Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Brennpunkte

Wirtschaftskrise im Libanon: Erneute Proteste in Beirut

Tausende strömen ins Zentrum von Beirut, um ihrem Unmut über die Zustände im Libanon Luft zu machen. Einige Demonstranten machen klar: Die Proteste werden erst enden, wenn sich im Land wirklich etwas ändert.



Erneute Proteste im Libanon
Am dritten Tag in Folge sind die Menschen in Beirut auf die Straße, um gegen die wirtschaftliche Situation zu protestieren und fordern die Regierung zum Rücktritt auf.   Foto: Marwan Naamani/dpa

Nach den schweren Protesten im Libanon mit brennenden Barrikaden und Straßenblockaden sind wegen der wirtschaftlichen Krise erneut Tausende Menschen in der Hauptstadt Beirut auf die Straße gegangen.

Die Demonstranten versammelten sich mit Landesflaggen am Regierungspalast und riefen «Revolution, Revolution». Polizei und Militär waren dort aus Sorge vor möglichen Ausschreitungen verstärkt im Einsatz. Mehrere Straßen wurden gesperrt. Auch im Süden des Landes kam es teilweise zu Demonstrationen.

Die Proteste richten sich gegen die politische Führung, der Kritiker Verschwendung öffentlicher Gelder und Korruption vorwerfen. Sie hatten am Donnerstag begonnen und zur Schließung von Schulen und Geschäften geführt. Teils schlugen Randalierer dabei Schaufenster ein. Für großen Unmut sorgte die Regierungsankündigung, künftig eine tägliche Gebühr von 0,20 Dollar auf die Nutzung von Kommunikationsdiensten wie WhatsApp zum Telefonieren zu erheben.

Premierminister Saad Hariri versuchte in Treffen mit Vertretern verschiedener Parteien, rasch einen Weg aus der Krise zu finden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Am Freitag hatte er bereits Besserungen versprochen und seinen politischen Partnern 72 Stunden Zeit gegeben, nach Lösungen zu suchen. Einige Demonstranten forderten am Samstag vorgezogene Parlamentswahlen.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah warnte, dass ein Regierungswechsel die Krise nicht lösen werde. «Hört auf, in die Taschen der Armen zu greifen», sagte er im Fernsehen. Die Hisbollah, die mehrere Minister in der Regierung stellt, werde keine neuen Steuern zulassen.

«Wir haben sie zuvor mit kleinen Protesten gewarnt, aber jetzt ist die Mehrheit der Libanesen genervt, vielleicht sind es sogar alle. Wir sind alle verschuldet», sagte eine Demonstrantin. Aktivist Ammar Abud sagte, die Bevölkerung habe erkannt, dass Proteste ihr einziges Mittel sei, um die Dinge zu ändern. «Wir bleiben hier, bis es Veränderungen gibt», sagte ein weiterer Demonstrant.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte, dass Sicherheitskräfte mit übermäßiger Gewalt vorgegangen seien, um «einen überwältigend friedlichen Protest» zu beenden. Die Polizei habe große Mengen Tränengas eingesetzt und Protestler mit gezogenen Waffen in Gassen gejagt und auch geschlagen, teilte Amnesty mit. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, alle am Freitag in Beirut festgenommenen Demonstranten seien wieder auf freiem Fuß. Aktivisten zufolge waren dort etwa 40 Menschen festgenommen worden.

Das kleine Land mit 6,8 Millionen Einwohnern kämpft mit einer Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Staatsverschuldung liegt bei 86 Milliarden US-Dollar (gut 77 Milliarden Euro), was einer Quote von etwa 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Es ist eine der höchsten Schuldenquoten weltweit.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 10. 2019
21:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amnesty International Demonstranten Demonstrationen Deutsche Presseagentur Hassan Nasrallah Hisbollah Hisbollah-Chefs Krawalle Menschenrechtsorganisationen Minister Parlamentswahlen Polizei Regierungen und Regierungseinrichtungen Saad Hariri Steuern und staatliche Abgaben Tränengas
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ort der Detonation

07.08.2020

Helfer bergen weitere Opfer in Beirut

Die Bergungsarbeiten in den Trümmern des Beiruter Hafens kommen nur langsam voran. Mittlerweile sind auch internationale Helfer im Einsatz. Doch die Hoffnung auf weitere Überlebende schwindet. » mehr

Proteste in Beirut

20.10.2019

Libanon: Demonstranten fordern Regierungswechsel

Am vierten Tag in Folge sind im Libanon Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Wegen der schweren Wirtschaftskrise im Land forderten die Demonstranten erneut einen Regierungswechsel. » mehr

Ausschreitungen in Beirut

10.08.2020

Libanons Regierung tritt nach Explosion zurück

Eigentlich wollte Libanons Ministerpräsident mit einer Neuwahl die Wut seiner Landsleute nach der gewaltigen Detonation beruhigen. Am Ende aber blieb Hassan Diab nur der Rücktritt. Am Mittwoch will sich Außenminister Maa... » mehr

Rauch über Belgrad

09.07.2020

Protest gegen Corona-Politik von Serbiens Präsident Vucic

Bis Anfang Mai galt in Serbien ein Lockdown, der strenger war als anderswo in Europa. Doch dann nahten die Parlamentswahlen und alle Einschränkungen fielen mit einem Schlag. Nun kehrt die Pandemie zurück, doch den Bürger... » mehr

Krawalle

11.07.2020

Krawalle in Belgrad: Demonstranten dringen in Parlament ein

Die Zahl der Corona-Fälle steigt in Serbien wieder. Doch gegen die Schutzmaßnahmen regt sich Widerstand. Der Protest richtet sich zunehmend gegen Präsident Vucic. Gewaltbereite Demonstranten dringen ins Parlament ein. Di... » mehr

Beirut

08.08.2020

Beirut: Gewalt bei Protesten - Premier schlägt Neuwahlen vor

Der Druck auf die libanesische Regierung ist nach der verheerenden Explosion im Beiruter Hafen groß. Viele Libanesen sind wütend. Jetzt reagiert Regierungschef Hassan Diab auf den Ärger seiner Landsleute. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Picknickkonzert in Kloster Veßra Kloster Veßra

Picknick-Konzert Kloster Veßra | 14.08.2020 Kloster Veßra
» 12 Bilder ansehen

Dachstuhl geht in Flammen auf

Dachstuhlbrand in Sonneberg |
» 29 Bilder ansehen

Unwetter Meiningen 11.08.20 Meiningen

Starkregen in Meiningen | 11.08.2020 Meiningen
» 4 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 10. 2019
21:19 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.