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Faktencheck

Mehr als eine Million auf Demo gegen die Corona-Maßnahmen?

Laut Polizei haben 20 000 Menschen in Berlin gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. Auf der Demonstration und in den sozialen Netzwerken wurde von 1,3 Millionen Menschen gesprochen. Kann das hinkommen?



Demonstration in Berlin
Ein Foto, das zwischen 16.00 und 17.00 Uhr von der Siegessäule aus aufgenommen wurde, zeigt die Kundgebung auf einem Abschnitt der Straße des 17. Juni in Berlin.   Foto: Christoph Soeder/dpa

Gegner der Corona-Beschränkungen haben am Wochenende in Berlin demonstriert. Der Veranstalter beendete eine der Demos wegen Verstößen gegen das Hygienekonzept, eine anschließende Kundgebung löste die Polizei auf.

Diskussionen gibt es aber nicht nur um das Verhalten der Teilnehmer in Pandemie-Zeiten. Sondern auch darum, wie viele es am Samstag tatsächlich waren.

BEHAUPTUNG: Die Veranstalter von «Querdenken 711» behaupten, auf der Kundgebung «Tag der Freiheit: Das Ende der Pandemie» seien 1,3 Millionen Menschen gewesen. Die Zahlen wurden auch von Rednern auf der Demonstration selbst verbreitet, wie ein Video der Veranstalter zeigte; dieses wurde jedoch inzwischen bei Youtube gelöscht. Auch diverse Posts in den sozialen Medien verbreiten die Zahl. Darunter ist auch etwa ein Bundestagsabgeordneter der AfD, Stephan Protschka.

BEWERTUNG: Die Zahl von 1,3 Millionen Menschen ist deutlich zu hoch.

FAKTEN: Die Polizei zählte nach eigenen Angaben 20 000 Demonstranten auf der Straße des 17. Juni. Bei einem vorherigen Protestzug der Gegner der Corona-Maßnahmen seien es 17 000 gewesen. Bei beiden Veranstaltungen wurden laut Polizei jeweils alle Personen mitberechnet, die eine Zeit lang an den Protesten teilnahmen.

Die Polizei widerspricht Behauptungen aus dem Netz, Beamte hätten eine Teilnehmerzahl von 800 000 Menschen bestätigt. «Eine exorbitant höhere Zahl, die laut verschiedener Tweets durch uns genannt worden sein soll, können wir nicht bestätigen», heißt es in einem Twitter-Beitrag der Berliner Einsatzkräfte.

Die Polizei hat in der Regel verschiedene Möglichkeiten, bei Versammlungen die Teilnehmerzahl zu erfassen. «Einmal direkt an der Wegstrecke oder aus der Luft mit einem Hubschrauber, der Übersichtsaufnahmen macht», sagte der Fachgebietsleiter für polizeiliches Einsatzmanagement an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster, Gustav Zoller. «Anhand dieser Bilder kann man die Teilnehmerzahlen gut schätzen.» Die Differenz der Teilnehmerzahlen, die nun diskutiert werde, bezeichnete Zoller als «extrem». Ihm sei kein Fall bekannt, dass sich die Polizei schon einmal so stark verschätzt habe.

Fotoaufnahmen eines dpa-Fotografen zwischen 16.00 und 17.00 Uhr zeigen, dass sich der Protest auf ein Areal zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule beschränkt. In Richtung beider Sehenswürdigkeiten sind jeweils große Lücken in der Menge zu sehen. Dicht beieinander stehen die Menschen vor allem um die Bühne herum. Die Kundgebung füllte demnach eine halbe Stunde nach Beginn nur einen kleineren Teil der Straße des 17. Juni und endete weit vor der Siegessäule, von wo aus die Bilder aufgenommen worden sind. Nicht lange danach löste die Polizei die Kundgebung auf.

Tools wie «MapChecking» können grob berechnen, wie viele Menschen Platz auf einer bestimmten Fläche finden. Der Abschnitt der Straße des 17. Juni, auf der die Kundgebung stattfand, fasst demnach selbst bei dichtestem Gedränge bei weitem nicht 1,3 Millionen Personen. Bei Mega-Events wie der Loveparade mit über einer Millionen Menschen war eine deutliche größere Fläche auch um die Siegessäule herum belegt. Damals waren allerdings ebenfalls nicht zwangsläufig alle Teilnehmer zur gleichen Zeit vor Ort.

© dpa-infocom, dpa:200803-99-26983/3

Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
18:23 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 08. 2020
18:23 Uhr



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