Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Computer

Dropbox probt mit Teamlösung den Neuanfang

Die Cloud frisst ihre Kinder, und Dropbox erfindet sich neu. Aus dem simplen Speicherdienst soll ein komplexer Digitalschreibtisch für effizientes Arbeiten im Web werden.



Dropbox-Gründer Ferdowsi und Houston
Die Dropbox-Gründer Arash Ferdowsi (l) und Drew Houston in New York.   Foto: Richard Drew/AP

Börsenneuling Dropbox will sich zum unverzichtbaren digitalen Schreibtisch im Unternehmen entwickeln. Einst als simpler Speicherdienst in der Cloud gestartet, soll der am Dienstag in San Francisco vorgestellte Service sich zum innovativen Ersatz für teure Office-Pakete mausern.

Das Start-up greift damit direkt den Softwareriesen Microsoft, aber auch den Internet-Konzern Google an. Nach dem Versprechen der Dropbox-Manager soll künftig nicht mehr der halbe Arbeitstag damit verloren gehen, benötigte Dateien, Excel-Tabellen oder Präsentationen und Informationen in irgendwelchen Archiven oder Ordnern in Cloudspeichern, auf Festplatten oder SD-Karten zu finden, diese mit richtigen Empfängern per E-Mail, Messenger oder Chatdienst zu teilen und dann zu kontrollieren, ob die Arbeiten auch erledigt worden sind.

Gleichzeitig will Dropbox dabei helfen, die verschiedenen Kommunikationswege im Auge zu behalten, damit man nicht gerade etwas wichtiges versäumt, wenn der Chef etwas per Slack geteilt oder per Skype angewiesen hat. «Die Überflutung mit Cloud-Dateien und verschiedensten Arbeits-Apps kann dazu führen, dass die tägliche Arbeit heute zuweilen anmutet wie der Versuch, nicht unterzugehen», fasst IDC-Analyst Marci Maddox, den Alltag vieler Büroarbeiter zusammen.

«Arbeit ist immer weiter verstreut», sagt auch Drew Houston, CEO und Mitgründer von Dropbox. «Wir arbeiten mit Apps, die nicht miteinander kommunizieren.» Mit rund 35 Apps pro Tag jongliere ein Angestellter oder Digitalarbeiter heute pro Tag, so eine Studie. Hier kommt der neue Sammel-Desktop ins Spiel. Integriert sind etwa der Messenger Slack und der Videokonferenzdienst Zoom, beide können mit wenigen Klicks aktiviert und automatisch mit den Personen im Kontaktverzeichnis genutzt werden.

Dropbox hat auch mit dem Projektmanagement-Start-up Atlassian eine Zusammenarbeit vereinbart, die in wenigen Monaten stehen soll. Dann lassen sich aus Dropbox heraus komplexe Projekte von der Pike auf planen, anlegen, ausführen und überwachen. Vollständig überarbeitet wird die Desktop-App von Dropbox, die derzeit in einer Vorabversion heruntergeladen werden kann. In Ordnern zusammengefasste Dateien lassen sich jetzt besonders gut sichtbar anheften, damit wichtige Informationen sofort gesehen werden. Kommentare in einer Word-Datei erscheinen am «Schreibtischrand», ohne dass die Datei geöffnet werden muss. Im Zweifel kann auch sofort geantwortet werden, ohne die Datei zu öffnen.

Dropbox versucht mit diesem neuen Ansatz die Flucht aus der Beliebigkeitsfalle: Dropbox steht vor dem Problem, dass die Dienste des Unternehmens auf Plattformen aufbauen, die nicht von Dropbox selbst kontrolliert werden können. Das Speichern der Daten in der Cloud basiert auf der Infrastruktur von Microsoft, Google oder Amazon. Das Speichern in der Cloud ist für die großen Konzern aber nur ein kleines Feature unter vielen. Die jungen Start-ups wie Dropbox oder Box.com spielen hier ein Spiel, dass sie gegen die Goliaths der Branche niemals gewinnen können.

Deshalb versuchen sie sich mit so viel Eigenleistung wie möglich abzusetzen. Box.com spezialisiert sich etwa auf künstliche Intelligenz und Maschinenlernen, mit denen sie die unendlichen Datenbestände ihrer Kunden wertvoller und brauchbarer und sich selbst damit unersetzlich machen wollen.

