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Missbrauchskomplex mit vernetzten Strukturen

Der Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach nimmt immer größere Dimensionen an. Mit jeder Durchsuchung wächst die ohnehin schon riesige Datenmenge, die die Ermittler auswerten müssen - und die sie auf wieder neue Spuren bringt.



Missbrauchsfall Bergisch Gladbach
Im Oktober 2019 fand die Polizei bei einem Familienvater in Bergisch Gladbach Tausende Bilder und Videos.   Foto: Federico Gambarini/dpa

Mehr als 1000 Polizisten durchsuchen zeitgleich Wohnungen in zwölf Bundesländern - und beschlagnahmen massenweise Handys, Laptops und Datenträger, auf denen Kinderpornos vermutet werden.

Bei der jüngsten Razzia im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat die Polizei mehr als 2000 Beweismittel sichergestellt. Die Auswertung werde viel Zeit einnehmen, sagte Ermittlungsleiter Michael Esser am Mittwoch in Köln.

Verhaftet worden sei niemand. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Beschuldigten selbst Kinder missbraucht hätten, sagte Esser. Bei den Razzien am Dienstag hatten die Ermittler 50 Tatverdächtige - 48 Männer und 2 Frauen - im Visier. Ihnen würden der Besitz und die Verbreitung kinderpornografischen Materials vorgeworfen.

Die Beamten - darunter auch Spezialkräfte - durchsuchten insgesamt 60 Objekte in Brandenburg, Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die meisten Einsätze gab es laut Esser in Bayern, wo die Polizei an 15 Orten gegen 13 Tatverdächtige vorging. In NRW richteten sich die Durchsuchungen gegen 9 Verdächtige in den Großräumen Köln, Bonn, Düsseldorf und Recklinghausen. Die Aktion vom Dienstag sei die bisher größte der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) «Berg» gewesen, die den Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach untersucht.

«Wir geben den Kampf gegen Pädokriminelle nicht auf», betonte Esser. Die Ermittler setzten immer mehr Puzzleteile zusammen, um Kinder aus den Fängen ihrer Peiniger zu retten und die Täter dingfest zu machen. Niemand, der Missbrauch begehe oder an Bildern davon Gefallen finde, solle noch ruhig schlafen können.

Der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) bei der Kölner Staatsanwaltschaft, Markus Hartmann, sprach von einem «neuen Deliktbild». Es handele sich um «vernetzte Strukturen» im Internet und in sozialen Medien, bei denen die Beteiligten «in Kommunikationsbeziehungen zu den Themen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie eintreten». Ein derart großer, überregional koordinierter Einsatz wie am Dienstag sei zwar sehr personalaufwendig. «Es ist aber bei einer umfassenden Betrachtung des Deliktphänomens der einzig zielführende Ansatz.»

Auf die Spur der 50 neuen Verdächtigen kam die Polizei nach den Worten von Esser durch Chats in einem Messengerdienst, in dem Personen kinderpornografisches Material austauschten. Auf richterlichen Beschluss hin habe der Betreiber des Dienstes der Polizei Daten zur Verfügung gestellt. «In kriminalistischer Kleinarbeit» sei es den Ermittlern dann gelungen, den Pseudonymen echte Namen zuzuordnen.

Insgesamt gibt es in dem Missbrauchskomplex deutschlandweit inzwischen mehr als 200 identifizierte Beschuldigte. Es gab bereits erste Urteile. Vor dem Kölner Landgericht begann kürzlich auch der Prozess gegen einen 43-Jährigen aus Bergisch Gladbach, bei dem der gesamte Fall seinen Ausgang genommen hatte. Im Haus des Familienvaters hatten Ermittler im vergangenen Oktober Unmengen kinderpornografischer Daten gefunden.

© dpa-infocom, dpa:200902-99-396046/5

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Veröffentlicht am:
02. 09. 2020
23:54 Uhr

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02. 09. 2020
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