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Wie Schulze Digitalisierung grün machen will

Jede Google-Anfrage, jedes YouTube-Video, jedes Foto auf WhatsApp verbraucht Strom - nicht nur über Handy oder Computer, sondern auch in Rechenzentren. Umweltministerin Schulze warnt vor den Folgen der Digitalisierung fürs Klima. Rennt sie offene Türen ein?



Svenja Schulze
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) stellt in ihrer Digitalagenda Maßnahmen vor, mit denen sich die Digitalisierung klimafreundlich gestalten lässt.   Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Serien-Streaming löst das Fernsehen ab, Videoclips laufen auf dem Smartphone, Autos oder Haushaltsgeräte tauschen Daten aus: Der Alltag wird digitaler - an den Energiebedarf denken viele nur, wenn der Akku leer ist.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will das ändern. Schon 2025 könnten durch die Digitalisierung mehr Treibhausgase ausgestoßen werden als durch den Autoverkehr, sagte sie am Montag in Berlin, das könne zum «Brandbeschleuniger» für den Klimawandel werden. Die SPD-Politikerin nimmt Internet-Riesen wie Apple, Amazon und Netflix in den Blick. Allerdings ist die Branche teils schon auf dem Weg, auf den Schulze sie gerne bringen möchte.

Was schwebt der Umweltministerin vor? Smartphones und Tablets sollen langlebiger werden. Dafür sollen Akkus und Bildschirme leichter austauschbar werden, Ersatzteile länger und günstiger zur Verfügung stehen, Reparaturen günstiger werden. Über die EU will Schulze erreichen, dass alle Hersteller verbindliche Aussagen zur Lebensdauer ihrer Produkte machen müssen und Kunden ein Recht auf Reparatur bekommen - wie es oft auch schon üblich ist.

Im Online-Handel wünscht Schulze sich so etwas wie Öko-Wegweiser für Kunden, die nachhaltig einkaufen wollen - etwa die Möglichkeit, gezielt nach umweltfreundlichen Waren zu suchen. Im Supermarkt sei ja auch deutlich, wo die Bio-Produkte liegen. Darüber wolle sie mit den Händlern sprechen, kündigte sie an. Beim Streaming vor allem auf Handys oder Tablets sollte aus Sicht der Ministerin nicht die höchste Auflösung Standard sein, die es gar nicht brauche.

Eine weitere Baustelle sind Rechenzentren, die Herzkammern der Digitalisierung. Bis 2021 soll das Umweltbundesamt herausfinden, wie viele größere Rechenzentren es in Deutschland gibt, bisher gibt es dazu keine Angaben. Mittelfristig will Schulze Vorschriften zur Effizienz. Ziel ist, dass die Zentren mit Ökostrom laufen, möglichst wenig Strom brauchen und Wärme zum Heizen genutzt wird.

Die SPD-Politikerin sieht sich mit ihrer «umweltpolitischen Digitalagenda», die sie am Montag in Berlin vorstellte, als Pionierin. Fachleute waren ins Erarbeiten der 72 Maßnahmen eingebunden, andere Ministerien nicht - mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wolle sie nun reden, sagte Schulze.

Auf die Frage, ob Vorschriften aus Deutschland die global agierenden Tech-Konzerne nachhaltig beeindrucken können, verweist die deutsche Umweltministerin auf die Bedeutung des gesamten europäischen Marktes. Und bei der Festlegung des europäischen Kurses könne man Akzente setzen, wenn Deutschland in diesem Juli den Vorsitz im EU-Rat übernehme.

Viele Tech-Riesen aus den USA und Asien warten aber gar nicht auf ein Signal aus Europa, um nachhaltigere Produkte anzubieten. So können die Akkus von Smartphones von Apple, Samsung, Huawei und Lenovo/Motorola zu akzeptablen Bedingungen ausgetauscht werden, auch wenn die Kunden den Wechsel nicht selbst vornehmen können, sondern das Gerät in eine Werkstatt bringen müssen. Die Hersteller stecken dabei in einer Zwickmühle. Zum einen entscheiden sich die Kunden für immer flachere Modelle, die auch wasser- und staubdicht sind - was mit einem locker sitzenden Akku nicht machbar ist. Zum anderen wollen sich die Smartphone-Besitzer nicht als Umweltfrevler verhalten.

Der Wunsch von Smartphone-Nutzern nach einem ökologisch einwandfreien Produkt ist inzwischen in den Konzernzentralen angekommen. So überbieten sich High-Tech-Unternehmen wie Apple, Google und Samsung mit Selbstverpflichtungen beim Thema Öko-Strom und nachhaltiger Rohstoffnutzung. Aber auch die großen Investoren achten verstärkt auf die Öko-Bilanz. So hat der US-Vermögensverwalter Blackrock vor zwei Wochen angekündigt, Konzerne mittels Kapitalentzug und Misstrauensvoten zu strafen, wenn sie weiter eine klimafeindliche Geschäftspolitik betreiben würden.

Auch wenn manche Blackrock-Kritiker diese Ankündigung für ein Täuschungsmanöver halten, kann man bereits konkrete Auswirkungen sehen. Der Softwareriese Microsoft, wo Blackrock zweitgrößter Anteilseigner ist, kündigte zuletzt an, nicht nur auf einen klimaneutralen Betrieb umzustellen, sondern bis 2030 der Atmosphäre mehr Kohlendioxid zu entziehen, als man produziere. Und bis 2050 will der Konzern all den Kohlenstoff aus der Umwelt entfernen, den das Unternehmen seit seiner Gründung 1975 entweder direkt oder durch den Stromverbrauch verursacht hat.

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 03. 2020
14:23 Uhr

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02. 03. 2020
14:23 Uhr



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