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Waffenruhe in Idlib geht in den zweiten Tag

Fast eine Million Menschen sind im Nordwesten Syriens auf der Flucht. Die humanitäre Lage ist dramatisch. Am ersten Tag hat die Waffenruhe für Idlib weitgehend gehalten. Doch die Rebellen trauen ihr nicht.



Konflikt in Syrien
Kämpfer der Nationalen Befreiungsfront patrouillieren auf einer Straße.   Foto: Anas Alkharboutli/dpa

Nach einem Rückgang der Gewalt in dem umkämpften syrischen Rebellengebiet um die Stadt Idlib wächst vorsichtig die Hoffnung auf eine längere Feuerpause.

In der Nacht auf Samstag begann der zweite Tag einer Waffenruhe, auf die sich die Schutzmächte Russland und Türkei geeinigt hatten. Am Freitag hatte in dem Gebiet weitestgehend «gespannte Ruhe» geherrscht, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und Aktivsten berichteten. Russische und syrische Luftangriffe blieben zunächst aus.

Die Vereinbarung zwischen Kremlchef Wladimir Putin und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan war eine Reaktion auf die Eskalation in den vergangenen Wochen. Die Region ist nach fast neun Jahren Bürgerkrieg das letzte große Rebellengebiet des Landes.

Putin versprach bei einem Telefonat mit seinem syrischen Kollegen und Verbündeten Baschar al-Assad, die Übereinkunft werde zur Stabilisierung der Lage beitragen, wie der Kreml mitteilte. Assad habe das Ergebnis der Gespräche mit Erdogan begrüßt. Er habe sich auch bei Putin für seine Unterstützung «im Kampf gegen terroristische Gruppen» bedankt. Russland bezeichnet in der Regel alle Gegner Assads als Terroristen. Auch in einem Telefonat von Erdogan mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ging es unter anderem um die Lage in Idlib. Beide hätten auch darüber gesprochen, «wie den Menschen in Idlib schnellstmöglich geholfen werden kann», sagte eine Sprecherin des Bundespresseamtes in Berlin.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurde am Freitag sechs Mal gegen die Vereinbarung mit der Türkei verstoßen. Das russische Militär machte Anhänger illegal bewaffneter Gruppen für die Schüsse verantwortlich. Die Verantwortlichen sollten «bewaffnete Provokationen aufgeben», forderten die Streitkräfte. Details zu den Angriffen wurden nicht mitgeteilt. Unklar war, ob es dabei Opfer gab. Am Tag zuvor habe es noch 35 solcher Vorfälle gegeben.

Regierungstruppen hatten im vergangenen Jahr eine Offensive begonnen. Zuletzt konnten sie wichtige Geländegewinne erzielen. Dabei kam es auch zu blutigen Zusammenstößen mit der türkischen Armee, die mit den Rebellen verbündet ist und dort eigenen Soldaten im Einsatz hat.

Durch die Eskalation hat sich die humanitäre Lage dramatisch zugespitzt. Nach UN-Angaben sind seit Dezember fast eine Million Menschen vor Angriffen, Kämpfen und den heranrückenden Truppen der Regierung in Richtung türkischer Grenze geflohen. Hilfsorganisationen sind nicht mehr in der Lage, sie mit dem Nötigsten zu versorgen. Es fehlt an Nahrung, Unterkünften, Heizmaterial und medizinischer Versorgung. Kaltes und nasses Winterwetter verschärft die Lage.

Das Abkommen zwischen Putin und Erdogan sieht auch einen «Schutzkorridor» entlang der wichtigen Schnellstraße M4 vor, die durch das Rebellengebiet führt. Die russische und türkische Armee wollen dort vom 15. März an gemeinsam patrouillieren. Rebellen bewerteten die Einigung jedoch skeptisch. Schon früher waren Waffenruhen für Idlib vereinbart worden, die jedoch scheiterten.

Die EU rief die Türkei und Russland dazu auf, ungehinderten Zugang humanitärer Hilfe zu der Region zu gewährleisten. Zudem müssten alle Beteiligten dafür sorgen, dass die Waffenruhe halte und die Zivilbevölkerung geschützt werde, hieß es am Freitag nach einem Syrien-Krisentreffen der EU-Außenminister in Zagreb. «Es sind dringende Maßnahmen erforderlich, um diese große humanitäre Krise anzugehen», sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.

«Wir haben die Einigung von Präsident Putin und Präsident Erdogan vom gestrigen Tage über einen Waffenstillstand sehr begrüßt», sagte Außenminister Heiko Maas. Diese eröffne die Chance, das «humanitäre Desaster» zu bekämpfen. Österreichs Chefdiplomat Alexander Schallenberg sprach von einem «vorsichtigen Hoffnungszeichen».

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 03. 2020
03:56 Uhr

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07. 03. 2020
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