Dropbox will sich jetzt als unverzichtbarer Integrator zwischen unzähligen Basis-Apps und Endkunde im Berufsalltag ins Spiel bringen. Das ist nicht ungefährlich. Im Endeffekt legt sich das junge Unternehmen schlicht mit Google Docs an, obwohl es nun in Dropbox integriert ist. Außerdem tritt Dropbox gegen Microsoft und sein neu konzipiertes Office 365 einschließlich des Chatdienstes «Teams» an, oder gegen Plattformen wie die des Vertriebsgiganten Salesforce.

Dropbox-Manager Houston steht vor einer großen Herausforderung: Sein Unternehmen muss einen nachhaltigen Weg für Wachstum und Profitabilität finden. Im ersten Quartal 2019 lag der Nettoverlust trotz hohen Wachstums noch immer bei 7,7 Millionen Dollar. Der Aktienkurs hat eine wilde Achterbahnfahrt hinter sich und ist nach kurzem Höhenflug wieder praktisch auf dem Stand der Erstnotierung angekommen. Eine feste Verankerung im Unternehmensbereich wäre ein Garant für steigende Umsätze - wenn kostenlose Dropbox-Accounts zunehmend in bezahlte Geschäftskonten umgewandelt werden.

Veröffentlicht am:
12. 06. 2019
13:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amazon Archive Bereiche in Firmen und Unternehmen Dateien Daten und Datentechnik E-Mail Google Hochwasser und Überschwemmung Microsoft Office-Pakete Skype Unternehmen World Wide Web salesforce.com
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Facebook

13.05.2019

Forderung nach Facebook-Zerschlagung wird zum Wahlkampfthema

Die Forderung nach einer Zerschlagung von Facebook wird verstärkt zu einem Thema für den Vorlauf zur US-Präsidentenwahl 2020. » mehr

«WhatsApp»-Logo

14.05.2019

Sicherheitslücke bei WhatsApp geschlossen

Bei Anruf Ansteckgefahr: Durch eine Schwachstelle bei WhatsApp konnte auch schon ein nicht angenommener Anruf ausreichen, um ein Smartphone mit Spionage-Software zu infizieren. Es scheinen eher Dissidenten und Menschrech... » mehr

VW kämpft um Fachleute

24.04.2019

Software und autonomes Fahren - VW kämpft um Fachleute

Software statt Spaltmaße, Daten statt Auspuff-Sound - für Autobauer dreht sich das Geschäft immer stärker um die Digitalisierung. Dafür braucht man viele Fachleute. Doch selbst Giganten wie Volkswagen merken: Die sind ra... » mehr

Tim Cook

05.06.2019

Apple setzt voll auf Datenschutz und riskiert mächtig Ärger

Vor Jahren wirkte Apple-Chef Tim Cook mit seinen Plädoyers für den Datenschutz noch wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Doch inzwischen erklärt auch die Konkurrenz die Privatsphäre zum Menschenrecht. Auf der Konferenz W... » mehr

Mozilla-Zentrale

04.06.2019

Firefox schirmt Nutzer stärker vor Werbe-Trackern ab

Firefox will seine Nutzer besser abschirmen. Die Entwickler des Browsers gehen bei der Blockade von Werbe-Trackern allerdings nicht ganz so rigoros wie ein Konkurrent. » mehr

Microsoft-Zentrale in München

24.09.2018

Microsoft bietet KI für humanitäre Zwecke

Microsoft will das Potenzial Künstlicher Intelligenz (KI) mit einem 40 Millionen Dollar-Programm verstärkt auch humanitären Organisationen zur Verfügung stellen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Festumzug zum Meininger Stadt- und Hütesfes Meiningen

Festumzug zum Meininger Stadt- und Hütesfest | 16.06.2019 Meiningen
» 71 Bilder ansehen

Gestohlene Kunstgegenstände Bad Liebenstein

Gestohlene Kunstgegenstände Bad Liebenstein | 17.06.2019 Bad Liebenstein
» 7 Bilder ansehen

Schaumburgfest Schalkau Schalkau

Schaumburgfest | 16.06.2019 Schalkau
» 11 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 06. 2019
13:49 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".