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Faktencheck

Wieder trocken und heiß? Die Sommer-Prognose im Faktencheck

Steht Deutschland ein ähnlich heißer und trockener Sommer bevor wie in den vergangenen beiden Jahren? Was Langzeitprognosen taugen - ein Faktencheck.



Sommer 2019
2019 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in Europa und das zweitwärmste weltweit.   Foto: Friso Gentsch/dpa

Hitze, Dürre, Unwetter: Erste Wettermeldungen für den Sommer 2020 weisen auf extreme Wetterlagen hin. Ein US-Wetterdienst kündigt Trockenperioden für Deutschland an. Doch wie verlässlich sind solche Langzeitprognosen?

BEHAUPTUNG: Deutschland steht erneut ein heißer und trockener Sommer mit Dürreperioden bevor.

BEWERTUNG: Langfristige Vorhersagen sind nicht zuverlässig. Gerade in Mitteleuropa gibt es große Unsicherheiten.

FAKTEN: 2019 war ein heißer und trockener Sommer. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war er der drittwärmste seit Aufzeichnungsbeginn 1881. Am 25. Juli wurden an 25 Stationen Temperaturen von 40 Grad Celsius oder mehr gemessen. Zu wenig Regen verschärfte das Niederschlagsdefizit vom Vorjahr.

Das Auftreten eines zweiten Sommers in Folge mit außergewöhnlich hohen Temperaturen und einer länger anhaltenden Trockenheit war für Deutschland laut DWD einzigartig. Wird es 2020 so weitergehen?

«Es ist schwierig, zu diesem Zeitpunkt verlässliche Aussagen für diesen Sommer zu treffen», sagt Andreas Friedrich, Sprecher des DWD. Die Bundesbehörde erstellt mit anderen Institutionen sogenannte Jahreszeitenprognosen. Das sind keine Wettervorhersagen, wie sie etwa in Apps für die nächsten Tage gemacht werden. Vielmehr sind es Indizien, was in einem bestimmten Zeitraum - meist drei Monate - klimatisch anstehen könnte.

Nach diesen Prognosen (Stand: 1. Juni 2020) sind für die Monate Juli, August und September im Vergleich zum Mittelwert aus den letzten rund 30 Jahren «geringfügige Temperaturabweichungen nach oben» zu erwarten. Im Vergleich zu den letzten beiden heißen Sommern deuteten die Werte aber eher auf kühlere Temperaturen hin, erklärt Friedrich.

Was den Niederschlag betrifft, prognostiziert der DWD «normale Verhältnisse». Jedoch schränkt Friedrich die Präzision dieser Daten ein: «Die Trends sind sehr, sehr unsicher.» Gerade für Mitteleuropa sei die Prognose nicht unbedingt verlässlich, weil hier das Wetter besonders unbeständig sei.

«Was diese Langzeitprognosen auch nicht aussagen, ist, wann es innerhalb der drei Monate besonders heiß oder trocken wird», erklärt Friedrich. Die Urlaubsplanung sollte deshalb nicht daran festgemacht werden. Die vom DWD ermittelten Trends stellen einen Mittelwert für den Dreimonatszeitraum dar.

2019 hatte der DWD im April einen Dürresommer für möglich gehalten, weil es im Winter zu wenig Niederschlag gegeben hatte und die Wasserspeicher aus dem Rekordjahr 2018 nicht nachgefüllt worden waren. Ein solcher Trend sei für den Sommer 2020 wegen der höheren Bodenfeuchtwerte nicht zu erkennen. Der sehr nasse Februar habe etwa dazu geführt, dass sich der Boden vielerorts erholen konnte. Von Mitte März bis Ende April sei es allerdings zu trocken gewesen. «Ob es wieder zu Trockenheit und Dürreperioden kommt, hängt stark vom Niederschlag in den kommenden Wochen ab», erklärt Friedrich.

Der wegen seiner Langzeitvorhersagen umstrittene US-Dienst «AccuWeather» geht von heißen und trockenen Wetterbedingungen im Sommer in Europa aus: «Für Teile Ostfrankreichs und Westdeutschlands wäre dies der dritte Sommer in Folge, in dem Dürre herrscht.» Es sei mit niedrigen Wasserständen im Rhein zu rechnen. In Deutschland werde es Unwetter geben, weil Kalt- und Warmwetterfronten aufeinander prallen. Sind solche Vorhersagen glaubhaft? «Nein», sagt Friedrich. «Langzeitprognosen können solche Informationen nicht leisten.»

Auf lange Sicht dürften infolge des Klimawandels in Europa Hitzewellen häufiger auftreten. Diese haben aber vorrangig nichts mit Wettervorhersagen oder Jahreszeitenprognosen zu tun. Denn: Klimawandel heißt nicht, dass jeder Sommer ein Hitzesommer wird. Doch macht der Klimawandel Hitzesommer wahrscheinlicher.

Veröffentlicht am:
19. 06. 2020
10:17 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 06. 2020
10:17 Uhr



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