Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Computer

Bitcoin ist nichts für schwache Nerven

Die Finanzwelt schaut gebannt auf den Bitcoin. Wird der Kurs der Kryptowährung nach der Halbierung der Schürf-Belohnung wieder in die Höhe schnellen? Und wie kommt der Bitcoin durch die Corona-Krise? Experten geben widersprüchliche Antworten.



Online
Die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks insgesamt wird sich laut Experten reduzieren (Symbolbild).   Foto: Jochen Lübke/dpa

Die Kryptowährung Bitcoin steht wieder im Rampenlicht. Nach einem sagenhaften Kursanstieg auf mehr als 20.000 Dollar im Dezember 2017 und einem tiefen Fall auf unter 3300 Dollar ein Jahr später hoffen nun Bitcoin-Investoren darauf, dass eine Verknappung der Produktion neuer Bitcoins zu einer neuen Kursrally führen wird.

Doch zunächst mussten die Fans der Kryptowährung am Wochenende einen neuerlichen Crash verkraften. Nach dem technischen Protokoll sollte am Montagabend das dritte sogenannte Halving umgesetzt werden. Satoshi Nakamoto, der geheimnisumwitterte Gründer von Bitcoin, hatte festgelegt, dass die Gesamtmenge aller Bitcoins auf 21 Millionen Stück limitiert wird. Die Bitcoins sollten aber nicht auf einen Schlag ausgeschüttet, sondern nach und nach über den Verlauf mehrerer Jahrzehnte verfügbar gemacht werden. Bei den Halving-Events wird die Anzahl der Bitcoins, die von den Minern alle zehn Minuten errechnet werden können, planmäßig halbiert - von bisher 12,5 Bitcoins auf dann nur noch 6,25 Bitcoins.

«Durch das Halving wird das Angebot neuer Bitcoins spürbar gekürzt», sagt der Wirtschaftswissenschaftler Philipp Sandner. «Das wäre so, als würden alle Goldminen auf der Welt von heute auf morgen nur noch die Hälfte an Gold produzieren», so der Professor an der Frankfurt School of Finance & Management.

In der Geschichte des Bitcoin findet die Halbierung der Vergütung für einen errechneten Block nun zum dritten Mal statt. Beim ersten Halving im November 2012 lag der Kurs des Bitcoin im zweistelligen Dollar-Bereich, beim zweiten Halving im Juli 2016 schon bei rund 600 Dollar. Vor der aktuellen dritten Halbierung kletterte der Kurs in der vergangenen Woche auf mehr als 10.000 Euro, um dann am Wochenende spürbar auf unter 8500 Dollar abzusacken.

Ganz unabhängig von der Entwicklung des Kurses hat die Halbierung der Belohnung für das Schürfen neuer Bitcoins Auswirkungen auf die Szene der «Miner», die Rechenleistung für das Netzwerk bereitstellen. «Das Mining-Volumen sinkt, und das Schürfen ist nicht mehr so profitabel», sagt Sandner. Anbieter, die alte Hardware verwenden oder teuren Strom beziehen, werden demnach aus dem Netzwerk verdrängt, weil sie dann unprofitabel werden. «Im Netzwerk verbleiben die effizienteren Mining-Farmen, die, die über günstigen Strom verfügen oder auch die neueste Hardware einsetzen.»

Die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks insgesamt werde sich zwar reduzieren. «Es besteht aber keine Gefahr, dass die Rechenleistung nicht mehr ausreicht, um die Sicherheit des Netzwerks zu gewährleisten. Dazu ist das gesamte Bitcoin-Netzwerk inzwischen zu groß», betont Sandner.

Trotz der Kursschwankungen glaubt der Wirtschaftswissenschaftler, dass sich Bitcoin in den Zeiten der Corona-Pandamie und den damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten «perfekt als Krisenwährung» eigne. «Bitcoin ist von der Architektur her wie Gold, aber eben digital. Bitcoin ist wie Gold ein knappes Gut. Bei Bitcoin gibt es keine Inflation», argumentiert Sandner. Deswegen eigne sich Bitcoin theoretisch für den Werterhalt.

