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Bahn sperrt ab 2019 Hauptstrecken monatelang

Die Bahn hat wegen vieler Verspätungen schon viel Ärger. Jetzt kommt es noch dicker. Vom kommenden Sommer an müssen Strecken gesperrt werden, die zu den wichtigsten Verkehrsadern gehören.



Baustelle Rheintalbahn
Die extrem stark befahrene Rheintalbahn war im vergangenen Jahr wegen abgesenkter Gleise etwa sieben Wochen lang gesperrt.   Foto: Uli Deck » zu den Bildern

Auf die Bahnreisenden kommen in den nächsten Jahren monatelange Vollsperrungen von ICE-Routen zu. Die Deutsche Bahn erneuert die 27 Jahre alten Schnellfahrstrecken Hannover-Würzburg und Mannheim-Stuttgart von Grund auf, wie das Unternehmen am Montag in Berlin mitteilte.

Das Sanierungsprojekt behindert den bundesweiten Zugverkehr in Etappen bis ins Jahr 2023 und kostet 825 Millionen Euro. Zahlreiche Fernzüge müssen umgeleitet werden, die Fahrzeiten zwischen den betroffenen Städten verlängern sich während der Bauarbeiten um 30 bis 45 Minuten.

Als erstes wird 2019 der Abschnitt Hannover-Göttingen sechs Monate lang gesperrt - vom 11. Juni bis 14. Dezember. Es folgt die Strecke Mannheim-Stuttgart, die vom 10. April bis 31. Oktober 2020 nicht befahrbar sein wird. Der Abschnitt Göttingen-Kassel wird von April bis Juli 2021 unterbrochen. Dann kommt im Jahr 2022 die Trasse Fulda-Würzburg dran und schließlich 2023 der Gleisstrang von Kassel nach Fulda.

Die Bauarbeiten werden nach Angaben der Bahn auch Auswirkungen auf den Nah- und Güterverkehr haben. «Details zu den Ersatzverkehren werden aktuell erarbeitet und rechtzeitig vor Beginn der Baumaßnahmen an die Fahrgäste kommuniziert», sagte eine Bahnsprecherin. Mit den betroffenen Unternehmen habe die Bahn sich in der Planung schon früh abgestimmt.

Während der Sperrung des Abschnitts Hannover-Göttingen werden nach Angaben des Fahrgastverbands Pro Bahn ICE und Intercity-Züge über die alte Strecke im Leinetal umgeleitet. Diese sei aber schon jetzt mit Güter- und Nahverkehrszügen gut ausgelastet. «Das wird sich im Nahverkehr auswirken. Da werden auch einige Züge nicht fahren können», sagte Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann. Bei der Planung müsse man einen Kompromiss finden, der sowohl Pendlern als auch Fernreisenden gerecht werde. Bei der Sperrung der Trasse Berlin-Hannover im Jahr 2009 habe das «gut geklappt».

Die Bahn warb um Verständnis für die Serie von Großbaustellen. Die Arbeiten ließen sich aber nicht vermeiden. Die beiden ICE-Strecken seien seit ihrer Eröffnung 1991 im Dauerbetrieb. Auf der 327 Kilometer langen Trasse zwischen Hannover und Würzburg fahren täglich 110 Fernzüge mit rund 42 000 Reisenden durch Niedersachsen, Hessen und Bayern, außerdem im Durchschnitt 26 Güterzüge. Noch höher ist die Belastung auf den 99 Kilometern von Mannheim nach Stuttgart: Dort verkehren jeden Tag 185 Fernzüge mit 66 000 Fahrgästen, hinzu kommen 24 Güterzüge.

Die übliche regelmäßige Instandhaltung reiche nun nicht mehr aus, heißt es bei der Bahn. «Wir müssen jetzt grundlegend ran, um die Qualität der Schnellfahrstrecke für künftige Generationen weiter gewährleisten zu können», machte der Leiter des Sanierungsprojekts Hannover-Würzburg, Hannes Tesch, deutlich.

Bei den Bauarbeiten werden Gleise, Weichen, Schotter, aber auch die Oberleitungsmasten sowie die Strom- und Sicherungstechnik erneuert. Für die Arbeiten von Hannover bis Göttingen hat die Bahn 175 Millionen Euro veranschlagt. Die Sanierung der gesamten Strecke von Hannover nach Würzburg soll 640 Millionen Euro kosten. Die Trasse Mannheim-Stuttgart wird für 185 Millionen Euro auf Vordermann gebracht. Da es sich um eine sogenannte Ersatzinvestition handelt, übernimmt der Eigentümer Bund die Kosten fast vollständig, wie ein Bahnsprecher erläuterte.

Auch alle Fahrgäste, deren Verbindungen sonst über die gesperrten Strecken führen, werden länger unterwegs sein. Zu diesen Routen gehören zum Beispiel Hamburg-Frankfurt, Berlin-Frankfurt und Frankfurt-München. Weil auf den Umleitungsstrecken weniger Züge Platz haben, können dort auch weniger ICE und Intercitys eingesetzt werden als sonst üblich.

Die Bahn will Inhaber von Zeitkarten und der Bahncard 100, die zu Fahrten auf dem gesamten Netz berechtigt, finanziell entschädigen. In welchem Umfang das geschieht, steht noch nicht fest, wie der Sprecher sagte. Die längere Reisezeit solle den Kunden mit «besonderen kleinen Aufmerksamkeiten» versüßt werden.

Bei der Bahn sind Verspätungen gerade in den vergangenen Monaten ein großes Thema. Im August kamen drei von zehn Fernzügen unpünktlich ans Ziel. In den ersten acht Monaten lag die Pünktlichkeitsquote unter 76 Prozent. Eigentlich wollte die Bahn 82 Prozent erreichen. Hauptgrund für die Verspätungen waren aber nicht die vielen Baustellen, sondern Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur in den Hitzemonaten des vergangenen Sommers sowie mehrere Unwetter.

Veröffentlicht am:
01. 10. 2018
14:54 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
01. 10. 2018
14:54 Uhr



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