Lade Login-Box.
Topthemen: Ministerpräsidentenwahl ThüringenFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Computer

Facebook klagt wegen Ausspähattacke auf WhatsApp

Die Verschlüsselung bei Chatdiensten von WhatsApp stellt Ermittlungsbehörden und Geheimdienste vor massive Probleme. Sie setzen auf die Hilfe spezialisierter Firmen, die nach Schwachstellen suchen, um Daten abzugreifen. Facebook klagt jetzt dagegen.



Facebook
Facebook hat einen Anbieter von Überwachungssoftware verklagt.   Foto: Richard Drew/AP/dpa

Facebook wehrt sich erstmals vor Gericht gegen Ausspähattacken auf seine Dienste.

Das Online-Netzwerk verklagte einen Anbieter von Überwachungssoftware, der sich über eine inzwischen geschlossene WhatsApp-Sicherheitslücke Zugriff auf hunderte Smartphones verschaffen wollte. Allein in weniger als zwei Wochen im April und Mai dieses Jahres habe die israelische Firma NSO rund 1400 Geräte angegriffen, erklärte Facebook in der am Dienstag in Kalifornien eingereichten Klage. NSO betonte, das Unternehmen biete seine Dienste grundsätzlich nur Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten an.

Facebook erklärte in der Klageschrift, unter den Zielpersonen seien Journalisten, Anwälte, Dissidenten, Menschenrechtsaktivisten, Diplomaten und Regierungsbeamte gewesen. Sie kämen aus Ländern wie Bahrain, Mexiko und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

NSO konterte, die Technologie der Firma sei nicht für den Einsatz gegen Journalisten oder Menschenrechtsaktivisten gedacht. «Wir betrachten jede andere Nutzung unserer Produkte als zur Verhinderung von ernsthaften Verbrechen und Terrorismus als Missbrauch, der vertraglich verboten ist.» Die Firma werde aktiv, wenn sie eine missbräuchliche Nutzung entdecke.

Facebook hatte die Sicherheitslücke bereits Mitte Mai geschlossen und öffentlich gemacht. NSO gelang es nach Angaben des Online-Netzwerks, Schadsoftware, die einen weitreichenden Datenabgriff ermöglicht, über WhatsApp-Anrufe zu verbreiten. Die Sicherheitslücke bestand in den WhatsApp-Apps für die Mobil-Betriebssysteme Android, iOS, Windows Phone und Tizen.

Die Klage gründet Facebook darauf, dass die Nutzungsbedingungen von WhatsApp verletzt worden seien. Der von Facebook vor fünf Jahren übernommene Chatdienst hat rund 1,5 Milliarden Nutzer und ist auch in Deutschland populär.

Die Organisation «Reporter ohne Grenzen» (ROG) begrüßte das Vorgehen von WhatsApp gegen NSO. «Diese Klage ist ein entscheidendes Signal gegen Überwachungsexzesse und sollte zum Vorbild für andere Technologieunternehmen werden», sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. «Sichere Kommunikation ist ein Menschenrecht und eine Voraussetzung dafür, dass Journalistinnen und Journalisten ihre Aufgabe erfüllen und den Mächtigen auf die Finger schauen können. Telekommunikations- und Technologieunternehmen könnten eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung dieses Menschenrechts übernehmen, wenn sie konsequent gegen Überwachungsangriffe vorgehen würden.»

Das NSO-Programm, das unter dem Namen «Pegasus» bekannt wurde, installierte sich auf den Geräten der Überwachten selbst dann, wenn die Zielpersonen den Anruf nicht annahmen. Danach stellte es eine Verbindung zu Servern der israelischen Firma her und gewährte Zugang unter anderem zu Kontaktdaten und Inhalten von Nachrichten auf den Geräten. NSO gab die erbeuteten Daten dann an Kunden der Firma weiter. Die unter anderem bei WhatsApp übliche Verschlüsselung bei der Übermittlung wird dabei nicht geknackt, sondern die in unverschlüsselter Form auf dem Gerät vorhandenen Daten abgegriffen.

NSO betonte, die bei Messaging-Diensten inzwischen zum Standard gewordene Verschlüsselung stelle Sicherheitsbehörden, «die für die Sicherheit von uns allen sorgen sollen» vor massive Herausforderungen. «Die Wahrheit ist, dass die Plattformen mit starker Verschlüsslung oft von Pädophilien-Netzwerken, Drogenbossen und Terroristen für ihre kriminellen Aktivitäten genutzt werden.» Die Technologie von NSO habe geholfen, in den vergangenen Jahren tausende Leben zu retten.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
16:01 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Daten und Datentechnik Drogenbosse Facebook Geheimdienste und Nachrichtendienste Journalisten Menschenrechtler Reporter ohne Grenzen Sicherheitslücken Staatliche Überwachungssoftware Technologieunternehmen Terrorismus Terroristen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Russland schafft eigenes "Staatsnetz"

01.11.2019

Russland schafft eigenes «Staatsnetz»

Der Protest war laut, die Kritik scharf - nun verstärkt der russische Staat seine Kontrolle über das Internet. Ein vom weltweiten Netz unabhängiges «Runet» soll entstehen. Kritiker sehen darin einen Angriff auf die Freih... » mehr

Microsoft-Zentrale in München

15.01.2020

Microsoft schließt Windows-Schwachstelle nach NSA-Hinweis

Geheimdienste wie die amerikanische NSA melden entdeckte IT-Sicherheitslücken nicht immer an die Hersteller, sondern nutzen sie mitunter heimlich aus. Bei einer gravierenden Verschlüsselungs- Schwachstelle in Windows wur... » mehr

Autovermietung Buchbinder

23.01.2020

Bei Autovermietung Buchbinder standen Kundendaten offen

Millionen von Kundendaten des Autovermieters Buchbinder standen frei verfügbar im Netz. Pikantes Detail: Auch Daten des Grünen-Chefs Robert Habeck und des Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstech... » mehr

Twitter

16.10.2019

Twitter präzisiert Regeln für Politiker-Tweets

Politische Mandatsträger scheinen auf Twitter Narrenfreiheit zu genießen, wenn es um Beleidigungen und Hass-Rede geht. Sie werden zumindest bei Verstößen nicht so schnell verbannt. Doch nun will Twitter diesen Freiraum e... » mehr

Windows-7-Aus

13.01.2020

Viele PC-Anwender ignorieren «tickende Zeitbombe» Windows 7

Seit Monaten fordern Sicherheitsexperten die Nutzer des PC-Betriebssystems Windows 7 auf, sich von dem Software-Dino zu verabschieden. Vielen ist das wohl egal, obwohl der offizielle Produktsupport ausläuft. » mehr

Technik-Messe CES - Bluetooth

10.01.2020

Bluetooth wird besser - und bleibt nicht besonders sicher

Mit dem Bluetooth-Funk kann man Sprache und Musik kabellos übertragen, Autos aus Metern entfernt aufschließen, Daten übertragen und viel mehr. Auf der Technikmesse CES wurden nun interessante Verbesserungen vorgestellt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Karneval Umzug Dietzhausen 2020 Dietzhausen

Karnevalsumzug Dietzhausen | 16.02.2020 Dietzhausen
» 136 Bilder ansehen

Unfall Carneval Club Marisfeld e.V Marisfeld

Unfall Carneval Marisfeld | 16.02.2020 Marisfeld
» 8 Bilder ansehen

Wohnungsbrand in Eisfeld

Wohnungsbrand in Eisfeld |
» 26 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
16:01 Uhr



^