Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Faktencheck

Faktencheck zum Anti-CDU-Video: Hat Rezo recht?

Frontalangriff auf die CDU: In seinem fast eine Stunde langen Video macht der Youtuber Rezo der Volkspartei jede Menge Vorwürfe - etwa zu Armut und Klima. Zwei Behauptungen im Check.



YouTuber Rezo
Rezo hat ein Video mit dem Titel «Die Zerstörung der CDU» online gestellt. Doch was ist dran?   Foto: Privat

Millionenfach wurde das Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo geklickt. Unter anderem hält er den Christdemokraten vor, beim Klimawandel untätig zu sein und Politik für Reiche zu machen. Die Union weist die Vorwürfe zurück. Doch was ist dran? Zwei Beispiele.

KOHLE UND KLIMA

REZO SAGT: CDU und SPD bauten 80.000 Arbeitsplätze in der Solarbranche (in den Jahren 2012 bis 2015) ab und hielten an 20.000 Arbeitsplätzen in der Kohle-Industrie fest.

FAKTEN: Rezo bezieht sich mit seinen Zahlen auf die Aussagen von Volker Quaschning, einem Professor für Regenerative Energiesysteme in Berlin. Tatsächlich hatte die Bundesregierung im Jahr 2012 die Förderbeträge für Solarenergie geändert. Das machte die Nutzung von Photovoltaik weniger attraktiv - und führte zu einem Abbau von Arbeitsplätzen in der Solarbranche.

Allerdings war auch die ausländische Konkurrenz in den Jahren zuvor immer stärker geworden. Die gesunkenen Preise hatten die heimische Photovoltaik-Industrie ebenso belastet. Vor allem aber regierte im Jahr 2012 die Union mit der FDP - und nicht mit der SPD, wie Rezo behauptet.

Laut Bundeswirtschaftsministerium hat sich die Zahl der Beschäftigten bei den Erneuerbaren Energien von 2000 bis 2016 mehr als verdreifacht: Von rund 100.000 Menschen auf knapp 340.000. Im Gegenzug ist die Zahl der Menschen, die in der Kohlebranche arbeiten, auf rund ein Drittel gesunken. Direkt in der Braunkohle-Industrie arbeiten nach Angaben des Branchenverbandes rund 21.000 Menschen. Die Zahl blieb seit 2005 recht konstant. Dazu kommen rund 5700 Menschen in der Steinkohle - rund 85 Prozent weniger als im 2005.

Der Ausstieg aus der Kohle ist eine Entscheidung, an der mehrere politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Gruppen beteiligt waren. Die Umweltorganisation BUND nannte es einen «gesellschaftlichen Großkonflikt». Auch der BUND hat dem Kohlekompromiss mit dem Ausstieg bis zum Jahr 2038 im Grundsatz zugestimmt. In einem sind sich Rezo, der BUND und etwa auch das Umweltbundesamt einig: Kohle ist für das Klima eine bedenkliche Energiequelle.

ARM UND REICH

REZO SAGT: Die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander. «Die ärmsten 50 Prozent haben immer weniger Geld und die reichsten 10 (Prozent) immer mehr Geld. Dazu stieg die Armut in Deutschland in den letzten Jahren konstant an.»

FAKTEN: Rezos Aussage bezieht sich auf eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). In der entsprechenden DIW-Pressemitteilung von Januar 2018 steht: «Der Einkommensanteil der unteren 50 Prozent sank von 26 Prozent im Jahr 1995 auf knapp 17 Prozent im Jahr 2013.» Aus dieser Quelle zu schlussfolgern, dass die unteren 50 Prozent immer weniger Geld hätten, ist falsch. Zu erkennen ist allerdings: Der wirtschaftliche Aufschwung kommt nicht bei allen gleichermaßen an.

Die DIW-Untersuchung wurde anhand der Bruttoeinkommen gemacht - also bevor zum Beispiel Steuern vom Gehalt abgezogen oder geringe Einkommen mit Sozialleistungen vom Staat aufgestockt wurden. Wie viel Geld am Ende auf dem Konto ankommt, ist aus der Studie nicht abzulesen.

