Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Faktencheck

Zwei Menschen maximal - Neue Regeln und Rettungspläne

Leere Boulevards und geschlossene Cafés schaffen eine unwirkliche Atmosphäre. Jetzt ordnet der Staat an, das soziale Leben bundesweit noch weiter herunterzufahren. Die Folgen der Corona-Krise will der Bund mit aller Kraft abfedern.



Die Straßen sind leer. Die Menschen sind besorgt. Und die Infektionszahlen steigen - am Sonntag auf mindestens 24 100 in Deutschland. Gerade deshalb gelten für alle Bürgerinnen und Bürger jetzt noch drastischere Einschränkungen der sozialen Kontakte. Was die weitreichenden Beschlüsse von Bund und Ländern vom Sonntag bedeuten - und was die Politik gegen die Krise für Mieter, Beschäftigte und Wirtschaft tun will:

Gilt eine Ausgangssperre in Deutschland?

Nein. Aber: Mehr als zwei Menschen dürfen sich nicht zusammen draußen aufhalten - es sei denn es sind Angehörige aus dem gemeinsamen Haushalt. Also mit einem Freund, einer Freundin spazieren gehen ja - zu dritt nicht. Zu allen anderen soll man, wo immer möglich, einen Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten.

Was gilt für die eigene Wohnung?

Generell sollen alle Kontakte zu anderen außer den Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum reduziert werden. Ausdrücklich genannt ist die Zwei-Kopf-Regel für drinnen in dem Beschluss von Bund und Ländern aber nicht. Auch hier darf es aber etwa keine Gruppen feiernder Menschen geben. Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen sollen von den Ordnungsbehörden und der Polizei überwacht und bei Zuwiderhandlungen sanktioniert werden.

Wie hoch sind die Strafen?

Bis zu 25 000 Euro etwa in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Bundesweite Vorgaben gibt es nicht. «Von Strafhöhen oder Ordnungsgeldern ist heute nicht gesprochen worden», so Merkel. Aber: Es handele sich nicht um Empfehlungen, sondern Regeln - mit Folgen bei Nichteinhaltung.

Was ist draußen noch erlaubt?

Joggingrunden, Toben mit den eigenen Kindern oder Gassi-Gänge zum Beispiel. Also Sport und Bewegung an der frischen Luft - aber eben individuell. Der Weg zur Arbeit oder zur Notbetreuung der Kinder bleibt erlaubt, Einkäufe, Arztbesuche, zu nötigen Terminen und Prüfungen, Hilfe für andere.

Was muss bundesweit geschlossen werden?

Restaurants und Cafés - Essen darf man sich nur nach Hause liefern lassen oder es abholen und zu Hause essen. Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios müssen geschlossen bleiben.

Werden Homeoffice oder Produktionseinschränkungen vorgeschrieben?

Nein, dazu gibt es keine bundesweite Regelung. In Betrieben sollen aber Hygienevorschriften eingehalten werden - mit Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Besucher.

Dürfen Länder und Kreise darüber hinaus gehen?

Ja, vielfach gelten auch schon schärfere Regeln. In Bayern darf weiterhin nur der an die frische Luft, der zu einem Hausstand gehört. Das Land Sachsen verschärft die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Von Montag null Uhr an gilt für den gesamten Freistaat eine Ausgangsbeschränkung. Danach ist das Verlassen von Wohnung oder Haus ohne triftigen Grund untersagt, wie Innenminister Roland Wöller (CDU) am Sonntag in Dresden sagte. Wege zur Arbeit und zum Einkaufen bleiben demnach erlaubt, ebenso wie Sport und Bewegung unter freiem Himmel und Besuche im eigenen Kleingarten.

Wie funktionieren die bisherigen Beschränkungen für draußen?

Überwiegend gut, wie die Behörden berichteten. Ob in Frankfurt, Essen, Hamburg oder an der Spree im Berliner Regierungsviertel: Auch am Sonntag waren meist nur einzelne Menschen, Paare oder Familien mit Kindern zusammen unterwegs. Es gab aber auch immer wieder Verstöße. In Neuruppin zum Beispiel löste die Polizei am Wochenende gleich sechs größere Feiern und Sporttreffen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. In Bayern gab es bis Sonntagnachmittag bei 25 000 Polizeikontrollen 500 Beanstandungen.

Was tut nun die Regierung zur Abfederung der Folgen?

In der neuen Woche sollen große Schutzschirme für Unternehmen, Beschäftigte, Soloselbstständige und Kliniken aufgespannt werden. Umfangreiche Rechtsänderungen soll es geben. Das Ganze soll im Schnellverfahren beschlossen werden: Am Montag im Kabinett, am Mittwoch im Bundestag und am Freitag im Bundesrat.

Wie teuer sollen die Schritte werden? 

