Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Topthemen

4,5 Tonnen Kokain auf Containerschiff in Hamburg entdeckt

Das Kokain war in Sporttaschen versteckt - und zwar massenhaft. Insgesamt 4,5 Tonnen fallen dem Hamburger Zoll in die Hände. Ein «empfindlicher Schlag» gegen Drogenschmuggler, so die Beamten. Allzu euphorisch geben sie sich nicht, denn der Nachschub versiegt nicht.



4,5 Tonnen Kokain auf Containerschiff in Hamburg entdeckt
Das vor zwei Wochen entdeckte Kokain wurde unter strenger Geheimhaltung und umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen vernichtet.   Foto: Hauptzollamt Hamburg

Es ist ein Rekordfund für den Hamburger Zoll und auch bundesweit eine Riesenmenge Rauschgift: 4,5 Tonnen Kokain mit einem Straßenverkaufswert von rund einer Milliarde Euro.

Versteckt waren die Drogen auf einem vor zwei Wochen im Hamburger Hafen eingetroffenen Containerschiff. Außerdem wurde Ende Juli eine weitere, 1,5 Tonnen schwere Kokain-Lieferung gestoppt. Bei beiden Schmuggelversuchen sollten die Drogen weiter nach Antwerpen in Belgien gehen.

Beim größeren Fund entdeckten die Beamten in einem Container 211 schwarze Sporttaschen - und darin mehr als 4200 Pakete mit gepresstem Kokain, wie das Hauptzollamt am Freitag mitteilte. Diese «enorme Menge» sei das größte jemals einzeln in Deutschland sichergestellte Volumen, berichteten die Beamten. Das Kokain sei unter strenger Geheimhaltung und umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen bereits vernichtet worden. So erging es auch den 1,5 Tonnen, die in einer Tabaklieferung aus Brasilien versteckt waren. Hierüber hatte zuvor NDR Info berichtet.

Der Zoll sprach von einem erneuten «empfindlichen Schlag» gegen die internationale Rauschgiftkriminalität. Dennoch kaum Grund zum Jubeln: «Der Nachschub scheint nicht zu versiegen», sagte ein Sprecher des Hauptzollamtes. Längst wissen die Beamten, dass Zoll und Polizei nur ein Bruchteil dessen entdecken, was tatsächlich nach Deutschland transportiert wird. Wie viel Prozent die Fahnder abfangen? 3, 10 oder 20 Prozent? «Das kann man seriös nicht sagen», hatte es zum Jahreswechsel von der Zollfahndung der Hansestadt geheißen.

Der Zoll zieht Container aus dem Schiffsverkehr, wenn ihre Risikoanalyse Verdachtsmomente hergibt. Welche Route nimmt das Schiff? Was hat es anhand der Begleitdokumente geladen? Was eignet sich an Bord für Verstecke? Antworten hierauf und die Erfahrung der Beamten entscheiden über einen Stopp.

So auch beim aktuellen Spitzenfund. Die Zöllner zogen einen verdächtigen Container aus Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay, aus dem Verkehr. Als das Schiff anlegte, seien die Zollbeamten sofort an Bord gegangen, berichtete ihr Sprecher. Als sie den Container öffneten - die Fracht war als Sojabohnen deklariert -, sahen die Zöllner jedoch nur eine große Menge an schwarzen Sporttaschen. Beim Öffnen entdeckten sie dann die Koks-Pakete mit ihrem tonnenschweren Gesamtgewicht.

«Mit seiner ausgefeilten Risikoanalyse gelingt es dem Zoll, aus der enormen Anzahl an Containern, die tagtäglich den Hamburger Hafen passieren, die richtigen zu öffnen und illegale Waren herauszufischen», lobte der für den Zoll zuständige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Rolf Bösinger.