Der DIW-Wissenschaftler Markus Grabka sagte allerdings der Deutschen Presse-Agentur: «Die Bezieher von niedrigen Einkommen sind in den letzten Jahren mehr geworden.» Zudem sind in dieser Gruppe die Einkommen gesunken. Während es also für die Mehrheit der Deutschen beim Geld bergauf ging, nahmen für die unteren 10 Prozent seit 2010 trotz guter Wirtschaftslage und geringer Arbeitslosigkeit die realen Einkommen ab. Das zeigt ein jüngst veröffentlichter DIW-Bericht.

Die Zahl der Niedriglohn-Bezieher ist in den vergangenen Jahren gewachsen - und sie verfügen zugleich über weniger Einkommen. Wenn Rezo das mit seinem plakativen Satz («dazu stieg die Armut in Deutschland in den letzten Jahren konstant an») meint, dann hat er Recht. Bezogen auf die Hälfte der Bevölkerung ist die Aussage aber falsch.

Veröffentlicht am:
23. 05. 2019
18:31 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beschäftigungsindikatoren Bruttoeinkommen Bundesministerium für Wirtschaft CDU Deutsche Presseagentur Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Einkommensverteilung FDP Kohlegewinnung Löhne und Einkommen Niedrige Einkommen SPD Solarbranche Solarenergie Umweltbundesamt Umweltschutzorganisationen Wirtschaftsbranche Energieerzeugung und -Versorgung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Abholzung im Regenwald

23.08.2019

Der Amazonas-Regenwald als «grüne Lunge» und Klimaretter

In Brasilien wüten die schwersten Regenwaldbrände seit Jahren. Fußball-Star Cristiano Ronaldo betet für den Amazonas-Regenwald, weil er ein Fünftel des weltweiten Sauerstoffs produziere. Stimmt das? » mehr

Obst und Gemüse

27.09.2019

Sind Vegetarier Klimaretter?

Rund sieben Millionen Deutsche verzichten auf Fleisch. Ihren Lebensstil würdigt der Welt-Vegetariertag am 1. Oktober - und das seit 1977. Wer kein Fleisch isst, lebt umweltbewusster, heißt es. Sind Vegetarier Klimaretter... » mehr

Baden im Freibad

24.06.2019

Chlorgeruch im Schwimmbad: Kein Zeichen von Sauberkeit

Es ist Sommer, mit Freude stürzen wir uns in die kühlen Fluten von Hallen- oder Freibad. Der typische Schwimmbadgeruch stört die Wenigsten - denn die Mehrheit weiß nicht, was dahinter steckt. » mehr

Tempolimit

11.04.2019

Faktencheck: Nützt ein Tempolimit auf Autobahnen der Umwelt?

Befürworter eines Tempolimits auf Autobahnen argumentieren etwa mit dem Klimaschutz. Geringere Geschwindigkeiten führten zu weniger Abgasausstoß. Nützt das also der Umwelt? » mehr

Umstellung auf Sommerzeit

29.03.2019

Faktencheck Zeitumstellung: Müde Menschen und Meridiane

Jahrein, jahraus, fast vier Jahrzehnte lang: Zeitumstellung in Deutschland. Wenn am Sonntag wieder die Sommerzeit beginnt, könnte es eines der letzten Male sein. Zeit, sich um ein paar Behauptungen zu kümmern. » mehr

Frank Plasberg

03.07.2019

Wirbel um angeblich rechtsextreme Geste bei «hart aber fair»

Mehrdeutige Zeichen sind ein beliebtes Mittel von Rechtsextremen. Einige Twitter-Nutzer behaupten nun, ein Mann habe einen rassistischen Szene-Code in einer Talkshow gezeigt. Jetzt äußert sich der Betroffene. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
23. 05. 2019
18:31 Uhr



^