Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Topthemen

Geld zurück oder Gutschein? - Wie Veranstalter reagieren

Verreisen, im Abendkurs eine neue Sprache lernen, am Wochenende den Fußball-Club anfeuern - das kann man alles vergessen in der Corona-Krise. Doch was, wenn schon Geld geflossen ist?



Geschlossenes Fitnessstudio
In vielen Fitnessstudios und bei anderen nicht lieferbaren Dienstleistungen erhalten Kunden Gutscheine.   Foto: Jonas Walzberg/dpa

Wenn Kurse oder Veranstaltungen wegen der Corona-Krise ausfallen, sollen Verbraucher nach dem Willen der Bundesregierung mit Gutscheinen entschädigt werden. Das soll Betreiber vor hohen Rückzahlungen und möglichen Insolvenzen bewahren.

Doch die Regelung ist im Bundestag noch lange nicht beschlossen. Am Mittwoch kritisierte die Opposition, die Verbraucher würden so zu zinslosen Krediten an die Veranstalter gezwungen. Die Regierungsfraktionen zeigten sich offen für Änderungen: Die Gutscheine könnten auf andere Personen übertragbar sein und gegen Insolvenz der Veranstalter abgesichert werden. Bis aus der Idee Gesetz wird, wird es also noch dauern. Viele Anbieter können und wollen so lange nicht warten. Welche Lösungen sie gefunden haben:

FITNESSSTUDIOS

Trainieren im Fitnessstudio wird auf absehbare Zeit nicht möglich sein, die Studios müssen ihre Mitarbeiter aber trotzdem bezahlen - zumindest, wenn diese fest angestellt und keine freien Trainer sind. Vor allem die großen Ketten wie McFit und Fitness First bieten ihren Mitgliedern deshalb an, die Zeit der Schließung an die normale Vertragslaufzeit anzuhängen und währenddessen beitragsfrei zu trainieren. Bei einigen kann man stattdessen auch Trainingsgutscheine für Freunde, Personal Trainings oder andere besondere Leistungen bekommen. Wer die Angebote nicht annehmen will, weil er selbst gerade knapp bei Kasse ist, kann sich in der Regel an die Studiobetreiber wenden und das Geld zurückfordern.

KONZERTE & KULTUR

Viele Künstler müssen sich gerade mit Wohnzimmerkonzerten begnügen, weil ihre Touren abgesagt wurden. Doch ein Livemusik-Stream über Instagram kann ein Konzerterlebnis natürlich kaum ersetzen. Statt Konzerttickets zu erstatten, setzen viele Musiker deshalb auf Nachholtermine - und hoffen, dass die echten Fans auch ein paar Monate später noch kommen wollen. Verbraucherschützer weisen allerdings darauf hin, dass die Fans den neuen Termin nicht akzeptieren müssen, wenn er ihnen nicht passt.

Jetzt schon Rückerstattungen zu bekommen, ist oft schwierig. «Die Tickets behalten weiterhin ihre Gültigkeit», betont etwa Veranstalter Semmel Concerts. Auch der Ticketvermittler Eventim zahlt erst einmal nichts zurück. «Echte Fans verschieben statt zu stornieren», schreibt er auf seiner Internetseite. Man warte ab, bis das Gutschein-Gesetz den Bundestag passiert habe.

Bei Opern und Theatern sind etwa Abonnenten betroffen. Dort können auch Verlängerungen für die kommende Saison die Lage entspannen.

FUSSBALL

Für möglicherweise ausfallende Spiele oder Partien ohne Stadionbesucher setzen die Bundesliga-Clubs auf unterschiedliche Modelle. Die häufigsten Optionen, aus denen die Anhänger wählen können: Die Fans erhalten ihr Geld zurück oder können auf die Rückerstattung verzichten, um den Verein zu unterstützen. Verzichten die Fans auf Geld, erhalten sie häufig etwas dafür - beispielsweise Gutscheine oder ein Trikot. Viele Vereine bieten den Anhängern auch an, Ticketgelder an gemeinnützige Organisationen oder Projekte zu spenden.