Knapp neun Millionen Standardcontainer (TEU) werden jährlich im Hamburger Hafen umgeschlagen. Hier wurden Drogen auch schon unter Bananen, in Kaffee oder wie jetzt erneut in Sporttaschen entdeckt. Sie können unterwegs von den Schmugglern notfalls schnell über Bord geworfen werden. Vergangenes Jahr wurden mehr als ein Dutzend mit Koks gefüllte Taschen (300 Kilo) aus der Elbe bei Brunsbüttel gefischt. Im aktuellen Fall wollen die Hamburger Zollfahnder nun möglichst die Auftraggeber ermitteln.

2018 hatten die Hamburger Zöllner insgesamt «nur» rund 700 Kilogramm Kokain sichergestellt, nach insgesamt vier Tonnen im Vorjahr. «Wir können nicht verlässlich alle Verstecke finden, das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich», hatte der Leiter des Hauptzollamtes Hamburg, Christian Schaade, bei der Jahresbilanz 2018 gesagt. Größter Einzelfund waren hier rund 100 Kilogramm Kokain aus Brasilien. Die Drogen waren in extra eingeschweißten Böden zweier alter VW-Busse versteckt.

Bundesweit zog der deutsche Zoll im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 3,2 Tonnen des Rauschgifts aus dem Verkehr. Diese Bilanz wird anno 2019 schon allein durch die jüngsten Schiffsfunde nach oben schnellen. Die Rekordmenge lag 2017 bei insgesamt 8,1 Tonnen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
15:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesministerium der Finanzen Drogen und Rauschgifte Drogenkriminalität Drogenschmuggler Hamburger Hafen Hauptzollämter Häfen Kokain Norddeutscher Rundfunk Polizei Schiffe Schmuggler Zollbeamte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Durchsuchungen in fünf Bundesländern

19.11.2019

«Hawala-Banking» im Visier der Behörden

In großem Stil soll eine Gruppe illegales Geld aus Deutschland ins Ausland verschoben haben. Es geht um viele Millionen Euro. Am Dienstag schlugen die Ermittler in fünf Bundesländern zu. » mehr

Angeschwemmt

01.07.2019

Rettung auf dem Meer - Die Rechtslage bei Seenot

Wenn sich Menschen in Seenot befinden, müssen sie gerettet werden. Diese Pflicht gilt für staatliche wie private Schiffe und ergibt sich laut Rechtsexperten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages aus der Traditio... » mehr

«Sea-Watch 3»

12.06.2019

Italien droht hohe Geldstrafen für Rettung von Migranten an

Exakt vor einem Jahr machte die populistische Regierung in Rom das erste Mal die Häfen Italiens für Rettungsschiffe dicht. Nun schaltet Hardliner Salvini noch einen Gang hoch und droht Rettern mit happigen Geldstrafen. D... » mehr

Coronavirus

02.05.2020

Studie: Kinder vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene

Es ist eine der großen Fragen im Zuge der Corona-Pandemie: Welche Ansteckungsgefahr geht von Kindern aus? Die Datenlage dazu ist bisher dünn und widersprüchlich - nun gibt es eine erste Analyse in Deutschland. » mehr

Coronavirus

02.04.2020

Robert Koch-Institut ändert Einschätzung zu Mundschutz

Knappes Gut, hilfreiches Accessoire oder Pflichtkleidungsstück - über Masken wird in der Corona-Krise immer wieder diskutiert. Aber was nutzen die einzelnen Maskentypen? » mehr

Corona-Abstrichzentrum

27.03.2020

Corona-Szenarien: Innenministerium für viel mehr Tests

Das Krisenkabinett entscheidet. Dennoch entwickelt natürlich auch jedes der beteiligten Ministerien seine eigenen Ideen. Einige davon sind jetzt aus dem Innenministerium durchgesickert. Hier denkt man, mehr Menschen soll... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfälle Starkregen A73 Autobahn 73

Unfälle A73 Starkregen | 15.07.2020 Autobahn 73
» 23 Bilder ansehen

Unfall Motorrad Waffenrod Waffenrod

Motorradunfall Waffenrod | 13.07.2020 Waffenrod
» 6 Bilder ansehen

Bad Salzungen

Gesuchte Männer | 13.07.2020 Bad Salzungen
» 5 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 08. 2019
15:35 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.