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Verteidiger im BVB-Prozess: «Es war kein Mordversuch»

Die Verteidiger von Sergej W. bleiben dabei: Der Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund war kein Mordversuch. Im Plädoyer vor dem Dortmunder Schwurgericht beantragen sie deutlich weniger als zehn Jahre Haft.



Prozess in Dortmund
Der Angeklagte Sergej W. steht im Gerichtssaal in Dortmund neben seinem Anwalt Carl Heydenreich (r).   Foto: Bernd Thissen » zu den Bildern

Der mutmaßliche BVB-Attentäter Sergej W. soll nach dem Willen seiner Verteidiger nicht wegen versuchten Mordes verurteilt werden.

In ihrem Plädoyer vor dem Dortmunder Schwurgericht beantragten die Rechtsanwälte Carl Heydenreich und Christos Psaltiras am Donnerstag eine Haftstrafe von deutlich unter zehn Jahren wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Der 29-jährige Angeklagte habe bei dem Bombenanschlag am 11. April 2017 keinen Tötungsvorsatz gehabt, sondern nur Angst und Schrecken verbreiten wollen. «Er hat darauf vertraut, dass er die Bomben kontrollieren konnte», sagte Rechtsanwalt Heydenreich in seinem Schlussvortrag.

Die beiden Verteidiger nutzten ihre Plädoyers auch für harte Attacken auf die Staatsanwaltschaft und die übrigen an den Ermittlungen beteiligten Behörden. Von Anfang an sei nicht objektiv gegen Sergej W. ermittelt worden. Niemand habe sich die Frage gestellt, ob der in Russland geborene Deutsche tatsächlich die Spieler, Trainer und Verantwortlichen von Borussia Dortmund töten wollte, um sein Ziel zu erreichen. «Bei den Ermittlungen gab es eine unsägliche Kombination aus Vorverurteilung, Inkompetenz und Ignoranz», so Heydenreich.

Sergej W. hat im Prozess zugegeben, dass er mit dem Anschlag Einfluss auf den Aktienkurs des börsennotierten Fußballclubs nehmen wollte. Er hatte zuvor mit geliehenem Geld Optionsscheine erworben, mit denen er auf einen fallenden Kurs wettete. Eine Tötung der Businsassen sei aber niemals Teil des Plans gewesen, hatte der 29-Jährige den Richtern gesagt.

Auch Verteidiger Heydenreich ist davon überzeugt, dass sein Mandant die Bomben bewusst so gebaut hat, dass «zuverlässig Personenschäden vermieden werden konnten». Darüber hinaus habe Sergej W. die Sprengsätze absichtlich in einer Hecke neben dem Mannschaftsbus versteckt. Dort, wo zusätzlich parkende Autos gestanden hätten.

Bei dem Anschlag war der damals noch für Borussia Dortmund aktive spanische Innenverteidiger Marc Bartra im Inneren des Mannschaftsbusses schwer am Unterarm verletzt worden. Ein Polizist, der dem Bus auf dem Weg vom Mannschaftshotel zum Signal-Iduna-Park vorausfahren sollte, hatte ein Knalltrauma erlitten. Der Beamte ist inzwischen dienstunfähig. Die geplante Champions-League-Partie von Borussia Dortmund gegen AS Monaco war an diesem Abend abgesagt und am nächsten Tag nachgeholt worden.

Die Verteidiger beschrieben Sergej W. in ihren Plädoyers als zutiefst verunsicherte Persönlichkeit mit narzisstischen und selbstverliebten Zügen. Auch sein angeblich teilnahmsloses Verhalten während der Verhandlungstage im Gericht sei damit zu erklären. In seinem Inneren sei der 29-Jährige sehr aufgeregt gewesen. «Und er hat sich so geschämt, dass er zum Beispiel Marc Bartra bei dessen Zeugenaussage gar nicht in die Augen sehen konnte», sagte Rechtsanwalt Heydenreich.

In seinem letzten Wort vor der Urteilsberatung wandte sich Sergej W. am Donnerstag noch einmal persönlich an die Verfahrensbeteiligten. «Ich möchte mich bei allen entschuldigen», sagte er. Die Richter wollen ihr Urteil am Dienstag, 27. November, verkünden. Die Staatsanwaltschaft hat für den Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe wegen versuchten Mordes beantragt.

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 11. 2018
16:13 Uhr

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22. 11. 2018
16:13 Uhr



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