Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Computer

Zoom blockiert auf Pekings Wunsch - und erntet Kritik

Chinas Staatssicherheit setzt Zoom unter Druck. Trotz Kritik will die US-Plattform Nutzer in China weiter von Videokonferenzen aussperren, wenn ihre Aktivitäten dort politisch als «illegal» eingestuft werden.



Videokonferenz-App Zoom
Zoom hat Konferenzen von chinesischen Menschenrechtsaktivisten verhindert.   Foto: Andre M. Chang/ZUMA Wire/dpa

Die populäre Konferenz-Plattform Zoom hat eingeräumt, drei Videotreffen chinesischer Menschenrechtsaktivisten in den USA und Hongkong auf Druck der Regierung in Peking geblockt und die Konten der Gastgeber geschlossen zu haben.

Das in San José in Kalifornien ansässige US-Unternehmen teilte mit, die Konten seien aber wieder aktiviert worden. Allerdings wird die Plattform nach eigener Darstellung auch in Zukunft den Anweisungen chinesischer Stellen über «illegale» Aktivitäten folgen, will aber Konten und Aktivitäten außerhalb Chinas nicht mehr beschränken.

«Über die nächsten Tage» werde eine Software entwickelt, die es ermöglichen solle, Teilnehmer nach ihrem jeweiligen Standort aus Videotreffen ausschließen zu können. «Das ermöglicht es uns, Forderungen lokaler Behörden zu erfüllen, wenn diese Aktivitäten auf unserer Plattform als illegal innerhalb ihrer Grenzen betrachten.» Forderungen der chinesischen Regierung, die Einfluss auf jemanden außerhalb Chinas haben, soll demnach nicht mehr nachgegangen werden.

Das Vorgehen der Plattform stößt auf scharfe Kritik. Es betraf Gedenkveranstaltungen für die Opfer der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in China. Chinesische Stellen hätten von Zoom verlangt, diese Videotreffen im Mai und Anfang Juni zu unterbinden und die Konten der Gastgeber zu deaktivieren, weil diese Aktivitäten «in China illegal» seien, räumte Zoom ein. Bei einem der Treffen sei nichts unternommen worden, weil kein Teilnehmer aus China stammte.

Der in den USA im Exil lebende Ex-Studentenführer Wang Dan zeigte sich «geschockt und empört». Chinas Regierung greife weltweit die Demokratie an und mische sich in den USA ein. «Die Welt sollte dieser Gefahr gegenüber wachsam sein.» US-Unternehmen sollten sich an amerikanische Gesetze halten. «Alle Tätigkeiten, die das liberale demokratische System verletzen, um Unternehmensgewinne zu erzielen, sind ein Verstoß gegen nationale amerikanische Interessen.»

Die Organisation «Humanitarian China» warf Zoom vor, sich zum Komplizen der kommunistischen Führung gemacht zu haben, «die Erinnerung an das Massaker von Tian'anmen auszulöschen». Die in den USA ansässige Gruppe des chinesischen Bürgerrechtlers und ehemaligen Studentenführers Zhou Fengsuo, dessen Konto gesperrt wurde, hatte ein Gedenken von 250 Teilnehmern zum 4. Juni 1989 organisiert.

Mit der Zunahme der Videokonferenzen durch die Corona-Pandemie ist die Zahl der Zoom-Nutzer weltweit in kurzer Zeit von 10 auf 300 Millionen emporgeschnellt. Internet-Experten äußerten schon mehrfach Sicherheitsbedenken über Zoom. Es wurde auch darauf verwiesen, dass ein großer Teil seiner Produktentwicklung in China stattfindet und das Unternehmen damit leicht unter Druck gesetzt werden könne. Die Regierung in Taiwan erlaubt ihren Beamten keine Zoom-Konferenzen.

