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«Unsägliche Brutalität» auf Migrationsrouten in Afrika

Die von der EU unterstützte libysche Küstenwache hat nach einem UNHCR-Bericht in diesem Jahr bereits 6200 Menschen an einer gefährlichen Überfahrt nach Europa gehindert. Was folgt ist offensichtlich aber wenig menschenfreundlich.



Eine Frau in einem Ghetto in Niger
Laut einem UNHCR-Bericht kommen Flüchtlinge innerhalb Afrikas zu Tausenden um.   Foto: picture alliance / Kristin Palitza/dpa

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt kommen nach einer Studie schon auf den afrikanischen Migrationsrouten in Richtung Mittelmeer jedes Jahr Tausende Menschen um oder werden misshandelt.

Sie gerieten in die Hände von Menschenschmugglern, Milizen, Militär oder Polizei und erlebten «unsägliche Brutalität», berichteten das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und das Migrationszentrum des dänischen Flüchtlingsrat in Genf.

Die Organisationen gehen davon aus, dass 2018 und 2019 mindestens 1750 Menschen auf den Routen umgekommen sind - zusätzlich zu denen, die auf dem Weg über das Mittelmeer nach Europa verschwinden oder umkommen. 2018 und 2019 kamen auf der zentralen Mittelmeerroute - meist von Libyen aus - nach Statistiken der UN-Organisation für Migration (IOM) mehr als 2500 Menschen ums Leben.

Gut ein Viertel der Menschen sterbe auf den Landrouten bei der Durchquerung der Sahara. An Durchgangsstationen in der Wüste und an Grenzposten sei sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Frauen, aber auch Jungen und Männer, an der Tagesordnung. Auch Menschenschmuggler täten Migranten Gewalt an und zwängen Frauen in die Prostitution.

In Libyen kämen Überlebende schwer traumatisiert an. Dort würden sie - und die Menschen, die die libysche Küstenwache auf dem Mittelmeer abfange - unter oft menschenverachtenden Umständen in Lagern festgehalten. Die Küstenwache habe in diesem Jahr bereits mehr als 6200 Menschen abgefangen. Im vergangenen Jahr waren es gut 9000.

«Die erschütternden Erlebnisse der Flüchtlinge und Migranten auf diesen Landrouten ist zu lange unsichtbar geblieben», sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi. Die brutale Gewalt richte sich vielfach gegen Menschen, die vor Kriegen, Gewalt und Verfolgung fliehen. Er rief die Länder in der Region auf, die Brutalität zu beenden, die Opfer zu schützen und Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Die EU wies unterdessen Vorwürfe zurück, wegen ihrer Unterstützungsleistungen für die libysche Küstenwache zumindest für die Situation in Libyen mitverantwortlich zu sein. Man verurteile die Gefangenenlager und arbeite mit den libyschen Behörden daran, dass sie geschlossen werden, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Dienstes am Mittwoch in Brüssel. «Wir sind uns der Probleme bewusst und wir versuchen, sie anzugehen.»

© dpa-infocom, dpa:200729-99-968159/3

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29. 07. 2020
14:59 Uhr

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14:59 Uhr



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