Lade Login-Box.
Topthemen: Ministerpräsidentenwahl ThüringenFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Brennpunkte

Wieder legt eine Drohne den Frankfurter Flughafen lahm

Es war nur eine Frage der Zeit. Erneut musste der Flugbetrieb am Frankfurter Flughafen eingestellt werden, weil eine Drohne gesichtet wurde. Zur Komplettsperrung gibt es aktuell kaum Alternativen.



Frankfurt
Ein Flughafenmitarbieter auf einem Rollfeld des Flughafens in Frankfurt.   Foto: Boris Roessler » zu den Bildern

Erneut hat eine Drohne den Betrieb am Frankfurter Flughafen lahmgelegt. Nach der Sichtung des Flugobjekts wurde am Donnerstagmorgen der Betrieb am größten deutschen Luftdrehkreuz für fast eine Stunde aus Sicherheitsgründen eingestellt.

Der Vorfall reiht sich ein in eine lange Reihe von Drohnenalarmen an internationalen Flughäfen. Wegen fehlender Abwehrsysteme gibt es zum Flugstopp meist keine Alternative.

Laut Deutscher Flugsicherung wurden in Frankfurt 143 Starts und Landungen annulliert, 48 bereits gestartete Flugzeuge seien zu anderen Flughäfen umgeleitet worden, darunter auch Fernflüge mit zahlreichen Umsteigern. Von der Drohne wie von ihrem Lenker fehlte am Mittag noch jede Spur. Die Bundespolizei hatte den Flugbetrieb in Absprache mit der Flugsicherung um 8.18 Uhr wieder freigegeben, nachdem das Gerät nicht mehr zu sehen war. Wie bei einem vorangegangenen Drohnenalarm Ende März stieg ein Hubschrauber auf, um nach dem Flugkörper zu suchen.

Die aktuelle Drohne sei von mehreren Piloten im Süden des Geländes gesichtet worden, sagte eine Sprecherin der Flugsicherung. Sie hätten von einem größeren, rot lackierten Gerät mit einem Durchmesser von etwa 1,50 Meter berichtet. Möglicherweise habe es sich um eine Profi-Drohne gehandelt, die auch Lasten tragen könnte und für die eine Aufstiegserlaubnis hätte eingeholt werden müssen. Allein bei der Lufthansa waren rund 15 000 Passagiere von dem Vorfall betroffen. Die Airline setzte am Nachmittag ein Langstreckenflugzeug vom Typ Airbus A330 ein, um verspätete Passagiere nach London zu fliegen.

FDP-Politiker verlangten ein schlüssiges Konzept zur Drohnenabwehr an den Flughäfen. «Die Bundesregierung ist in Sachen Drohnenabwehr untätig. Die jüngsten Vorfälle belegen, dass wir eine eindeutige Kompetenzzuweisung zur Drohnenabwehr benötigen», erklärte der Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther. Sein CDU-Kollege Christoph de Vries regte erneut einen runden Tisch zum Thema an. «Gutachten haben gezeigt, dass es hinsichtlich der Zuständigkeiten für die Erkennung, Identifizierung und Abwehr von Drohnen politischen Handlungsbedarf gibt, um im Ernstfall gut aufgestellt zu sein.»

Auch auf Landesebene gebe es Klärungsbedarf, meinte der hessische FDP-Landtagsabgeordnete Stefan Naas. «Die Abwehr mit einer Schusswaffe oder einem Wasserstrahl, wie die Antworten der Bundes- und Landesregierung auf unsere Anfragen vorschlagen, können ja wohl nicht ernsthaft eine Lösung für das wachsende Problem sein. Die Landesregierung muss endlich das Zuständigkeitsmikado beenden.»

Der Kasseler Hersteller Dedrone verwies auf zwölf bereits an europäischen Flughäfen installierte Detektionssysteme. Es sei schwer nachvollziehbar, dass erneut ein Hubschrauber losgeschickt worden sei, kritisierte Geschäftsführer Jörg Lamprecht. «Dabei gibt es Systeme, die in der Lage sind, Drohnen zuverlässig zu erkennen und zu orten.»

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit zeigte sich vorsichtig zu möglichen Abwehr-Konzepten. So könnten Funk-Störsender auch die Systeme der Luftfahrt beeinträchtigen und fest installierte Abwehrwaffen zusätzliche Risiken schaffen, gab Sprecher Jannis Schmitt zu bedenken. Er forderte als ersten Schritt eine bessere Sichtbarkeit der Drohnen über Positionslichter, Funk-Transponder oder eine Signallackierung.

In den Frankfurter Terminals beklagten Fluggäste die Kommunikation des Flughafenbetreibers. «Wir haben uns in drei verschiedenen Schlangen eingereiht und mehr als drei Stunden gewartet. Es gab kaum Durchsagen, was zu tun ist. Ich bin genervt», sagte eine 46-jährige Amerikanerin auf der Durchreise nach Amsterdam. Auch andere Passagiere sagten, sie hätten Probleme gehabt, den richtigen Schalter zu finden und so teilweise mehr als vier Stunden warten müssen.

