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Stromfresser Streaming: Nun redet man über die Umweltkosten

In der Klimadebatte stehen derzeit vor allem Verkehrsthemen wie spritfressende SUVs oder umweltschädliche Flüge im Vordergrund. Die Umweltkosten der Digitalisierung werden dabei kaum angesprochen. Das soll sich nach dem Willen der Grünen nun ändern.



Streaming
Durch Streaming-Plattformen wie Netflix und Youtube wird weltweit viel Strom verbraucht.   Foto: Alexander Heinl/dpa

Wer zehn Minuten lang über die Cloud ein Video in HD anschaut, verbraucht dabei so viel Strom wie ein elektrischer Backofen, der fünf Minuten mit 2000 Watt auf voller Stufe im Heizbetrieb läuft.

Eine Google-Suchanfrage löst einen Strombedarf von 0,3 Wattstunden aus. Bei 40.000 Suchanfragen weltweit pro Sekunde kommen da riesige Summen zusammen. Das sind nur zwei Beispiele von vielen aus einer aktuellen Studie der französischen Denkfabrik «The Shift Project» mit der These, dass die umweltpolitischen Folgen der digitalen Wirtschaft konstant unterschätzt werden.

In der deutschen Politik sind die Zahlen zum ökologischen Fußabdruck der vermeintlich sauberen Digitalbranche angekommen. Zumindest bei den Grünen. Sie fordern neue Vorgaben und Konzepte gegen die Umweltprobleme der Digitalisierung.

Dabei verweisen sie auf den hohen Stromverbrauch beim Streamen von Videos und den Rohstoffbedarf von Handys und Computern. Digitalisierung könne beim Klima- und Umweltschutz helfen, heißt es in einem Antrag der Grünen im Bundestag. Ohne ökologische Leitplanken könne sie aber Ressourcenverbrauch und Treibhausgas-Emissionen fortsetzen oder beschleunigen und zu immer mehr Elektroschrott führen, warnen sie.

Die Grünen beziehen sich bei Ihren Forderungen auf Zahlen des Stromversorgers EON. Danach werden alleine durch die Streaming-Plattformen wie Youtube und Netflix, aber auch durch Videokonferenzen mit Skype und anderen Diensten weltweit inzwischen rund 200 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr verbraucht. In den kommenden Jahren dürfte diese Menge spürbar steigen, auch weil immer mehr Smartphones verkauft und fürs Streaming genutzt werden. Schon im vergangenen Jahr hätten die Streaming-Plattformen ungefähr so viel Strom verbraucht wie alle Privathaushalte in Deutschland, Italien und Polen zusammen.

«Die Digitalisierung braucht dringend einen ökologischen Ordnungsrahmen, sonst wird sie zum Klimakiller statt zum Klimaretter», sagte Dieter Janecek, Grünen-Experte für digitale Wirtschaft, der dpa. Die vielen möglichen positiven Effekte würden nur realisiert, «wenn wir die Digitalisierung konsequent in den Dienst der Nachhaltigkeit stellen».

Mit der Forderung, die Rechenzentren mit erneuerbaren Energien zu betreiben, laufen Janecek und seine Kollegen bei den Streaming-Plattformen offene Türen ein. So hat Youtube bereits vor zwei Jahren komplett auf eine nachhaltige Energieversorgung umgestellt.

Auch Apple und Microsoft erhalten hier von der Umweltschutzorganisation Greenpeace Bestnoten. Und selbst Amazon, vor Jahren von Greenpeace noch wegen eines hohen Anteils von Atom- und Kohlestrom gescholten, hat bei seinem Clouddienst AWS inzwischen mehr als die Hälfte der Rechenzentren auf erneuerbare Energie umgestellt.

Weniger Rücksicht auf die Umwelt und das Klima nehmen dagegen bisher asiatische Clouddienste wie Alibaba, Baidu oder Tencent, die ihren Strom vor allem aus Kohlekraftwerken beziehen. Aber diese Dienste spielen hierzulande noch ein untergeordnete Rolle.

Die Grünen fokussieren sich aber auch nicht alleine auf die Versorgung mit Öko-Strom, sondern interessieren sich auch für die Frage, was mit der Energie letztlich passiert. Die Computer in den Rechenzentren produzieren Wärme, die bislang häufig ungenutzt in die Umwelt abgeleitet wird. In dem Bundestagsantrag setzt sich die Fraktion dafür ein, die Abwärme für effiziente Wasser-Kühlungssysteme zu nutzen - für neue Einrichtungen soll die Wärmenutzung vorgeschrieben werden.

Auch bei den Endgeräten sehen die Grünen Handlungsbedarf: Rohstoffe aus Elektrogeräten müssten verstärkt zurückgewonnen und wiederverwertet werden. Auf EU-Ebene wollen die Grünen verbindliche Standards für «Energieeffizienz, Ressourceneinsparungen, Recyclingfähigkeit und Reparierbarkeit von IT-Geräten».

Andere Forderungen betreffen aber nicht nur die Umweltpolitik der Unternehmen, sondern auch das Verhalten der Anwender. Für viele Youtube-Nutzer ist der Streamingdienst nämlich eine Art Radio, das den ganzen Tag lang spielt, weil die Autoplay-Funktion des Dienstes dafür sorgt, dass ein Musikvideo nach dem anderen gestartet wird. Die Grünen wollen neue Effizienzstandards, damit etwa Videos in den Standardeinstellungen nicht automatisch abgespielt werden. Außerdem sollen die Nutzer auswählen können, nur den Ton zu hören. Hier können die Anwender auch eine Menge tun, ohne dass eine staatliche Regulierung einsetzt. Der Autoplay-Modus von Youtube ist nämlich abstellbar.

Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
14:53 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
14:53 Uhr



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