Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Topthemen

Affen sterben bei Zoo-Katastrophe in Krefeld

Feuer-Drama im Krefelder Zoo: Ein Brand zerstört in der Silvesternacht das Affenhaus, viele Menschenaffen sind tot. Der Zoo-Direktor trägt Schwarz. Die Ermittler haben wegen der Brandursache einen konkreten Verdacht.



Überreste des Affenhauses
Zoodirektor Wolfgang Dreßen steht vor dem abgebrannten Affenhaus.   Foto: Christoph Reichwein/dpa » zu den Bildern

Bei einem der schwersten Zoo-Unglücke der vergangenen Jahrzehnte ist in der Nacht zu Neujahr in Krefeld ein Affenhaus ausgebrannt.

Mehr als 30 Tiere starben, darunter viele Menschenaffen. In den Flammen seien fünf Orang-Utans, zwei ältere Flachland-Gorillas, ein Schimpanse und etliche kleinere Affen ums Leben gekommen, sagte der Zoo-Direktor Wolfgang Dreßen am Mittwoch. «Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos.» Der Brand hinterließ einen Millionenschaden.

Auslöser des um 0.38 Uhr gemeldeten Feuers könnte nach Angaben der Polizei eine Himmelslaterne sein. Mehrere dieser seit 2009 in Deutschland verbotenen Leuchtkörper seien sichergestellt worden, berichtete ein Vertreter der Krefelder Kriminalpolizei. Nach einem Appell an mögliche Verursacher meldeten sich am Nachmittag mehrere Menschen bei der Polizei in Krefeld. Sie seien vernommen worden. Ihre Angaben würden überprüft, teilten die Ermittler mit.

Die Polizei ermittelt derzeit wegen fahrlässiger Brandstiftung. «Zeugen haben Fackeln in der Nähe des Zoos gesehen», sagte der Kriminalbeamte Gerd Hoppmann über Angaben aus der Silvesternacht. Sie seien «hochgefährlich» und könnten einige Kilometer weit fliegen.

Zwei Schimpansen überlebten mit leichten Verletzungen die Feuersbrunst in dem Affenhaus. Die beiden Tiere Bally und Limbo seien narkotisiert und in ein benachbartes Haus gekommen, berichtete der Zoo-Direktor, der zum Zeichen der Trauer schwarze Kleidung trug.

Unter Tränen stellten vor dem Eingang am Mittag zahlreiche Menschen Fotos von Affen auf - bis zum Nachmittag war es eine große Menge von Blumen, Kerzen und Stofftieren. Dazu platzierten Zoofreunde Schilder mit Aufschriften wie «Warum» oder «Gestorben für euer Silvestervergnügen». Die Fahnen des Zoos hingen auf halbmast. Auch Notfallseelsorger waren vor Ort. Am Neujahrstag blieb der Tierpark wegen des Unglücks geschlossen: «Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock», erklärte der Zoo und warb um Verständnis. Auch am Donnerstag werde man nicht öffnen.

Als die Feuerwehr gut eine halbe Stunde nach Mitternacht zum Gelände kam, sei das Affenhaus schon voll in Flammen gewesen, berichtete der Sprecher der Krefelder Feuerwehr, Kai Günther. Es sei so groß gewesen, «dass uns klar war, dass wir es nicht retten können».

Bei Tageslicht offenbarte sich die ganze Tragödie: Nur noch das Gerippe des im Gewächshausstil erbauten Affentropenhauses steht noch. Die Haltung von Affen soll aber weitergehen, bekräftigten Zoo-Direktor Dreßen und Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD).

Laut einer Sprecherin waren unter den toten Tieren auch kleinere Affen wie goldene Löwenäffchen und Zwergseidenäffchen sowie Flughunde und Vögel. Ein direkt angrenzendes Gehege mit weiteren Gorillas war von den Flammen verschont geblieben. Dort lebt eine junge siebenköpfige Gorillafamilie. Diese Tiere hätten am Mittwoch normal gefressen, sagte eine Mitarbeiterin.

Der vergleichsweise kleine, familienfreundliche Zoo bekam zahlreiche Botschaften via Facebook. «Ein Tag mit einer schwarzen Trauerkante!», schrieb ein Besucher und wünschte den Pflegern und Mitarbeitern eine Menge Kraft, um mit diesem schrecklichen Verlust fertig zu werden. «Wir hatten als Familie seit Jahrzehnten viele schöne Momente im Affenhaus», schrieben andere.

