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Weihnachtsmarkt-Räumung: Verdächtige aus Salafisten-Szene

Es ist der Weihnachtsmarkt, und es ist der Breitscheidplatz an der Berliner Gedächtniskirche. Drei Jahre nach dem Terroranschlag wird der Platz erneut geräumt. Bei den Ermittlungen geht es auch wieder um die islamistische Szene.



Weihnachtsmarkt geräumt
Nach Hinweisen auf einen möglicherweise verdächtigen Gegenstand räumte die Polizei am Samstagabend den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.   Foto: Gregor Fischer/dpa

Es sind diese zwei Worte, die nicht nur in Berlin etwas auslösen: Weihnachtsmarkt und Breitscheidplatz. Wo fast auf den Tag genau vor drei Jahren der islamistische Terrorist Anis Amri mit einem gekaperten Lastwagen eine Spur der Verwüstung hinterlassen und zwölf Menschen getötet hatte, herrscht am Samstagabend Alarmstimmung.

Einer Polizeistreife fallen gegen 19.00 Uhr zwei verdächtige Männer auf, weil sie sich «schlagartig entfernt» und dabei auch Leute beiseite gedrängt hatten, wie es am Sonntag heißt. Die Polizisten entschließen sich, die Männer zu kontrollieren. Wenig später wird der Platz geräumt.

Aufgrund des Verhaltens der beiden Männer kann die Polizei nicht ausschließen, dass sich ein verdächtiger Gegenstand, möglicherweise Sprengstoff, auf dem Weihnachtsmarkt-Gelände befindet. «Die Kombination hat bei den Einsatzkräften ein ungutes Gefühl ausgelöst, das zur Räumung des Platzes führte», sagt Polizeisprecher Thilo Cablitz.

Am Sonntag wird klar: Die Männer gehören der salafistischen Szene an. Ob sie damit auch als islamistische «Gefährder» eingestuft werden, denen ein Anschlag zugetraut wird, sagt der Sprecher nicht. Weitere Erkenntnisse dazu gebe es nicht, heißt es. Festgenommen wird keiner der Männer, die Polizei stellt aber ihre Identitäten fest. Sie hätten in Berlin gelebt, so Cablitz.

Bei der Überprüfung am Samstag finden die Einsatzkräfte zunächst heraus, dass nach einer der Personen in einem islamistischen Kontext gefahndet werde - was sich allerdings später als nicht korrekt herausstellt. Die Polizei spricht von einer Namensverwechslung. Außerdem offenbaren sich Differenzen zwischen Pass und Aufenthaltstitel eines der Männer, woraus sich Widersprüche zur tatsächlichen Identität ergeben.

250 Polizisten suchen daraufhin am Abend - unterstützt von Sprengstoffspürhunden - den Platz und die Gedächtniskirche ab, wo gerade noch der Bach-Chor das Weihnachtsoratorium gesungen hatte. Gefunden wird nichts. Die Männer werden vernommen. Um 22.49 Uhr werden sie aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Laut Cablitz handelt es sich um zwei 21 und 24 Jahre alte syrischstämmige Männer. Kurz davor hebt die Polizei die Sperrungen um den Weihnachtsmarkt auf.

Seit dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz vor drei Jahren haben die deutschen Behörden nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) neun islamistisch motivierte Anschläge in Deutschland verhindert. Diese Zahl teilte das BKA auf Anfrage der «Welt am Sonntag» (WamS) mit. Allein in diesem November seien zwei Anschläge abgewendet worden. Konkretere Angaben zu den Hintergründen machte das BKA in dem Bericht nicht.

Berlins Innensenator Andreas Geisel bezeichnete die Entscheidung der Polizei, den Weihnachtsmarkt zu räumen, am Sonntag denn auch als richtig. Der Einsatz zeige, dass sich die Sicherheitsbehörden «nicht im Routinemodus befinden und weiter wachsam sind», betonte der SPD-Politiker. Und eines sei auch klar: «Ein Fehlalarm ist am Ende immer die bessere Nachricht», sagte Geisel.

«Es ist der Breitscheidplatz, und es ist Weihnachtszeit. Da sind wir hochsensibel», hieß es am Vorabend bei der Polizei. Alle Besucher hätten das Gelände ruhig und besonnen verlassen. In Medien berichteten Besucher aber auch von Aufregung.

Es bleibt das Gefühl, dass der Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt das Leben in Deutschland nachhaltig verändert hat. Erst am Donnerstag, zum dritten Jahrestag, hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) im Parlament betont, der Anschlag habe tiefe Wunden, Trauer, Schmerzen und Traumata sowie «eine bleibende Verletzung in unserer Gesellschaft» hinterlassen. Es sei deutlich geworden, dass die freiheitliche Demokratie verwundbar sei. Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) sagte zum Gedenktag, Unsicherheit und Angst sollten nicht das Leben bestimmen. Eine Botschaft des 19. Dezember 2016 sei, die Freiheit nicht aufzugeben.

Der islamistische Attentäter Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem gekaperten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gerast. Er hatte zuvor den Lastwagenfahrer erschossen und tötete dann mit dem Lkw elf Besucherinnen und Besucher des Marktes. Dutzende Menschen wurden verletzt. Amri wurde später auf der Flucht in Italien erschossen. Mehrere Parlamentarische Untersuchungsausschüsse versuchen seitdem, Fehler und Versäumnisse von Behörden aufzuarbeiten.

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 12. 2019
17:14 Uhr

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22. 12. 2019
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