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Facebook kündigt Ausbau von Verschlüsselung an

Facebooks Versprechen von mehr Verschlüsselung stößt auf Gegenwind von Behörden unter anderem in den USA. Die wollen bei Bedarf trotzdem Zugang zu Daten von Kriminellen haben. Der Streit schwelt schon seit Jahren. Zuvor stand bereits Apple im Visier.



Facebook
Der Facebook-Schriftzug auf Bildschirmen am Times Square.   Foto: Richard Drew/AP/dpa

Die USA, Großbritannien und Australien haben Facebook aufgefordert, den angekündigten Ausbau der Verschlüsselung beim Online-Netzwerk nicht ohne eine Hintertür für Strafverfolgungsbehörden umzusetzen.

Dies sei wichtig, um Kinder vor Gewalt und sexuellem Missbrauch zu schützen, erklärten die Regierungen in einem Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Kriminelle, die Kinder missbrauchen oder kinderpornografisches Material erstellen, nutzen verschlüsselte Nachrichten, um illegales Material auszutauschen und sich mit Mittätern abzustimmen, wie der Chef der US-Bundespolizei FBI, Christopher Wray, am Freitag in Washington erklärte. Smartphones und Laptops drohten zu einem gesetzlosen Raum zu werden, warnte er. Es brauche sicheren und geschützten Datenaustausch, aber auch Sicherheit für die Gemeinschaft. Regierung und Technologiefirmen müssten dafür nun eine gemeinsame Lösung finden, forderte Wray.

Allein 2018 meldete Facebook fast 17 Millionen Fälle möglichen Kindesmissbrauchs, mit der geplanten Ausweitung der Verschlüsselung wären schätzungsweise rund 12 Millionen Fälle davon aber wohl nicht bemerkt worden, wie es in dem Brief nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums vom Donnerstag hieß.

Zuckerberg hatte im Frühjahr angekündigt, dass Facebook den Einsatz von Verschlüsselung stark ausbauen wolle. So sollen Facebooks Chatdienste WhatsApp und Messenger sowie die Kommunikationsfunktion des Fotodienstes Instagram auf eine gemeinsame technische Plattform mit sogenannter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umgestellt werden. Bei der Komplett-Verschlüsselung sind Inhalte von Kommunikation grundsätzlich nur für Absender und Empfänger im Klartext sichtbar. Auch Facebook hätte keinen Zugriff darauf. Damit können verbotene oder problematische Inhalte auch nicht mehr zum Beispiel mit Hilfe von Analysesoftware aufgespürt werden.

WhatsApp hat bereits standardmäßig Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, beim Messenger kann sie für vertrauliche Chats zugeschaltet werden.

Facebook hatte im Frühjahr auch angekündigt, vor der Umsetzung des Plans zunächst auch mit Behörden ausgiebig zu beraten. Messenger-Chef Stan Chudnovsky sagte damals, man werde sich zur Bekämpfung illegaler Inhalte stärker auf Hinweise von Nutzern verlassen müssen.

Momentan unterhalten Facebook und andere Dienste Datenbanken, in denen bekanntgewordene Bilder mit illegalen Inhalten wie Kinderpornografie vermerkt werden, um ihre Verbreitung unterbinden zu können. Dabei wird eine Art Fingerabdruck von einem Bild erstellt und gespeichert, neu hochgeladene Inhalte werden mit diesem «Hash» abgeglichen. Ein Vorschlag, um die Methode auch bei Komplett-Verschlüsselung zu nutzen, besteht zum Beispiel darin, Inhalte über die Apps direkt auf dem Gerät von Nutzern abzugleichen, bevor sie zur Übertragung verschlüsselt werden.

Verschlüsselung ist besonders nach den Enthüllungen von Edward Snowden zur ausufernden Internet-Überwachung durch den US-Abhördienst NSA und seine Partnerdienste immer breiter eingesetzt worden. Den Behörden in den USA und anderen Ländern ist sie schon länger ein Dorn im Auge.

Zuckerberg räumte am Donnerstag vor Mitarbeitern ein, dass Verschlüsselung für Behörden eine Herausforderung sei, vergleichbar damit, wenn man mit einer festgebundenen Hand kämpfen müsse. Zugleich sei Facebook überzeugt, dass die Vorteile von Verschlüsselung die Nachteile überwiegen. Die meisten Tech-Konzerne betonen, dass Verschlüsselung zum Beispiel private Daten von Nutzern vor Online-Kriminellen schütze. Den Einbau von Hintertüren lehnen sie grundsätzlich ab, da dies die Sicherheit für alle verringern würde.

Apple riskierte deswegen 2016 auch einen Rechtsstreit mit dem FBI: Das Unternehmen weigerte sich, eine Software zu schreiben, mit der man ein gesperrtes iPhone aufknacken könnte. Die US-Regierung zog ihre Klage zurück, nachdem sie nach eigenen Angaben mit Hilfe eines spezialisierten Dienstleisters in das iPhone eines getöteten Attentäters kam, um das es in dem Fall ging.

Die Regierungsbehörden warnten in dem Brief vom Donnerstag, die Verschlüsselung könne es Kriminellen erlauben, einer Strafverfolgung zu entgehen, weil wichtige Beweise verborgen blieben. Für die US-Regierung unterschrieben das Dokument Justizminister William Barr und der amtierende Heimatschutzminister Kevin McAleenan.

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 10. 2019
18:07 Uhr

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04. 10. 2019
18:07 Uhr



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