Der Zoo selbst hatte das Unglück auf seiner Facebookseite bekannt gemacht: «Eine unfassbare Tragödie hat uns kurz nach Mitternacht überrollt.» Es gebe bereits zahlreiche Hilfsangebote, etwa aus dem nahen Duisburger Zoo.

Der Zoo hat über 400.000 Besucher im Jahr und 75 Mitarbeiter. Dort leben fast 200 Arten und insgesamt rund 1000 Tiere, darunter so große wie Elefanten, Nashörner und Trampeltiere, aber auch Schneeleoparden und Geparde. Das Affentropenhaus wurde im Jahr 1975 eröffnet. Die Grundfläche lag bei 2000 Quadratmetern.

Einen großen Zoo-Brand, bei dem zahlreiche Tiere ums Leben kamen, gab es in Deutschland zuletzt vor rund neun Jahren in Karlsruhe. Im November 2010 war im Streichelgehege des dortigen Zoos Feuer ausgebrochen, 26 Tiere starben: Alpakas, Zwergziegen, Shetland-Ponys, Zwergesel und Schafe. Vier Elefanten des benachbarten Dickhäuter-Hauses erlitten Verbrennungen. Die Brandursache wurde nie abschließend geklärt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 01. 2020
17:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Brandstiftung Brände Debakel Ermittlerinnen und Ermittler Facebook Kriminalbeamte Kriminalpolizei Menschenaffen Polizei SPD Tiere und Tierwelt Westdeutscher Rundfunk Zerstörung Zeugen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Anteilnahme nach Brand

02.01.2020

Trauer in Krefeld: «Ich hoffe, sie sind im Affenhimmel»

Der verheerende Brand im Krefelder Zoo ist für die Polizei weitgehend aufgeklärt. Drei Frauen stellten sich den Ermittlern. Sie hatten Himmelslaternen aufsteigen lassen. » mehr

Abriss der Gartenlaube

13.06.2020

Missbrauchsfall: Polizei lässt Laube in Münster abreißen

Der Missbrauchsfall von Münster hat bundesweit Entsetzen ausgelöst. Die Ermittler suchen nach weiteren Beweisen - und nehmen dafür eine Gartenlaube als Tatort komplett auseinander. » mehr

Totes Känguru

06.01.2020

Australiens einzigartige Tierwelt leidet unter den Bränden

Hunderte Millionen Tiere sind in den seit Monaten tobenden Buschbränden verendet, Koalas sterben massenweise. Die australische Tierwelt leidet. Es ist die Stunde der freiwilligen Helfer. » mehr

Loveparade-Gedenkstelle

04.05.2020

Loveparade-Prozess eingestellt

21 Tote, 650 Verletzte: Vor knapp zehn Jahren endete die Loveparade in Duisburg in einer Katastrophe. Nun wurde das Strafverfahren eingestellt - der Mammutprozess endet ohne Urteil. » mehr

Razzien in der Fleischindustrie

23.09.2020

Razzia gegen illegale Leiharbeit in Fleischindustrie

Leiharbeit in der Fleischindustrie steht spätestens seit der Corona-Pandemie im Fokus der Öffentlichkeit. Auch Ermittlungsbehörden interessieren sich für Leiharbeitsfirmen und haben eine Großaktion wegen des Verdachts de... » mehr

Dollar-Note

21.09.2020

Banken am Geldwäsche-Pranger

Experten weisen seit Jahren auf Lücken im weltweiten Kampf gegen Geldwäsche hin. Eine neue länderübergreifende Recherche zahlreicher Medien legt einmal mehr den Finger in die Wunde. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Oldtimerteilemarkt Suhl Suhl

Oldtimer-Teilemarkt Suhl | 27.09.2020 Suhl
» 44 Bilder ansehen

Wohnungsbrand HBN Hildburghausen

Brand Hildburghausen | 27.09.2020 Hildburghausen
» 21 Bilder ansehen

Schwarzbiernacht mit Remode Suhl

Schwarzbiernacht Remode | 26.09.2020 Suhl
» 79 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 01. 2020
17:32 Uhr



^