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Corona-Szenarien: Innenministerium für viel mehr Tests

Das Krisenkabinett entscheidet. Dennoch entwickelt natürlich auch jedes der beteiligten Ministerien seine eigenen Ideen. Einige davon sind jetzt aus dem Innenministerium durchgesickert. Hier denkt man, mehr Menschen sollten auf das Coronavirus getestet werden.



Corona-Abstrichzentrum
Ein Mitarbeiter hält in einem Corona-Abstrichzentrum einen Abstrich in der Hand.   Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat Wissenschaftler untersuchen lassen, wie bestimmte staatliche Maßnahmen das Tempo der Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland beeinflussen würden.

In dem Arbeitspapier werde festgehalten, wie sich die aktuelle Situation auf die innere Sicherheit auswirken könnte, «welche unterschiedlichen Verläufe sind hier denkbar», sagte Ministeriumssprecher Steve Alter am Freitag in Berlin.

In dem Papier wird nach dpa-Informationen unter anderem vorgeschlagen, nach dem Vorbild Südkoreas mit massiv ausgeweiteten Tests und dem Einsatz von Handy-Ortung eine stärkere Trennung von Menschen, die bereits infiziert wurden, und solchen, die sich noch nicht angesteckt haben, zu erreichen. Außerdem wirbt das Innenministerium als Konsequenz aus den Berechnungen und Überlegungen für noch strengere Einreisebeschränkungen und -vorschriften.

Dazu gehören weitere Einschränkungen für Saisonarbeiter und eine bundesweit geltende 14-tägige Quarantäne für Deutsche, die aus Nicht-EU-Staaten einreisen. Mit diesen Vorschlägen konnte sich Seehofer im Corona-Krisenkabinett allerdings bisher nicht durchsetzen.

Laut «Spiegel», NDR, WDR und «Süddeutscher Zeitung» spielen die Experten im dem vertraulichen Papier mit dem Titel «Wie wir Covid-19 unter Kontrolle bekommen» ein Szenario durch, in dem vom 6. April an 50.000 Tests pro Tag möglich sind, vom 13. April an 100.000 und Ende April dann 200.000. Die bisherige Methode nach dem Motto «Wir testen, um die Lage zu bestätigen» müsse abgelöst werden durch den Ansatz «Wir testen, um vor die Lage zu kommen».

Die Wissenschaftler gehen den Berichten zufolge in diesem positivsten Szenario davon aus, dass sich rund eine Million Menschen infizieren und etwa 12.000 sterben würden. Das strenge Vorgehen müsste zwei Monate durchgehalten werden. Danach «müsste weiterhin kontinuierlich hohe Wachsamkeit bestehen bleiben», weil die Bevölkerung nur zu einem geringen Teil gegen das Virus immunisiert wäre.

Minister Seehofer sagte dem «Spiegel», er sei «entschiedener Anhänger der Suppression», also von strikten Maßnahmen, «auch wenn dieser Weg deutlich teurer ist». «Aber er rettet am meisten Leben.»

Im schlimmsten Fall, wenn der Staat nur wenig unternimmt, rechnen die Wissenschaftler damit, dass bald 70 Prozent der Bevölkerung infiziert wären. Mehr als 80 Prozent der Menschen, die intensivmedizinische Behandlung bräuchten, müssten dann von den Krankenhäusern abgewiesen werden. Die Todeszahlen würden die Millionengrenze übersteigen.

Die Fachleute empfehlen, den Deutschen diese Gefahr mit einer Aufklärungskampagne vor Augen zu führen, wie es weiter hieß. «Um die gesellschaftlichen Durchhaltekräfte zu mobilisieren, ist das Verschweigen des Worst Case keine Option», steht den Berichten zufolge in dem Papier, das vor rund einer Woche unter Federführung von Staatssekretär Markus Kerber entstanden war.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 03. 2020
17:02 Uhr

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dpa

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27. 03. 2020
17:02 Uhr



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