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Seltener und später: Mütter beim ersten Kind 30,1 Jahre alt

In Deutschland wurden zuletzt etwas weniger Kinder zur Welt gebracht. Zugleich bekommen Frauen ihr erstes Kind immer später im Leben. Was sind die Ursachen? Gibt es regionale Unterschiede? Und wo steht Deutschland im europäischen Vergleich?



Ein Baby hält sich an der Hand einer Erwachsenen fest
Frauen in Deutschland bekommen später und seltener Kinder.   Foto: Fabian Strauch/dpa/Archivbild

Frauen sind in Deutschland bei der Geburt des ersten Kindes zunehmend älter. Im vergangenen Jahr bekamen Mütter ihr erstes Baby im Durchschnitt mit 30,1 Jahren, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Zehn Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 28,8 Jahren.

«Das Erstgeburtsalter steigt kontinuierlich. Das ist ein eindeutiger Trend, der sich immer dynamischer entwickelt», sagte Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB).

Ein Grund sei, dass sich auch der Berufseintritt nach hintern verschiebe. «Kinderwünsche werden oft erst dann angegangen, wenn beide beruflich Fuß gefasst haben.» Besonders deutlich werde das bei Akademikerinnen: Nach Angaben Bujards sind diese bei der ersten Geburt im Schnitt 32 Jahre alt. Dazu komme, dass mehr als die Hälfte mit 35 Jahren noch kinderlos sei. «Leider wird eine frühe Elternschaft immer noch häufig auf dem Arbeitsmarkt bestraft.»

Bujard zufolge nimmt vor allem bei Frauen im Alter zwischen 35 und 40 Jahren die Anzahl der Erstgeburten zu. In den 1970er Jahren waren die Werte noch völlig anderes: Damals waren die westdeutschen Frauen bei der Geburt des ersten Kindes im Durchschnitt noch 25 Jahre alt, in der DDR sogar nur 22 Jahre. «Früher waren Frauen, die mit über 40 Jahren ihr erstes Kind bekommen haben, die absolute Ausnahme. Inzwischen kommt das ab und zu vor.»

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern: Laut Statistik waren die Frauen in Sachsen-Anhalt bei der ersten Geburt mit 28,9 Jahren am jüngsten. Hamburger Mütter waren mit 31,2 Jahre am ältesten. «Das ist der Großstadteffekt, wo sich viele Akademikerinnen sammeln. Ähnliche Werte gibt es in Stuttgart, Frankfurt oder auch in Universitätsstädten wie Heidelberg», so Bujard. Und: Auch wenn sich der Osten schon sehr an den Westen angeglichen habe, seien die Zahlen dort vielerorts noch etwas niedriger.

Und wie steht es generell um die Geburtszahlen in Deutschland? Nach Angaben der Statistiker wurden 2019 rund 778 100 Babys geboren, etwa 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau lag bei 1,54 Kindern, 2018 waren es noch 1,57. Diese Geburtenrate nahm laut Statistik in 14 von 16 Bundesländern ab. Lediglich in Bayern (1,55) und Bremen (1,60) blieb sie unverändert auf dem Vorjahresniveau.

«In den kleinen Rückgängen bei den absoluten Zahlen und bei der Geburtenrate sehe ich keinen Trend, sondern eher eine Seitwärtsbewegung», sagte Bujard. Und tatsächlich lag die Geburtenrate auch schon mal deutlich niedriger: 1994 bekamen die Frauen in Deutschland durchschnittlich 1,24 Kinder.

Doch was hilft, damit die Zahl der Geburten wieder steigt oder zumindest nicht weiter rückläufig ist? «Das ist keine neue Botschaft, aber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt wichtig», sagt Jessica Nisén vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung. Potenzielle Eltern müssten sich auf eine finanzierbare und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung verlassen können. Dass solche Konzepte wirken könnten, habe sich etwa in den nordeuropäischen Ländern gezeigt.

Im EU-weiten Vergleich lag Deutschland zuletzt im Mittelfeld. Nach Zahlen des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) für 2018 wurde in Frankreich mit 1,88 Kindern je Frau die höchste Geburtenrate registriert, gefolgt von Schweden (1,76), die niedrigste mit 1,23 auf Malta. Deutschland lag mit 1,57 auf Platz 13. Und was das Alter der Frauen beim ersten Kind betrifft, waren die Mütter im Italien mit 31,2 Jahren am ältesten und in Bulgarien mit 26,2 Jahren am jüngsten.

© dpa-infocom, dpa:200729-99-962781/6

Veröffentlicht am:
29. 07. 2020
14:44 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
29. 07. 2020
14:44 Uhr



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