Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

Computer

Bücherschleppen ist in digitaler Schule passé

Während beim Digitalpakt Schule noch über die Verwendung der Mittel diskutiert wird, ist die Oberschule Gehrden bei Hannover schon weiter: Sie arbeitet fast vollständig digital. Jeder Schüler hat hier sein eigenes Tablet - doch damit ist es nicht getan.



Digitale Schule
Unterricht in der 5. Klasse an der Oberschule Gehrden. (Fast) Immer mit dabei: Tablets auf jedem Platz.   Foto: Julian Stratenschulte

Von Blöcken oder Heften fehlt im Klassenzimmer jede Spur, dafür leuchten viele Displays. «Die Lehrer sind fit, sie sind zu fit», sagt Nikolai.

Zocken sei während des Unterrichts nicht möglich, Schummeln erst recht nicht. Der Zwölfjährige meint das iPad, das vor ihm liegt. Alle Schüler haben ein Tablet. Schulbücher stehen in der Oberschule Gehrden bei Hannover nur vereinzelt in den Regalen.

Bereits auf den Fluren merkt man, dass in dieser Schule etwas anders ist. Mädchen und Jungen sitzen während des Unterrichts mit ihren Tablets auf dem Boden im Gang und lösen Matheaufgaben. Einige von ihnen haben einen speziellen Stift in der Hand, mit dem sie auf dem Bildschirm schreiben können. Es herrscht Campus-Atmosphäre. Mittlerweile wird hier fast komplett digital gearbeitet. Wo früher eine Tafel war, steht heute ein großer Fernseher. Wenn die Fünft- bis Zehntklässler etwas präsentieren wollen, verbinden sie ihr Tablet mit dem Fernseher oder schicken die Dateien an ihre Mitschüler. Alle haben eine digitale Mappe, in der sie Aufgaben bearbeiten und abgeben.

Nach monatelangem Hin und Her hatten sich die Bundesregierung und die Länder im Februar auf den Digitalpakt geeinigt. 30.000 Euro soll jede Schule in Niedersachsen in einem ersten Schritt erhalten: Damit sollen WLAN-Netze eingerichtet, Cloud-Angebote geschaffen und interaktive Tafeln angeschafft werden.

Wie eine digitale Schule aussehen kann, zeigt die Oberschule Gehrden. Nach ersten Tests im Jahr 2010 stellte sie sich nach und nach um. Unterstützung erhielt sie dabei vom Träger, der Stadt Gehrden. «Wir hatten Glück, vorausschauende Mitarbeiter bei der Stadt zu haben», erinnert sich Schulleiter Carsten Huge. Insgesamt seien rund 150.000 Euro in Digitalisierung, Glasfaserkabel, WLAN-Netze und Server gesteckt worden. Ende 2017 erhielt die Oberschule als erste öffentliche deutsche Schule die Auszeichnung «Apple Distinguished School». Weltweit tragen laut iPad-Hersteller Apple inzwischen 470 Schulen diesen Titel, davon 7 in Deutschland.

«Wir sind noch lange nicht am Ende», betont der Schulleiter. Der Personalbedarf werde sich ändern. «Es müssen neue Stellen geschaffen werden, die Schule braucht einen IT-ler.» Mit dem Kauf von Tablets sei es nicht getan, meint auch die didaktische Leiterin, Anke Berlin: «Das iPad ist nicht das Allheilmittel.» Häufig fehle es noch an passenden Unterrichtsmaterialien. Die hätten die Lehrer meist selbst erstellen müssen.

«Nahezu jedes Material, das die Verlage heute verkaufen, ist immer auch digital erhältlich - Text, Audio, Video, Bilder, auch Wandkarten und Atlanten», sagt dagegen Ilas Körner-Wellershaus, Vorsitzender des Verbandes der Bildungsmedien. Der Trend gehe aber zu Plattformen, die das digitale Lehrbuch im Mittelpunkt haben und dem die Lehrkräfte dann eigenes und fremdes Material zuordnen können.

Insgesamt verändere sich das Arbeiten der Lehrer, meint Schulleiter Huge. «Aus Einzelkämpfern werden Teamplayer.» Dabei komme auch den Schülern eine andere Rolle zu. «Wir brauchen eine Abkehr vom Frontalunterricht hin zu einer Mitwirkungspflicht der Schüler.» Die Schule solle Qualifikationen vermitteln, auf die es im Berufsleben ankommt. Das Tablet sei ein Werkzeug dafür.

