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Protest gegen EU-Urheberrechtsreform: Deutsche Wikipedia abgeschaltet

Kurz vor der letzten Abstimmung in der kommenden Woche formiert sich massiver Protest gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform. Für 24 Stunden geht nun auch die Online-Enzyklopädie Wikipedia offline - erntet dafür aber auch Kritik.



Aus Protest gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform ist die deutschsprachige Version von Wikipedia am Donnerstag für einen kompletten Tag abgeschaltet worden. Statt des Online-Lexikons erschien ein Appell an die Nutzer, die Abgeordneten des Europäischen Parlaments zu kontaktieren. Wikipedia ist zwar ausdrücklich vom Artikel 13 der neuen Urheberrechtsrichtlinie zu den Upload-Filtern ausgenommen. «Unser Ziel ist es aber nicht, eine Oase Freien Wissens in einer unfreien Wüste des Internets zu sein», schreibt John Weitzmann von Wikimedia Deutschland in einem Blogbeitrag. Das EU-Parlament will am kommenden Dienstag über die Urheberrechtsrichtlinie abstimmen.

Die Aktion ist in der Wikipedia-Community umstritten, auch weil die Wahlbeteiligung an der Streikabstimmung äußerst gering ausfiel. Von den 4931 abstimmungsberechtigten Autoren haben sich nur 215 an dem «Meinungsbild» beteiligt. 146 stimmten für die Blockade, 69 dagegen. Die Blockade betrifft nur die Webvariante der deutschsprachigen Wikipedia. Die offiziellen Apps für Smartphones und Tablet Computer zeigten am Donnerstag weiterhin die Inhalte der Online-Enzyklopädie an.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger kritisiert die Aktion. Damit gebe die Online-Enzyklopädie ihre Neutralität auf, die sie bislang für sich beansprucht habe, heißt es in einem Kommentar. «Und dies ohne jede Legitimation.» Eine so geringe Zahl an Autoren könne nicht für die Gesamtheit aller Autoren sprechen. Weder die Wikipedia Foundation, noch Wikimedia Deutschland «haben aus Sicht des BDZV ein Mandat, die Plattform Wikipedia in einer solchen Weise für den politischen Meinungskampf zu instrumentalisieren», hieße es.

Der Digitalverband Bitkom unterstützt dagegen die Aktion von Wikipedia. Die Enzyklopädie sei «nicht nur das wichtigste Online-Lexikon, sondern auch ein Symbol für die Meinungsfreiheit im Netz», sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Die drohende Zensurgefahr durch Uploadfilter habe viele Menschen aufgeschreckt. Zum jetzigen Stand hätte Artikel 13 zur Folge, dass zahlreiche Plattformen ihre Inhalte filtern und im Zweifel blockieren müssten. Erst nach berechtigten Beschwerden könnten fälschlich blockierte Inhalte wieder hochgeladen werden. «Meinungsfreiheit nur auf Antrag - das ist einer pluralistischen Demokratie unwürdig», sagte Rohleder.

Die Mehrheit der Wikipedia-Autoren, die sich an dem «Meinungsbild» beteiligten, befürchten erhebliche Einschränkungen durch die geplante Reform. Dabei beziehen sie sich besonders auf den heftig umstrittenen Artikel 13. «Selbst kleinste Internetplattformen müssten Urheberrechtsverletzungen ihrer Userinnen und User präventiv unterbinden, was in der Praxis nur mittels fehler- und missbrauchsanfälliger Upload-Filter umsetzbar wäre», heißt es in einem Text, der auf der Wikipedia-Seite veröffentlicht wurde. «Zudem müssten alle Webseiten für kurze Textausschnitte aus Presseerzeugnissen Lizenzen erwerben, um ein neu einzuführendes Verleger-Recht einzuhalten», hieß es weiter. «Beides zusammen könnte die Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit erheblich beeinträchtigen.»

Die deutschsprachige Wikipedia umfasst aktuell knapp 2,3 Millionen Artikel und wird etwa 30 Millionen Mal am Tag abgerufen. Weltweit steht Wikipedia laut eigener Angaben auf Platz 5 der meistaufgerufenen Webseiten, in Deutschland auf Platz 7. dpa

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Veröffentlicht am:
21. 03. 2019
11:32 Uhr

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