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Hintergründe

Der Unionsfraktionschef und sein Herausforderer

Die Unionsfraktion wählt ihren Fraktionsvorsitzenden. Amtsinhaber Volker Kauder hat erstmals einen Herausforderer: Ralph Brinkhaus. Die Wahl ist auch ein Signal für den Rückhalt von Kanzlerin Angela Merkel in der Fraktion. Hier die Kurzporträts der Kontrahenten.



Volker Kauder und Ralph Brinkhaus
Die beiden Kontrahenten: Volker Kauder, Unions-Fraktionsvorsitzender, und Ralph Brinkhaus, CDU-Bundestagsabgeordneter und Unions-Vize-Fraktionsvorsitzender.   Foto: Sven Hoppe/Kay Nietfeld

Moderator und Blitzableiter Merkels: Volker Kauder

Er steht seit dem ersten Tag an der Seite der Kanzlerin: So lange Angela Merkel schon das Land regiert, hält Volker Kauder (69) die Unionsbundestagsfraktion zusammen. Finanz- und Griechenlandkrise, der Atomausstieg, das Rumoren durch den starken Flüchtlingszuzug: Kauder hat immer wieder schwierige Lagen meistern und Mehrheiten für Merkel organisieren müssen. Seit 13 Jahren führt der Baden-Württemberger die Abgeordneten von CDU/CSU, so lange wie niemand zuvor.

Seit 1990 ist Kauder Mitglied des Bundestags. Von 1991 bis 2005 war er Generalsekretär der CDU in Baden-Württemberg, von 2002 bis 2005 Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion unter der Vorsitzenden Angela Merkel. Als sie 2005 in das Kanzleramt einzog, wurde Kauder Fraktionschef. Ihr Verhältnis gilt als vertrauensvoll. Kauder ist kein Mann der lauten Töne, gilt als loyal, zuhörend.

Ein besonders gutes Verhältnis hatte er zu seinem SPD-Pendant Peter Struck. Als der im Dezember 2012 starb, war er schwer getroffen. «Peter Struck ist in der Zeit der großen Koalition zu einem verlässlichen Freund und Wegbegleiter geworden», sagt Kauder. Heute muss Kauder mit Andrea Nahles die Koalition im Bundestag zusammenhalten - und Mehrheiten für die dritte große Koalition unter Merkel organisieren. Keine leichte Aufgabe angesichts einer veränderten Parteienlandschaft im Bundestag, gerade auch durch den Einzug der AfD.

Der CDU-Mann Kauder wurde zuletzt zunehmend zum Blitzableiter für den Unmut, der sich in der Fraktion auch gegen die Kanzlerin aufgestaut hat. Im Asylstreit mit der CSU kam es im vergangenen Sommer zu getrennten Sitzungen der Abgeordneten der Schwesterparteien - ein Novum.

Nach der Bundestagswahl 2013, als die Union fast die absolute Mehrheit geholt hatte, wurde Kauder noch mit 97,4 Prozent im Amt bestätigt, sein bislang bestes Ergebnis. Aber schon bei der Wahl im vergangenen Jahr gab es für den Fraktionschef nur noch eine Zustimmung von 77,3 Prozent - ohne Gegenkandidaten. Dieses Mal gibt es einen Herausforderer: Ralph Brinkhaus.

«Revoluzzer» aus Westfalen: Brinkhaus will neuen Schwung

Für wen das Herz von Ralph Brinkhaus schlägt, zeigt schon ein flüchtiger Blick auf seinen Schreibtisch. Da steht ein weißer Keramik-Geißbock. Der Westfale ist auch Mitglied im 1. FC Köln Fanclub des Bundestags, der «Koalition Rut-Wiess». 1968 in Rheda-Wiedenbrück geboren, wagt Brinkhaus (50) nun ein wenig die Revolution.

Er sucht die Kampfabstimmung gegen Kauder. Immerhin informierte der bisherige Stellvertreter Brinkhaus brav vorab die Kanzlerin und Kauder darüber. Und er verliert über Kauder kein böses Wort. Er ist auch nicht der Typ, der in den Hinterzimmern um Stimmen feilscht.

Aber allein schon, dass Kauder einen Gegenkandidaten hat, weist auf einen erkennbaren Unmut in der Fraktion hin - mit der Führung und auch mit der Kanzlerin. Sein Programm: Nach 13 Jahren Kauder brauche es neue Köpfe, Aufbruch, frischen Wind. «Ich kandidiere für neuen Schwung in der Fraktion, nicht gegen die Kanzlerin», betont er. Der Ausgang der Wahl wird in Indiz dafür sein, wie groß der Unmut ist.

Brinkhaus hat sich als Finanz- und Haushaltspolitiker einen Namen gemacht, leise und freundlich im Ton, durchsetzungsstark in der Sache. In die CDU kam er schon zu Schulzeiten über die Junge Union. Anfangs belächelt für seine Kandidatur, zog er westfälisch-stur das Ding durch - und ist längst mehr als nur ein krasser Außenseiter.

Er meint, man müsse viel stärker für den Zusammenhalt im Land kämpfen - aber nicht mit immer höheren Sozialleistungen. «Wir können die Gräben in der Gesellschaft nicht mit Haushaltsmitteln zuschütten.» Anders als Kauder, der sich anfangs niemals mit AfD-Politikern in eine Talkshow setzen wollte, will Brinkhaus verstärkt «mit jenen ins Gespräch kommen, die sich von uns abgewandt haben». Auch im Mittelstand gebe es immer mehr Protestwähler, «um die wir uns stärker als bisher kümmern müssen», so Brinkhaus.

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 09. 2018
09:03 Uhr

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