Bei den Schülern kommen die Geräte gut an. «Es ist einfacher und praktischer, und es ist nicht so viel zu tragen», sagt die zwölfjährige Hanna. Die Geräte gehören den Kindern. Die Eltern können das Tablet in einer Summe oder in monatlichen Raten zahlen.

Damit es im Unterricht nicht zu Problemen kommt, gibt es zehn sogenannte iPad-Regeln. Eine davon: Das Tablet muss am Morgen mit 100 Prozent geladen sein. Einen Freifahrtschein zur unkontrollierten Nutzung soll es nicht geben. «Die iPads können überwacht werden», sagt Nikolai. Man könne nicht einfach daddeln, ohne dass der Lehrer es bemerkt. Die Lehrkräfte könnten während des Unterrichts mit einer App jederzeit die Bildschirme der Geräte kontrollieren. Wichtig sei es, alle Daten zu speichern. Sonst könne etwas verloren gehen, sagt sein Mitschüler Sverre.

Trotz aller Digitalisierung gibt es noch Situationen, in denen an der Oberschule Gehrden ganz klassisch und analog gearbeitet wird, denn auf dem Weg zur digitalen Schule in Niedersachsen sind noch juristische Fragen offen. Klassenarbeiten müssen in Gehrden aufgrund fehlender rechtlicher Grundlagen noch mit Stift und Papier geschrieben werden. Das findet nicht jeder schlimm. Hanna (12) sagt: «Die Klassenarbeiten sind analog besser.»

Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
16:25 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apple Digitalisierung Digitalpakt Fernsehgeräte Klassenarbeiten Lehrerinnen und Lehrer Mitschüler Schulrektoren Schülerinnen und Schüler Tablet PC iPad
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Apple

18.03.2019

Apple stellt neue iPad-Generation vor

Im Hardware-Geschäft von Apple hatte sich zuletzt der Tablet-Computer iPad - im Gegensatz zum iPhone - als äußerst stabil erwiesen. Nun spendiert Apple der neuen iPad-Generation einige Funktionen, die bislang der Pro-Mod... » mehr

Apple

06.06.2019

App-Entwickler verklagen Apple wegen App-Store-Konditionen

Apples Rolle als Betreiber des App Stores, der die einzige zugelassene Quelle für Anwendungen auf iPhone und iPad ist, geriet zuletzt verstärkt in die Kritik. » mehr

WWDC 2019

03.06.2019

Apple-Entwicklerkonferenz WWDC geht an den Start

Bevor im Herbst neue iPhone-Modelle kommen, zeigt Apple schon mal, was sie Neues können werden. Bei der Entwicklerkonferenz WWDC enthüllt der Konzern traditionell seine nächsten Betriebssysteme. In diesem Jahr könnte es ... » mehr

Tim Cook

31.05.2019

Was von Apples Entwicklerkonferenz WWDC zu erwarten ist

Facebook, Google und Microsoft haben mit ihren Entwicklerkonferenzen vorgelegt - nun ist Apple dran: Auf der WWDC verkündet Apple-Chef Tim Cook die Perspektiven für die kommenden Monate. Die Erwartungen an den iPhone-Kon... » mehr

App Store

14.05.2019

Oberstes US-Gericht lässt App-Store-Klage gegen Apple zu

Apps auf dem iPhone kann man nur über Apples Plattform laden. Klagende US-Verbraucher wollen diese Einschränkung kippen. Apple wollte, dass die Klage abgewiesen wird, doch das Oberste US-Gericht weigerte sich. » mehr

Tim Cook

01.05.2019

Apple kann bei iPhone-Rückgängen gegensteuern

Der deutliche Rückgang beim iPhone-Umsatz im Weihnachtsquartal hatte Anleger aufgeschreckt. Inzwischen bekommt Apple das Problem nach eigenen Angaben besser in den Griff - und 75 Milliarden Dollar für einen weiteren Akti... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Backhausfest_Hirschdorf Hirschdorf

Backhausfest Hirschdorf | 23.06.2019 Hirschdorf
» 52 Bilder ansehen

Jubiläum Christoph 60 Suhl

Jubiläumsfest Christoph 60 | 23.06.2019 Suhl
» 23 Bilder ansehen

1200-Jahrfeier-Auftakt Kaltenlengsfeld Kaltenlengsfeld

1200-Jahrfeier-Auftakt Kaltenlengsfeld | 22.06.2019 Kaltenlengsfeld
» 36 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
16:25 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".