Sandner räumt allerdings auch ein, dass es sich beim Bitcoin um ein «sehr, sehr kleines Projekt im Vergleich zu Vermögensgegenständen» wie Gold handelt. Deswegen habe der Markt relativ gesehen eine recht geringe Liquidität. «Auch dies ist ein Grund für die hohe Volatilität.» In der Theorie sei der Bitcoin für den Werterhalt in einer Krise geeignet. «In der Praxis ist es aber so, dass das ganze Projekt noch relativ jung ist und das Verständnis, was Bitcoin exakt ist, noch bei weitem nicht derart verbreitet ist wie bei Gold. Aufgrund der Volatilität ist Bitcoin eher etwas für erfahrene Investoren, nicht für Einsteiger.»

Die Verbraucherschützer in Deutschland warnen dagegen unisono, Geld in Kryptowährungen anzulegen, sie seien ein «hochriskantes Spekulationsobjekt». «Kryptowährungen unterliegen starken Kursschwankungen», warnte zuletzt die Verbraucherzentrale Hamburg. Ihr Wert hänge allein von der Nachfrage ab. «Bricht die Nachfrage ein, verliert auch die Währung an Wert.» Die Verbraucherschützer verweisen darauf, dass Bitcoins keine zusätzlichen Zinsen abwerfen. «Weiterer Nachteil: Der Markt für Kryptowährungen ist nicht durch eine Finanzaufsicht reguliert. Es fehlen staatliche Sicherungssysteme.»

Die Befürworter des Bitcoin und anderer Kryptowährungen dagegen berufen sich auf die Studie «Imagine 2030» der Deutschen Bank. Dort wird auf rund 80 Seiten argumentiert, warum Kryptowährungen sich zu Währungen im traditionellen Sinne entwickeln werden, in sogenanntes Fiat-Geld. Aber auch diese These blieb von höchster Stelle nicht unwidersprochen: «Angesichts der Kursausschläge eignen sich Krypto-Token weder zur verlässlichen Wertaufbewahrung noch als Recheneinheit», sagte Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

Veröffentlicht am:
11. 05. 2020
12:46 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bitcoin Bundesbankpräsidenten Deutsche Bank Dollar Inflation Jens Weidmann Kryptowährungen Kursschwankungen Professoren Rechenleistung Verbraucherschützer Wirtschaftswissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bitcoin

11.05.2020

Bitcoin-Kurs stürzt ab

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin ist unmittelbar vor der Halbierung der Vergütung für einen errechneten Block - dem «Halving» - deutlich eingebrochen. » mehr

Bitcoin

02.04.2019

Bitcoin macht Kurssprung um mehr als 20 Prozent

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin ist am Dienstagmorgen binnen rund einer Stunde um über ein Fünftel nach oben geschnellt. Auf der Handelsplattform Bitstamp erreichte der Preis für einen Bitcoin 5080 US-Dollar. » mehr

Blockchain

17.09.2019

Bundesregierung will Blockchain-Technologie voranbringen

Die Bundesregierung hat ein umfassendes Konzept zur Nutzung der Datenbank-Technologie Blockchain vorgelegt, das an diesem Mittwoch im Bundeskabinett verabschiedet werden soll. » mehr

Libra

28.06.2019

Die drängendsten Fragen zu Facebooks Digitalwährung Libra

Facebook will die Digitalwährung Libra an den Start bringen und so eine Konkurrenz zu Dollar, Euro und Co. aufbauen. Ökonomen fürchten schon Verwerfungen im globalen Finanzsystem. » mehr

Neuartiger Bild-Sensor

14.05.2020

Sony bringt künstliche Intelligenz auf den Bild-Sensor

Schnelligkeit und Datenschutz - Sony bringt bei seinen neuen Kamerasensoren künstliche Intelligenz für die Bildanalyse erstmals direkt auf dem Chip unter. » mehr

Bitcoin

02.06.2020

Bitcoin-Kurs steigt über 10.000 US-Dollar

Anleger rechneten mit weiter fallenden Kursen. Nun ist der Kurs der Kryptowährung nach oben geschossen - und durchbrach die Marke von 10.000 US-Dollar. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Motorradunfall Linden

Motorradunfall Linden | 10.07.2020 Linden
» 7 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Oberhof Oberhof

Unfall Oberhof | Oberhof
» 6 Bilder ansehen

Verkehrsunfall Hildburghausen Hildburghausen

Verkehrsunfall Hildburghausen | 07.07.2020 Hildburghausen
» 11 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 05. 2020
12:46 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.