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Wieder massiver Stromausfall in Venezuela

Das einst reiche Erdölland Venezuela versinkt nach einem weiteren Blackout in Dunkelheit. Die Regierung macht dafür wieder einen Angriff auf ein Wasserkraftwerk verantwortlich. Opposition und Experten sehen das anders.



Stromausfall
Blick auf Caracas: Venezuela ist von einem massiven Stromausfall betroffen.   Foto: Rafael Hernandez

Ein neuer schwerer Stromausfall hat in Venezuela stundenlang die Lichter ausgehen lassen. Die Regierung des südamerikanischen Krisenlandes erklärte, dass die Versorgung mit Elektrizität am Montag von 16.45 Uhr Ortszeit an landesweit unterbrochen worden sei.

Informationsminister Jorge Rodríguez führte den Blackout auf einen «elektromagnetischen Angriff» auf das größte Wasserkraftwerk des Landes am Guri-Stausee zurück. Die Opposition machte hingegen Missmanagement und Korruption in der sozialistischen Regierung für den inzwischen fünften großen Stromausfall seit März verantwortlich.

Der staatliche Stromkonzern Corpoelec teilte in der Nacht zum Dienstag mit, in der Hauptstadt Caracas sei die Stromversorgung zu 100 Prozent wiederhergestellt worden. Vier der insgesamt 23 Bundesstaaten seien teilweise wieder am Netz. Auch in den sozialen Netzwerken berichteten Nutzer am späten Abend aus mehreren Teilen des Landes, darunter auch Caracas, die Lichter seien wieder angegangen.

Informationsminister Rodríguez erklärte angesichts des Zwischenfalls den Dienstag zum arbeits- und unterrichtsfreiem Tag. «Wenn es nicht unbedingt notwendig ist, empfehlen wir Ihnen, zu Hause zu bleiben», schrieb er auf Twitter. In der Millionenmetropole Caracas hatte wegen des Stromausfalls die U-Bahn ihren Betrieb einstellen müssen.

Zudem seien die Sicherheitskräfte mobilisiert worden, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen, sagte Rodríguez weiter. Auch würden die Trinkwasserzufuhr und die medizinische Versorgung der Bevölkerung sichergestellt. Die Regierung habe glücklicherweise nach früheren «Aggressionen» Sicherheitsprotokolle beschlossen.

Bereits im März hatte die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro während eines mehr als 100 Stunden langen Stromausfalls in Teilen des Landes von Sabotage gegen das Kraftwerk am Guri-Stausee, rund 500 Kilometer südöstlich von Caracas, gesprochen. Dieses versorgt einen Großteil der rund 30 Millionen Einwohner mit Strom. Maduro machte damals einen von der Opposition und den USA geplanten Cyberangriff verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft leitete damals Ermittlungen gegen den selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó ein.

Die Opposition hingegen spricht von verschleppten Investitionen, Korruption und Missmanagement der Regierung. «Sie haben die Tragödie mit Rationierung im ganzen Land zu verheimlichen versucht, aber das Versagen ist offensichtlich: Sie haben das Stromnetz zerstört und haben keine Antworten», twitterte Oppositionschef Guaidó am Montag. «Wir Venezolaner werden uns nicht an diese Katastrophe gewöhnen.» Bereits zuvor hatte er für den (heutigen) Dienstag neue Kundgebungen im Land angekündigt.

Der regierungskritische Energie-Experte José Aguilar sagte, das Stromnetz in Venezuela sei an einem Kapazitätslimit angelangt und könne die Nachfrage nicht mehr decken. «Die Grenzen für einen sicheren Betrieb werden überschritten, um einige Regionen Venezuelas mit etwas mehr Strom zu versorgen», erläuterte er in einem Interview. Er führte dies auf eine vernachlässigte Infrastruktur und mangelnde Wartung zurück. «Das System ist unstabil, ein solcher Generalausfall war absehbar», zitierte die Zeitung «El Nacional» Quellen beim Versorger Corpoelec.

Seit Anfang des Jahres liefern sich Staatschef Maduro und Parlamentspräsident Guaidó einen Machtkampf. Zahlreiche Oppositionelle sitzen in Haft. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, warf den Sicherheitskräften vor wenigen Wochen schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Außerdem leidet das einst reiche Erdölland unter einer schweren Versorgungskrise. Aufgrund von Devisenmangel können kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs eingeführt werden. Millionen Venezolaner sind bereits ins Ausland geflohen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
18:58 Uhr

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23. 07. 2019
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