Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Hintergründe

Stephan Fanderl: Der deutsche «Mr. Warenhaus»

Mit einem harten Sanierungskurs hat Stephan Fanderl Karstadt nach mehr als einem Jahrzehnt voller Verluste zurück in die Gewinnzone gebracht. Jetzt wartet eine neue Aufgabe auf den 54-jährigen Manager: die Zusammenführung der Erzrivalen Karstadt und Kaufhof.



Warenhäuser
Dass die Fusion von Karstadt und Kaufhof der Königsweg ist, um die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland gegen Konkurrenz von Online-Anbietern sowie Einkaufs- und Outlet-Centern zu sichern, steht für Fanderl fest.   Foto: Marius Becker

Es ist kein offizieller Titel. Aber mit einigem Recht kann sich Stephan Fanderl ab sofort der neue deutsche «Mr. Warenhaus» nennen.

Unter seiner Führung soll der langgehegte Traum von der Deutschen Warenhaus AG - dem Zusammenschluss der ewigen Rivalen Karstadt und Kaufhof unter einem Dach - doch noch Wirklichkeit werden. Die Grundlagen dafür hat der 54 Jahre alte Manager in mühsamer Arbeit bei Karstadt gelegt.

Als der aus einer Ingolstädter Kaufmannsfamilie stammende Fanderl 2014 das Ruder bei dem Essener Unternehmen übernahm, war das wahrscheinlich der schwierigste Job, der im deutschen Einzelhandel zu vergeben war. Nach der Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor hatten sich unter dem nächsten Eigentümer, dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen, die Problem eher noch verschärft. Am Ende musste Berggruen die Karstadt Warenhaus GmbH für den symbolischen Preis von einem Euro an die Signa-Holding des österreichischen Investors René Benko verkaufen.

Fanderl - bis zu diesem Zeitpunkt Aufsichtsratschef der Warenhauskette - übernahm auf Bitte von Benko den Vorstandsvorsitz bei der ums Überleben kämpfenden Firma. Er fing an, Karstadt umzukrempeln. Dabei begann er ganz oben. Die repräsentativen Vorstandsbüros in der Zentrale wurden abgeschafft, stattdessen saßen plötzlich auch die Top-Manager im nüchternen Großraumbüro.

Gleichzeitig verordnete Fanderl der Warenhauskette eine harte Sanierung, zu der auch der Abbau zahlreicher Stellen und Filialschließungen gehörten. Bei der Gewerkschaft stieß das Vorgehen damals auf heftigen Widerstand. Die Mitarbeiter würden für die Management-Fehler der vergangenen Jahre bestraft, klagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger angesichts der von Fanderl vorangetriebenen Schließungspläne.

Der neue Chef strich aber nicht nur Stellen, er stutzte auch das Marken-Wirrwarr bei Karstadt und ließ Flächen an externe Händler vermieten. Bei der Sanierungsarbeit kam ihm zugute, dass er den Einzelhandel als Sohn eines Edeka-Händlers von Kindesbeinen an erlebt hat. «Dass er Handel kann, merken Mitarbeiter beim ersten Besuch in der Filiale», zitierte das Fachblatt «Textilwirtschaft» eine Stimme aus Fanderls Umfeld. «Der bleibt beim ersten Warenträger stehen und sagt den Mitarbeitern, wo der Fehler ist.»

Die Akribie machte sich bezahlt. Fanderl gelang, woran seine Vorgänger scheiterten. Für das Geschäftsjahr 2016/2017 wies das Unternehmen mit seinen 79 Warenhäusern erstmals seit zwölf Jahren unter dem Strich wieder einen Gewinn aus: 1,4 Millionen Euro.

«Karstadt geht es finanziell so gut wie die letzten 15 Jahre nicht mehr», sagte der Manager im Frühjahr dem «Handelsblatt». Inzwischen plant die Warenhauskette unter Fanderls Führung nach rund 30 Jahren sogar wieder die Eröffnung zweier neuer Filialen in Berlin.