In Deutschland sind Drohnenflüge über Flughäfen verboten - genauso wie über Menschenmengen, Krankenhäusern, Gefängnissen, Behörden, Bundesstraßen oder Bahnanlagen. Dort, wo es erlaubt ist, müssen die Geräte während des Fluges grundsätzlich in Sichtweite bleiben und dürfen nicht höher fliegen als 100 Meter. Ausnahmen gibt es auf Modellflugplätzen.

Strafrechtlich handelt es sich laut Bundespolizei um einen gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr, der mit Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren bestraft wird. Wird eine große Zahl von Menschen gefährdet, darf die Strafe nicht weniger als ein Jahr betragen. «So ein Drohnenflug ist keine Kleinigkeit», warnte Sprecher Reza Ahmari mögliche Nachahmer. «Schließlich bestehen konkrete Gefahren für Leib und Leben vieler Menschen.»

Die Deutsche Flugsicherung hat 2018 insgesamt 158 Behinderungen des regulären Luftverkehrs durch Drohnen registriert, etwa 80 Prozent mehr als noch 2017. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind weitere 17 Fälle hinzugekommen. In der Umgebung von Flughäfen seien vergangenes Jahr 125 Fälle gemeldet worden. Die meisten Störungen gab es am Flughafen Frankfurt/Main (31), gefolgt von Berlin-Tegel (17), München (14) und Hamburg (12). 2017 hatte es bundesweit 88 Fälle gegeben. Die Meldungen beruhen allein auf Sichtungen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 05. 2019
16:01 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
A330 Airbus GmbH Bundespolizei Christoph de Vries Deutsche Flugsicherung Deutsche Lufthansa AG Fluggäste Flughafen Frankfurt Flughäfen Flugsicherung Flugzeuge Fraport AG Langstreckenflugzeuge Luftverkehr Passagiere und Fahrgäste Polizei Vereinigung Cockpit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Frankfurter Flughafen

08.02.2020

Flugdrohne: Frankfurt Airport stellt eine Stunde Betrieb ein

Für rund eine Stunde geht nichts am größten deutschen Flughafen: Weil eine Drohne gemeldet wird, darf kein Flieger starten oder landen. Für einige Passagiere endet ihre Reise daher auf einem anderen Flughafen. » mehr

Flughafen Frankfurt

17.11.2019

Frankfurt: Flugzeuge auf Rollfeld des Flughafens kollidiert

Kollision am Frankfurter Flughafen: Zwei Maschinen stoßen nach der Landung zusammen. Menschen wurden nach ersten Erkenntnissen nicht verletzt. Aber wie konnte das passieren? » mehr

Gefahr durch Drohnen

25.01.2020

Bund rechnet mit hohen Kosten für Drohnenabwehr an Flughäfen

Die Verbesserung der Drohnenabwehr an deutschen Flughäfen dürfte nach Einschätzung des Bundesverkehrsministeriums Millionen verschlingen. » mehr

Sicherheitskontrolle am Flughafen

21.05.2019

Flugverspätungen: Ein großes Ärgernis mit vielen Ursachen

Fluggastkontrollen sind wie der Gang zum Zahnarzt. Notwendig, aber nicht immer angenehm. Flughafenbetreiber sollen - ginge es nach dem Bundesinnenministerium - nun bei den Passagierkontrollen mehr Verantwortung übernehme... » mehr

Drohne und Flugzeug

31.12.2019

Weniger Zwischenfälle mit Drohnen an Flughäfen

Begegnen sich eine Drohne und ein Flugzeug in der Luft, kann das gefährliche Folgen haben. Im Jahr 2019 musste wegen gesichteter Drohnen gleich mehrfach der Flugbetrieb an deutschen Airports gestoppt werden. Tendenziell ... » mehr

Amsterdam-Schiphol

07.11.2019

Cockpit-Panne löst Großalarm auf Amsterdamer Flughafen aus

Kleiner Fehler, große Wirkung: Weil ein Flugkapitän einem Auszubildenden im Cockpit ein paar Codes erklärte, ist auf dem Flughafen Amsterdam-Schiphol ein Großalarm ausgelöst worden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Wohnungsbrand in Eisfeld

Wohnungsbrand in Eisfeld |
» 26 Bilder ansehen

fasching geschwenda

Fasching Geschwenda 2020 | 16.02.2020 Geschwenda
» 17 Bilder ansehen

mtrwm_LandsbergChinesen051.jpg Meiningen

Schloss Landsberg Meiningen | 14.02.2020 Meiningen
» 34 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 05. 2019
16:01 Uhr



^