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«Umpolungsversuche» bei Homosexuellen sollen verboten werden

Es klingt wie aus einer anderen Zeit, aber auch heute gibt es sie noch: «Therapien» zur «Heilung» von Homosexualität. Die Regierung will dem einen Riegel vorschieben und bringt ein Gesetz zum teilweisen Verbot sogenannter Konversionsbehandlungen auf den Weg.



Jens Spahn
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: «Diese angebliche Therapie macht krank und nicht gesund.».   Foto: Britta Pedersen/zb/dpa

Es ist der zentrale Satz, der bei diesem Thema immer wieder fällt: «Was keine Krankheit ist, kann man nicht heilen.» Sogenannte Konversionstherapien, die das Ziel haben, Homo-, Bi- oder Transsexuelle «umzupolen» oder zu «heilen», sollen künftig verboten werden - zumindest teilweise.

Nach monatelangen Beratungen hat die Bundesregierung an diesem Mittwoch ein entsprechendes Gesetz auf den Weg gebracht. Vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) wurde das begrüßt, dennoch sieht der Verband noch Lücken im Gesetz.

«Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins. Ich sage immer, der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.» Damit hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Anfang des Jahres in der «taz» den Aufschlag gemacht. Sein Gesetzentwurf, den die Bundesregierung nun auf den Weg gebracht hat, sieht hohe Bußgelder und bis zu einjährige Gefängnisstrafen für Anbieter solcher Methoden vor.

Auch Eltern oder Erziehungsberechtigte können unter Umständen belangt werden, allerdings nur, wenn bei ihnen eine «gröbliche Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht» vorliegt. Das wird von Grünen und LSVD kritisiert. Dieser Passus ermögliche es Eltern und Erziehungsberechtigten weiterhin und ohne Folgen, Pseudotherapien durchzuführen, sagte die Grünen-Abgeordnete Ulle Schauws. Die Grünen wollen bei den Beratungen des Gesetzentwurfs im Bundestag noch Verschärfungen durchsetzen.

Das Bundesgesundheitsministerium peilt ein Inkrafttreten des Verbots bis Mitte nächsten Jahres an. Im Bundesrat sei keine Zustimmung notwendig, hieß es.

Nach Einschätzung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, benannt nach dem Sexualwissenschaftler und Mitbegründer der weltweit ersten Homosexuellen-Bewegung, werden die umstrittenen «Heilungsversuche» immer noch bei Tausenden Betroffenen jedes Jahr in Deutschland angewendet. Das reiche von «Therapien» im familiären Umfeld und Sitzungen bei Coaches oder Therapeuten, über Gebete bis hin zu Dämonenaustreibung. Betroffene entwickeln nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) in Folge solcher Methoden häufig depressive Erkrankungen, Angststörungen, greifen zu Drogen und haben ein erhöhtes Suizidrisiko.

Man unterstütze deshalb nachdrücklich den Gesetzentwurf der Bundesregierung, er sei ein wichtiges gesellschaftspolitisches Signal, teilte die BPtK am Mittwoch mit. «Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit sind keine Krankheiten oder Störungen.»

Spahns Gesetzentwurf sieht nun Folgendes vor: Bei unter 18-Jährigen sollen Konversionstherapien generell verboten werden. Aber auch wenn die Betroffenen schon volljährig sind und zum Beispiel durch Zwang, Drohung oder Täuschung zu einer solchen «Behandlung» verleitet oder nicht über die «Schädlichkeit der Behandlung» aufgeklärt wurden, solle es künftig Strafen für die Anbieter geben. Das Verbot umfasst außerdem die Werbung für solche «Therapien» oder die Vermittlung an entsprechende «Therapeuten». Die Pläne wurden noch einmal verschärft. Ursprünglich war ein generelles Verbot nur bis zum Alter von 16 Jahren geplant.

Durch Konversionstherapien entstehe oft schweres körperliches und seelisches Leid, sagte Spahn am Mittwoch. «Diese angebliche Therapie macht krank und nicht gesund.» Ein Verbot sei auch ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen an alle, die mit ihrer Homosexualität haderten: «Es ist ok, so wie du bist.»

Umfragen zufolge sagen zwischen 4 und 7 Prozent der Bevölkerung, dass sie schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell sind. Nach Einschätzung des LSVD gab es in den vergangenen Jahren Fortschritte bei der rechtlichen Anerkennung und der gesellschaftlichen Akzeptanz. «Allerdings vergehen auch heute trotzdem noch zwischen dem ersten Bewusstwerden - dem inneren Coming-out - und dem ersten öffentlichen Coming-out gegenüber Freunden oder Eltern durchaus mehrere Jahre, weil Diskriminierung und negative Reaktionen befürchtet werden», sagte LSVD-Sprecher Markus Ulrich der Deutschen Presse-Agentur. Er warnte zugleich davor, dass ein aggressives und menschenfeindliches Klima wieder salonfähig werde.

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 12. 2019
18:56 Uhr

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