Der Erfolg wirkt umso beeindruckender, weil der lange Zeit deutlich erfolgreichere Konkurrent Kaufhof gleichzeitig unter dem neuen kanadischen Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) in die roten Zahlen rutschte und auch dort ein erheblicher Sanierungsbedarf deutlich wurde. Ein Problem, das jetzt Fanderl lösen muss.

Dass die Fusion von Karstadt und Kaufhof der Königsweg ist, um die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland gegen Konkurrenz von Online-Anbietern wie Amazon, Billigketten wie Primark sowie Einkaufs- und Outlet-Centern zu sichern, steht für Fanderl fest. Immer wieder betonte er in den vergangenen Monaten: «Die industrielle Logik in diesem Geschäft hat sich seit Jahren nicht verändert. Sie spricht für ein einziges Warenhaus-Unternehmen in Deutschland.»

Nun muss er beweisen, dass der Zusammenschluss der Warenhaus-Konzerne wirklich neue Kräfte freisetzen kann. Viele Mitarbeiter dürften allerdings mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blicken. Schließlich hat «Mr. Warenhaus» schon bei Karstadt bewiesen, dass er auch zu harten Einschnitten bereit ist, wenn er sie für nötig hält.

Veröffentlicht am:
11. 09. 2018
13:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amazon Arcandor Einzelhandel Filialschließung Gewinnzone Karstadt Karstadt Warenhaus GmbH Kaufhof Warenhaus AG Managerinnen und Manager Nicolas Berggruen Sanierungsarbeiten Schäden und Verluste Topmanager Vorstandsvorsitzende Warenhausketten Warenhäuser
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Karstadt und Kaufhof

11.09.2018

Karstadt und Kaufhof: ein Konkurrenzkampf in acht Kapiteln

Kaufhof und Karstadt setzen ihren Weg gemeinsam fort. Dass die traditionsreichen Kaufhäuser unter ein Dach kommen, ist der vorläufige Schlusspunkt einer wechselvollen Rivalität. » mehr

Karstadt und Kaufhof

09.11.2018

Auch der neue Warenhausriese steht vor Herausforderungen

Der Weg ist frei für den Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof. Doch der neue Warenhausriese steht vor großen Herausforderungen. Und der Ausgang des Experiments wird auch über die Attraktivität vieler Innenstädte ents... » mehr

Christian Sewing

17.03.2019

Ex-Azubi mit Jägermentalität: Deutsche-Bank-Chef Sewing

Führungsstärke» und «Durchsetzungskraft» - die Erwartungen an Christian Sewing sind groß, als der Aufsichtsrat den damals 47-Jährigen im April 2018 auf den Chefsessel des größten deutschen Geldhauses befördert. » mehr

Musical «Glöckner von Notre Dame»

17.04.2019

Großbrand macht «Glöckner von Notre-Dame» zum Bestseller

Ein Buch aus dem Jahr 1831 wird quasi über Nacht zum Verkaufsschlager in Frankreich. «Der Glöckner von Notre Dame» soll nun dazu beitragen, die Brandschäden der Kathedrale zu reparieren. » mehr

Paketzustellung

06.03.2019

Boom mit Problemen: Paketbranche feilt an «letzter Meile»

Drei Mal warf ein Hermes-Bote ein Paket nach oben. Erst beim dritten Versuch landete es auf dem Balkon des Adressaten. Das Video war ein Twitter-Hit, danach verlor der Bote seinen Job. Einzelfall oder passendes Beispiel ... » mehr

Tageszeitungen an einem Kiosk in Paris

16.04.2019

Presseecho zum Brand von Notre-Dame in Paris

Der Schrecken über das Großfeuer in Paris reicht weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. Viele ausländische Zeitungen kommentieren die Zerstörungen der Kathedrale Notre Dame de Paris. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

mt-svw-brunnen001.jpg Meiningen

Schlossbrunnen Meiningen | 25.04.2019 Meiningen
» 15 Bilder ansehen

Brand Saaldorf Saaldorf

Löscheinsatz Saaldorf | 25.04.2019 Saaldorf
» 11 Bilder ansehen

Waldbrand Plaue Plaue

Waldbrand Plaue | 24.04.2019 Plaue
» 59 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 09. 2018
13:09 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".