PAUSCHALREISEN

Eigentlich ist bei abgesagten Pauschalreisen eine Erstattung spätestens nach 14 Tagen Pflicht, viele Veranstalter warteten zuletzt aber erst einmal ab. Inzwischen aber haben etwa Alltours und Schauinsland-Reisen mit der Rückzahlung begonnen. Man habe sich entschieden, «dass wir die Geduld und das Verständnis unserer Kunden nicht länger auf die Probe stellen können», begründete etwa Schauinsland-Reisen die Entscheidung. Andere Veranstalter wie Tui und DER Touristik lassen den Kunden die Wahl zwischen Gutschein plus Bonus oder Rückzahlung. Dabei sind sie derzeit aber auf die Kulanz der Kunden angewiesen.

Auch hier hätte die Bundesregierung gern eine Gutschein-Lösung - darf das jedoch nicht allein entscheiden. Zuständig ist die EU-Kommission. Der Deutsche Reiseverband kritisiert, dass diese derzeit keine Gutschein-Lösung zulässt. Zwölf EU-Mitgliedstaaten hätten deshalb bereits im Alleingang nationale Regelungen auf den Weg gebracht. Die deutschen Reiseveranstalter gerieten dadurch immer mehr ins Hintertreffen, auch erste Insolvenzen habe es wegen der Corona-Pandemie schon gegeben.

UND SONST?

Die von der Bundesregierung geplante Gutschein-Lösung kommt auch auf Menschen zu, die eine Dauerkarte etwa fürs Schwimmbad haben. Auch wer sich für einen Kurs bei der Volkshochschule angemeldet hat, eine neue Sprache oder ein Instrument lernen will, muss sich wohl vertrösten lassen - es sei denn, man einigt sich auf Unterricht per Internet.

Veröffentlicht am:
22. 04. 2020
20:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alltours Flugreisen GmbH DER Touristik Deutscher Bundestag Europäische Kommission Fitness-Studios Fußballvereine Karten (Tickets) Konzertkarten Konzerttickets Kunden McFit Musiker Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Reiseveranstalter Stadionbesucher
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Urlaubssaison

15.06.2020

Reisefreiheit mit Einschränkungen

Ob ans Meer in Kroatien oder in die österreichischen Berge: Die Bundesregierung hat die Aufhebung der weltweiten Reisewarnung für viele europäische Länder vom 15. Juni an beschlossen. Urlauber und Tourismusbranche können... » mehr

Strand auf Mallorca

09.06.2020

Mallorca will erste deutsche Urlauber ab Montag empfangen

Die Corona-Krise hat Spaniens Tourismusbranche ausgebremst. Jetzt will Europas wichtigstes Urlaubsland die Öffnung wagen. Bei einem Pilotprojekt soll das geübt werden - zunächst nur mit Deutschen. » mehr

Flaggen

01.07.2020

Deutschland startet im EU-Vorsitz

Die Corona-Krise hält die Welt weiter in Atem. Nun schlüpft Deutschland in die Rolle des Konfliktlösers und Vermittlers. Es warten große Aufgaben. » mehr

Lufthansa-Maschinen

21.05.2020

Ringen um Staatshilfen für Lufthansa kurz vor dem Ziel

Es geht um viel Steuergeld. Die Bundesregierung will die Lufthansa mit Milliardenhilfen stützen. Die Airline ist in der Corona-Krise schwer unter Druck geraten. Nach langen Verhandlungen wird bald ein Ergebnis erwartet. ... » mehr

Lufthansa

20.05.2020

Entscheidung über Lufthansa-Rettungspaket steht kurz bevor

Seit Wochen wird verhandelt, nun sei in «Kürze» mit einer Entscheidung zu rechnen, sagt Kanzlerin Merkel. Es geht um milliardenschwere Staatshilfen für die in der Corona-Krise angeschlagene Lufthansa. » mehr

Umstrittene Käufe

05.05.2020

Verfassungsrichter setzen EZB bei Anleihenkäufen Grenzen

Mit Billionen kämpfen Europas Währungshüter gegen Konjunkturflaute und niedrige Inflation. Jetzt zieht das Bundesverfassungsgericht Grenzen und geht damit auch auf Konfrontationskurs zu Europas oberstem Gericht. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall Motorrad Waffenrod Waffenrod

Motorradunfall Waffenrod | 13.07.2020 Waffenrod
» 6 Bilder ansehen

Bad Salzungen

Gesuchte Männer | 13.07.2020 Bad Salzungen
» 5 Bilder ansehen

city skyliner weimar Weimar

City Skyliner in Weimar | 12.07.2020 Weimar
» 12 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
22. 04. 2020
20:15 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.