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Hintergründe

Willkommen in der Ära «Söderhofer»

Das Werk ist vollbracht. Nach einem Jahr mit einer historischen Wahlpleite, Intrigen und Streit schließt die CSU wieder ihre Reihen. Eine gewagte Tandemlösung soll 2018 alles besser machen.



Parteitagsharmonie
Der Machtkampf ist vorüber: CSU-Chef Horst Seehofer und Markus Söder demonstrieren neue Einigkeit. Foto: Sven Hoppe   Foto: dpa

Die neue Ära der CSU beginnt an einem Samstagmittag im Advent in Nürnberg: Horst Seehofer und Markus Söder recken freudig strahlend ihre Hände in die Höhe. Es ist das Bild des Tages.

Und es soll vor allem eines symbolisieren: In der ab sofort wieder geschlossenen CSU haben jetzt zwei starke Männer das Sagen - der erfahrene Seehofer als Parteichef, der 50-jährige Söder als Spitzenkandidat und ab Anfang 2018 auch als Ministerpräsident.

Die neue Ära beendet Seehofers zehnjährige Alleinherrschaft. Und nicht nur das: Sie ist der Startpunkt in einem Generationenwechsel, bei dem Seehofers Macht schrittweise ausgerechnet auf jenen Mann übergeht, mit dem ihm seit Jahren eine innige Rivalität verbindet, und der knapp zwei Stunden später mit allergrößter Mehrheit und großen Applaus zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im nächsten Jahr gekürt wird: Markus Söder. In spätestens zwei Jahren wird sich zeigen, ob der Franke dann auch nach dem Parteivorsitz greift.

Für Seehofer ist es aber nur ein Teilabschied - als Parteichef wird er der CSU im neuen Führungstandem zunächst erhalten bleiben. 83,7 Prozent der Delegierten stimmen für seine Wiederwahl. Es ist sein schlechtestes Ergebnis und zugleich ein Beispiel für das, was in der CSU gerne als «kollektive Intelligenz» beschworen wird. Wenn es wirklich drauf ankommt, steht die Partei geschlossen zusammen.

So erwartet die Ankündigung seines Teilabschieds auch ist, im weiten Rund des Parteitags bleibt es zu Beginn von Seehofers historischer Rede überraschend ruhig. So still, dass der 68-Jährige kurzerhand gar selbst um Applaus bittet. Knapp eine Stunde später ist das nicht mehr nötig. Stehend, «Bravo, Bravo» rufend und mit anhaltendem Applaus feiern die CSU-Delegierten Seehofer für eine der schwersten Reden und Entscheidungen: «Ich weiß, das der Wandel zur Demokratie gehört. Wenn es einen selbst betrifft, ist ein wenig Wehmut dabei.»

Damit kein Missverständnis aufkommt: Seehofer hat sein Opfer nicht freiwillig gebracht, es ist auch nicht jener organische Übergang der Macht, von dem er in den letzten Jahren so oft gesprochen hat. Es ist vielmehr der Endpunkt in einem langen Machtkampf, der - auch laut Söder - die CSU «ganz schön durchgeschüttelt hat».

Ausgehend von der historischen Pleite bei der Bundestagswahl vor knapp drei Monaten über zahllose Rücktrittsforderungen und stetig sinkende Umfragewerte unter die 40-Prozent-Marke sowie Anfeindungen bis hin zu jenem Gegenkandidaten, der am Ende zu stark war, um verhindert werden zu können: Markus Söder.

In Seehofers Rückbetrachtung klingt das Verhältnis der beiden Alphatiere etwas anders: Letztlich seien alle Streitereien und gegenseitigen Anfeindungen «nichts anderes als der Effekt einer Knallerbse. Also Kleinigkeiten, die unsere Arbeit in keiner Weise beeinträchtigt haben.» Bemerkenswert für einen Zwist, der aus Sicht der ganzen Partei lange die Kraft hatte, die CSU zu zerreißen.

Doch all das soll jetzt vorbei sein. Seehofer will sich nicht mehr über Vergangenes ärgern, will nicht nachkarten. Stattdessen zeigt er sich dankbar, dafür, dass er in seiner 46-jährigen Mitgliedschaft in der CSU 37 Jahre in «herausgehobenen Ämtern» verbringen durfte, sagt er. Und er wolle der Partei nun auch was zurückgeben, «mithelfen, dass die Landtagswahl 2018 zum großen Erfolg für die CSU wird». Zudem erwartet die CSU von ihm die Durchsetzung der Parteiinteressen bei den Sondierungen mit der SPD. «Ich werde nichts vereinbaren, was unseren Landtagswahlkampf erschwert oder gar beschädigt.»

Wie Seehofer ist auch Söder in seiner Grundsatzrede um versöhnliche Töne bemüht. Er zollt Seehofer für seine Arbeit Respekt, spricht von Demut und Mut, von Teamleistung und Geschlossenheit. Seine Worte fallen ihm leicht, immerhin ist er am Ziel seiner Karriere angelangt. «Es ist mir eine große Ehre für die CSU zu arbeiten und dem stolzen Land Bayern zu dienen. Ich bitte um eine faire Chance.»

Und auch seinen vielen Kritikern in der CSU reicht er sogleich die Hand: «Es gibt keinen fränkischen, keinen oberbayerischen, keinen oberpfälzer, keinen schwäbischen oder niederbayerischen Ministerpräsidenten, es gibt nur einen bayerischen Ministerpräsidenten, der für ganz Bayern da ist. (...) Heute endet nix, heute beginnt eine neue Etappe.»

Doch Söder wäre nicht Söder und wohl auch nicht an dieser Stelle, wenn er nicht auch die Abteilung Attacke bedient: Insbesondere der AfD, die als demokratisch legitimierte Partei rechts der CSU längst das Dogma von Franz Josef Strauß ins Wanken gebracht hat, sagt er wiederholt den Kampf an. Söder verspricht einen Wahlkampf, der auch allen Protestwählern wieder eine Rückkehr ins CSU-Lager ermöglicht. «Uns muss nicht bange sein vor 2018», ruft er den begeisterten Zuhörern zu. Die CSU werde um die absolute Mehrheit kämpfen, er selbst sich dafür zerreißen.

Zu keinem Zeitpunkt des zweitägigen Parteitages war die Stimmung besser als bei Söders großer Rede. Weder Seehofer hatte es zuvor geschafft, die Masse so zu begeistern, noch Kanzlerin Angela Merkel. Dabei streichelte die CDU-Chefin, mit der die CSU mal mehr, mal weniger fremdelt, mit salbungsvollen Worten, einer Prise Humor und einem breiten Grinsen die CSU-Seele. Nach dem Weihnachtsfrieden wird sich spätestens zeigen, was all die Bekundungen wert sind - für die Union, die CSU und die Ära Söderhofer.

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Von Marco Hadem, Christoph Trost und Jörg Blank
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Veröffentlicht am:
16. 12. 2017
16:05 Uhr

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16. 12. 2017
16:05 Uhr



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