Lade Login-Box.
Topthemen: Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Computer

Justiz nimmt gekaufte Internet-Bewertungen unter die Lupe

«Lage top, Frühstück super» - vor dem Urlaub ist für viele der Blick auf die Hotelbewertung Standard. Doch was, wenn der Gastwirt die gute Note bei einer darauf spezialisierten Bewertungsfirma einfach kauft? Ist das erlaubt?



Hotel
Top oder Flop? Das für Verbraucher ärgerliche Geschäft mit erfundenen Bewertungen im Internet wird für unehrliche Geschäftsleute künftig womöglich schwieriger.   Foto: Peter Kneffel

Das für Verbraucher ärgerliche Geschäft mit erfundenen Bewertungen im Internet wird für unehrliche Geschäftsleute künftig womöglich schwieriger.

In einem Zivilprozess vor dem Münchner Landgericht zeichnet sich ein Erfolg für das zum Medienkonzern Burda gehörende Urlaubsportal Holidaycheck ab, dessen Vorstand gegen Fake-Bewertungen von Hotels zu Felde zieht.

Holidaycheck hat deswegen die Firma Fivestar Marketing aus dem zentralamerikanischen Kleinstaat Belize verklagt, die Top-Bewertungen an mehrere Gastwirte verkauft hatte. Die für Fivestar Marketing tätige Anwältin konnte auf Nachfragen der Kammer am Donnerstag nicht nachweisen, dass die Bewerter auch tatsächlich in den betreffenden Etablissements übernachtet hatten.

«Das kann doch nicht wahr sein: Die Beklagte kümmert sich um nix», sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Gawinski, nachdem Anwältin Mady Meiners mehrfach erklärte, Fragen nicht beantworten zu können.

Gefälschte und gekaufte Hotel-Bewertungen sind nicht nur für viele Urlauber ein Ärgernis, sondern auch für Portale wie HolidayCheck, die für ihre Glaubwürdigkeit darauf angewiesen sind, dass die Bewertungen nicht frei erfunden sind. «Die Klägerin sagt, die Wahrheit wäre für eine richtige Meinungsbildung unverzichtbar», fasste Richter Gawinski zusammen. Fivestar erklärt dagegen auf seiner Webseite, alle Bewertungen seien echt.

Doch in einem Fall ergab die Recherche laut Holidaycheck, dass ein Bewerter «innerhalb kürzester Zeit 30 Hotels mit sechs Super-Sonnen» kürte, wie Richter Gawinski berichtete. Außerdem soll Fivestar Bewerter instruiert haben, sich nachträglich Buchungsbestätigungen ausstellen zu lassen. Die Fivestar-Anwältin hingegen argumentierte, dass die Bewertungen nicht von dem Unternehmen stammen, sondern von den Bewertern. «Wie soll die Beklagte Bewertungen löschen? Sie hat keinen Zugriff.»

Richter Gawinski ließ mehr als deutlich anklingen, dass er dieser Argumentation nicht folgen will: Er verwies darauf, dass im Strafrecht auch die Hintermänner zur Verantwortung gezogen werden können, die eine Tat nicht selbst ausführen: «Bei den unerlaubten Handlungen gibt's das System der mittelbaren Täterschaft», sagte der Vorsitzende.

Fivestar hat zwar den Verkauf von Bewertungen auf Holidaycheck eingestellt, ist ansonsten aber weiter aktiv: Eine Spitzenbewertung auf Amazon ist ab 19,95 Euro zu haben, wie auf der Fivestar-Webseite im Internet nachzulesen. «Top-Bewertungen, perfekt zugeschnitten auf Ihr Unternehmen», heißt es dort.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 06. 2019
15:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amazon Bereich Hotels Gastwirte Geschäftsleute Kläger Meinungsbildung Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte Urlaub und Ferien Urlauber Wahrheit Zivilprozesse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Online-Bewertung

17.07.2019

Schwieriger Kampf gegen gefälschte Online-Bewertungen

Das Internet mit seinem endlosen Warenangebot - traumhaft, aber auch unübersichtlich. Praktisch, dass andere mit ihren Erfahrungen Angebote bewerten können. Doch gerade Bewertungen mit Lobpreis oder vernichtender Kritik ... » mehr

Facebook

14.08.2019

Auch Facebook ließ Sprachaufnahmen von Nutzern abtippen

Tech-Konzerne demonstrierten gern, wie gut ihre Software menschliche Sprache verstehen kann. Dabei blieb jedoch im Dunklen, wie sehr die Technik noch darauf angewiesen ist, dass Menschen sich die Aufnahmen anhören. Jetzt... » mehr

Sprachassistentin Alexa

04.08.2019

Amazon lässt Alexa-Mitschnitte im Homeoffice auswerten

Allein die Tatsache, dass Mitarbeiter von Amazon, Apple und Google die Aufnahmen von Sprachassistenten anhören, sorgte bei Nutzern schon für Aufruhr. Jetzt heißt es, dass Amazon-Mitarbeiter teils zu Hause am Küchentisch ... » mehr

App Store

14.05.2019

Oberstes US-Gericht lässt App-Store-Klage gegen Apple zu

Apps auf dem iPhone kann man nur über Apples Plattform laden. Klagende US-Verbraucher wollen diese Einschränkung kippen. Apple wollte, dass die Klage abgewiesen wird, doch das Oberste US-Gericht weigerte sich. » mehr

Online-Hotelportal HRS

30.04.2019

Buchungsportal HRS zahlt wegen Bestpreisklauseln 4 Millionen

Im Streit um Bestpreisklauseln haben sich das Buchungsportal HRS und die Hotelbranche geeinigt. HRS wird der außergerichtlichen Einigung zufolge 4 Millionen Euro an den Hotelverband Deutschland (IHA) leisten, wie der Ver... » mehr

Amazon-Dash-Button

02.08.2019

Amazon klemmt «Dash»-Bestellknöpfe ab

Amazons «Dash»-Bestellknöpfe, die an eine Türklingel erinnern, sind endgültig Geschichte. Erst stoppte der Konzern den Verkauf neuer Buttons, bald werden auch die bestehenden nicht mehr funktionieren. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

14. MTB-Bergzeitfahren Geba Herpf

MTB-Bergzeitfahren Geba | 17.08.2019 Herpf
» 60 Bilder ansehen

Pur auf Coburger Schlossplatz Coburg

Pur beim HUK Coburg Open-Air-Sommer 2019 | 16.08.2019 Coburg
» 25 Bilder ansehen

Highfield Festival 2019

Highfield Festival |
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 06. 2019
15:49 Uhr



^