haus am Samstag mitteilte.

Zu seinem 80. Geburtstag hatte Bush gesagt: «Nur weil man 80 ist, heißt das nicht, dass man keine Sachen machen kann, die Spaß machen.» Damals hatte der frühere Kampfpilot einen Tandem-Fallschirmsprung absolviert, bei dem er an einem erfahrenen Fallschirmspringer hing. Noch zu seinem 90. Geburtstag gönnte Bush sich diesen Adrenalin-Kick. Damals litt er bereits unter einer Form von Parkinson.

CNN-Korrespondentin Jamie Gangel berichtete am Samstag, seit 2012 sei Bush immer wieder im Krankenhaus gewesen. «Er hatte diesen großen Willen zu leben.» Nach einem Aufenthalt im vergangenen Sommer habe Bush aber gesagt, er wolle nicht mehr ins Krankenhaus gehen. «Er hatte große Schmerzen. Er entschied, dass er bereit sei zu gehen.» Bei seinem Tod sei Bush von Familienangehörigen umgeben gewesen.

Das Leben von George H. W. Bush - dessen Sohn George W. Bush im Jahr 2001 Clintons Nachfolger im Präsidentenamt war - war voller Erfolge, aber nicht frei von schmerzhaften Rückschlägen. 1953 war die erst dreijährige Tochter Robin an Leukämie gestorben. Bushs Sprecher Jim McGrath verbreitete am Samstag auf Twitter einen Cartoon des Zeichners Marshall Ramsey. Das Bild zeigt, wie Bush mit seinem Avenger-Weltkriegsflugzeug auf einer Wolke gelandet ist. George H. W. Bush, die kleine Robin und Mutter Barbara fassen sich an den Händen. Barbara sagt: «Wir haben auf Dich gewartet.»

Veröffentlicht am:
02. 12. 2018
08:31 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 12. 2018
08:31 Uhr



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