Zoom argumentiert, sich als globales Unternehmen an die Gesetze in den jeweiligen Ländern halten zu müssen. «Wir bemühen uns, unsere Maßnahmen darauf zu begrenzen, die notwendig sind, um örtliche Gesetze zu erfüllen», hieß es. «Unsere Antwort hätte keine Auswirkungen auf Nutzer außerhalb Festlandchinas haben sollen.»

Zoom erlaubt seit Mai ohnehin keine individuellen Konten mehr in China, so dass diese auch keine Videotreffen organisieren können. Eine Teilnahme ist weiter möglich. Das Unternehmen verkauft allerdings Konten an Firmen mit Geschäftslizenzen in China.

Wie andere große Internetunternehmen ist damit auch Zoom zwischen die Fronten der Zensur in China und der freien Meinungsäußerung im Westen geraten. So sind etwa Google, Facebook, Twitter und andere soziale Medien in China gesperrt, weil sie sich nicht selbst zensieren wollen. Ohnehin ist Chinas Internet weitgehend vom weltweiten Netz abgekoppelt. Viele internationale Medien oder chinakritische Webseiten sind geblockt. Apple hat beispielsweise Tunneldienste zur Umgehung dieser «Großen Firewall» auf Pekings Druck hin aus seinem chinesischen App-Store genommen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 06. 2020
09:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apple Beamte Chinesische Regierungen Demokratie Facebook Google Internet Internetexperten Meinungsfreiheit Regierungen und Regierungseinrichtungen Social Media Software Twitter Zensur Öffentliche Behörden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Tiktok

vor 21 Stunden

Keine Downloads von Tiktok mehr in den USA nach Sonntag

Der Deal um Tiktok war für Präsident Donald Trump doch nicht gut genug: Am Sonntag sollen Download-Plattformen die App in den USA löschen. Mitte November würde sie für alle US-Nutzer aufhören, zu funktionieren - wenn es ... » mehr

Tiktok

26.08.2020

Video-App Tiktok wehrt sich mit Klage gegen Trump-Erlass

Die Video-App Tiktok ist unter massivem Druck in den USA, weil sie einen chinesischen Eigentümer hat. Nach einem Erlass von Präsident Trump droht das Aus. Jetzt wehrt sich Tiktok vor Gericht. » mehr

TikTok zieht sich aus Hongkong zurück

07.07.2020

Internetriesen fürchten Sicherheitsgesetz in Hongkong

Chinas Sicherheitsgesetz beschneidet die Freiheit in sozialen Medien in Hongkong. TikTok zieht sich zurück. Facebook, Google und Twitter verweigern die Kooperation mit Behörden. Droht ihnen die Sperrung? » mehr

Margrethe Vestager

vor 21 Stunden

EU: Mit Supercomputern ins «digitale Jahrzehnt»

Europäische Cloud, europäische E-Identität, neue Supercomputer: Die EU-Kommissionschefin von der Leyen will digital hoch hinaus. Nun wird ihre Behörde konkret. » mehr

Apple in Peking

02.09.2020

Apple und Google integrieren Corona-Warntechnik

Google und Apple wollen mit ihren Smartphone-Systemen helfen, die Coronavirus-Ausbreitung zu stoppen. Regierungen können so ein Warn-System ohne Entwicklung einer eigenen App aufsetzen. » mehr

Die App TikTok

30.06.2020

Indien verbietet TikTok und andere chinesische Apps

Das Verhältnis zwischen China und Indien ist zunehmend gespannt. Indische Handelsverbände rufen dazu auf, chinesische Güter zu boykottieren. Nun erwischt es eine populäre App. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand altes Stellwerk Bahnhof Zella-Mehlis

Brand Altes Stellwerk Zella-Mehlis |
» 6 Bilder ansehen

Mopedunfall Steinheid

Mopedunfall Steinheid |
» 4 Bilder ansehen

Schwerer Unfall Effelder Effelder

Unfall Effelder | 13.09.2020 Effelder
» 12 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 06. 2020
09:35 Uhr



^