Das kann noch niemand sagen: Die Bundesregierung plant einen Nachtragshaushalt von 156 Milliarden Euro für 2020. Allein ein Rettungsschirm für Firmen - der «Wirtschaftsstabilisierungsfonds» - soll mit 600 Milliarden Euro ausgestattet werden. Kleinunternehmen und Selbstständige sollen bis zu 15 000 Euro direkt bekommen.

Was ist für Mieter geplant?

Mietschulden infolge von Einkommensausfällen sollen nicht zur Kündigung führen. Gelten soll dies für Mietschulden aus dem Zeitraum vom 1. April bis 30. September 2020. Die Verpflichtung der Mieter zur Zahlung der Miete soll zwar im Grundsatz bestehen bleiben. Aber die Vermieter sind auf den Barrikaden: Der Präsident ihres Verbands Haus & Grund, Kai Warnecke, sagt: «Die Bundesregierung will Menschen im Stich lassen, die ihren Lebensunterhalt, Unterhaltspflichten und sonstige Zahlungsverpflichtungen aus Mietzahlungen bestreiten.» Der Deutsche Mieterbund begrüßte dagegen den Gesetzentwurf.

Was ist für Beschäftigte geplant?

Vor allem mit Kurzarbeit sollen Unternehmen Beschäftigte leichter halten können - statt sie in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Fällt die Arbeit weg, bekommen Beschäftigte dann 60 Prozent des Lohns, mit Kindern 67 Prozent. Einen leichteren Zugang zum Kinderzuschlag soll es geben - und den Wegfall von Prüfungen für Hartz-IV-Anträge, damit die Menschen im Notfall nicht ins Bodenlose fallen. Auch Entschädigungen sind geplant, wenn der Verdienst ausfällt, weil die Kinder daheim betreut werden müssen.

Was will die Regierung noch tun?

Sie will Deutschlands Krankenhäusern mit mehr drei Milliarden Euro helfen. Daneben will der Bund zum Seuchenschutz umfassender selbst durchgreifen können. Lockerungen soll es beim Insolvenzrecht geben, so dass Firmen nicht so schnell vor dem Aus stehen.

Veröffentlicht am:
22. 03. 2020
19:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
CDU Coronavirus 19 Deutscher Bundesrat Deutscher Bundestag Deutscher Mieterbund Familien Kinder und Jugendliche Kinderzuschlag Kosmetikstudios Massagepraxen Mieterinnen und Mieter Polizei Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Roland Wöller Vermieter Öffentliche Behörden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Obst und Gemüse

27.09.2019

Sind Vegetarier Klimaretter?

Rund sieben Millionen Deutsche verzichten auf Fleisch. Ihren Lebensstil würdigt der Welt-Vegetariertag am 1. Oktober - und das seit 1977. Wer kein Fleisch isst, lebt umweltbewusster, heißt es. Sind Vegetarier Klimaretter... » mehr

Daran wird sich wohl nie etwas ändern: Auch neue gesetzliche Regelungen bedeuten für die Betroffenen vor allem eins: Akten wälzen. Foto: Christin Klose/dpa

Aktualisiert am 19.12.2019

Freibeträge und Pauschalen: Das bringt 2020

Neues Jahr, neue Regeln: Im Januar 2020 steigt das Wohngeld, Arbeitnehmer in Mitarbeiterwohnungen können Steuern sparen und der Grundfreibetrag wird angehoben. Was sich sonst noch ändert. » mehr

Impfung

14.11.2019

Gerüchte und Wahrheiten zur Masernimpfung

Soll ich mein Kind gegen Masern impfen lassen? Diese Entscheidung will der Bundestag Eltern mit einer Pflicht beim Besuch von Kindergärten und Schulen abnehmen. Viele sind trotzdem verunsichert. Einige Fakten für den Dur... » mehr

Baustelle

03.03.2020

Verbessert die Fußball-WM die Lage der Arbeiter in Katar?

Immer wieder kritisieren Menschenrechtler die Bedingungen, unter denen Ausländer in dem reichen Golfemirat Katar arbeiten müssen. Auch Berichte über Todesfälle werfen einen Schatten auf die WM 2022. » mehr

Mobilfunkstandard 5G

18.11.2019

Macht uns 5G krank?

Noch schneller und vor allem flächendeckend soll das Internet mit 5G werden. Neben Hoffnungen gibt es aber auch Befürchtungen. Macht uns der neue Mobilfunkstandard krank? Ein Faktencheck. » mehr

Umfrage: Mehrheit ist im Weihnachtsurlaub dienstlich erreichbar

24.12.2019

Gesund durch die Festtage

Das stille Fest setzt der Gesundheit so mancher Menschen ziemlich zu. Ein Experte gibt Tipps, wie Weihnachten gesundheitlich nicht zum Desaster gerät. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
22. 03. 2020
19:26 Uhr



^